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Bamberg

Wir trauern um unsere Rettl

Die bekannte Mundartautorin Marga Schmidt verstarb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren.
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Marga Schmidt alias "Rettl Motschenbacher"  Foto: Wolfram Schmidt
Marga Schmidt alias "Rettl Motschenbacher" Foto: Wolfram Schmidt

Michael Memmel Bamberg —  Ihr Humor war fränkisch-derb, ihre Ansprache direkt und herzlich, ihre "Blätzla" noch leckerer, als es ihre Rezepte erahnen ließen, und ihre Anrufe nach dem Verschicken einer ihrer "Gschichtla" so sicher, wie das Amen in ihrer Oberen Pfarre. Das alles und noch viel mehr wird uns, den Bamberger FT-Lokalredakteuren, künftig fehlen, denn am Mittwoch ist unsere Mitarbeiterin Marga Schmidt im Alter von 88 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Besser bekannt ist sie den Lesern freilich als "Rettl Motschenbacher".

Unter diesem Pseudonym veröffentlichte sie seit vielen Jahren Beiträge im FT und in zahlreichen Büchern. Bis zuletzt war sie bei relativ guter Gesundheit und schaffte es bei Lesungen auch im hohen Alter noch, ihren Zuhörern Lachtränen zu entlocken. Den letzten großen Auftritt hatte die Rettl im vergangenen November bei der Abschluss-Gala für das erste fränkische Mundart-Festival im E.T.A.-Hoffmann-Theater. Im Fränkischen Tag erschien ihre letzte Kolumne im Bamberger Dialekt vor zwei Wochen unter der Überschrift "Nimm doch miich, Vico!".

Mit ihren "Gschichtla" wollte sie das alte Bamberg in Erinnerung rufen und wach halten. Das gelang ihr vortrefflich, denn sie schaffte es, ihre Anekdoten mit Witz zu verpacken und hatte deshalb viele Leser und Fans nicht nur in der Stadt, sondern auch darüber hinaus. Mehr noch: Die unterhaltsamen, stets mit einer starken Pointe ausstaffierten "Stückla" von den Bamberger Häckern, Gärtnern und aus dem Milieu der kleineren Leute trugen immer auch viel Sozialgeschichte in sich.

Die Heimat von Marga Schmidt ist der Kaulberg, wo sie in der Oberen Pfarre auf den Namen Margareta Maria getauft wurde. Ihre Patin war die Tante Reta Motschenbacher, die in ihrer Jugend noch "Rettl" gerufen wurde. Dieser Name sollte später zu ihrem Pseudonym als Mundart-Autorin werden.

Eine besondere Mischung

1978, als ihre vier Kinder aus dem Haus waren, kam sie mit dem Fränkischen Tag und dem damaligen Lokalchef Willy Heckel in Kontakt. So begann ihre Mitarbeit - erst als gewöhnliche Berichterstatterin, später dann als Kolumnistin, nachdem einer ihrer Söhne sie ermutigt hatte, die Begebenheiten, die sie bei Familienfeiern gern erzählte, auch aufzuschreiben. Seitdem fertigte sie Hunderte von fränkischen Alltags-Geschichten mit ihrer einmaligen Mischung aus Hochdeutsch und Mundart an. Ihre Themen nahm sie bevorzugt aus dem Gemeindeleben der Oberen Pfarre.

Auch der Buchverlag des Fränkischen Tags nahm die Rettl unter Vertrag, veröffentlichte ab 1997 ihre Geschichten in mehreren Bänden und vertrieb ein Hörbuch. Die Koch- und Backbücher waren echte Bestseller. Gerade die "Blätzla-Rezepte" werden heute noch in vielen Bamberger Haushalten in Ehren gehalten und Rettls Lieblingsplätzchen Jahr für Jahr nachgebacken. 2008 schrieb sie dann sogar einen Roman: "Die Kuni und ihä Kinnä".

Selbstbewusstsein erschrieben

Das Schreiben hat ihr ungemein viel gegeben - nicht nur den Spaß an der Arbeit, sondern auch bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Vor Jahren hatte Marga Schmidt das so ausgedrückt: "Früher war ich sehr viel unsicherer, schüchtern und hätte nie gewagt, irgendwo das Wort zu ergreifen." Mit den Erfolgen sei das Selbstbewusstsein gewachsen.

Eine starke und stets gewitzte Bambergerin - mit diesem Bild vor Augen werden wir und die Bamberger von ihr Abschied nehmen am Mittwoch, 19. Februar, um 9 Uhr bei einem Trauergottesdienst in der Oberen Pfarre und bei der Beerdigung um 12.15 Uhr auf dem Friedhof Bamberg.

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