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Rödental

"Wir sind nicht nur Muckibude"

Fitness-Studios bangen um ihre Existenz. Im Sportshouse protestierten Angestellte und rund 40 Teilnehmer gegen die Beschlüsse der Staatsregierung. Am Vatertag stellen sie ihre Geräte auf die Straße und laden zum "Open-Air-Training" ein.
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Michael allein im Studio! Ein glücklicher Betreiber von Fitness-Studios sieht sicher anders aus, doch Michael Haust, der in Coburg, Rödental und Sonneberg drei Einrichtungen leitet, hat aufgrund ausbleibender Kundschaft wegen der Corona-Auflagen derzeit nichts zu lachen. Foto: Christoph Böger
Michael allein im Studio! Ein glücklicher Betreiber von Fitness-Studios sieht sicher anders aus, doch Michael Haust, der in Coburg, Rödental und Sonneberg drei Einrichtungen leitet, hat aufgrund ausbleibender Kundschaft wegen der Corona-Auflagen derzeit nichts zu lachen. Foto: Christoph Böger
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Christoph Böger Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen werden in Bayern Stück für Stück gelockert. Die Besitzer von Fitness-Studios müssen sich dagegen immer noch in Geduld üben. Die Crew der Sportshouse-Gruppe bringt das auf die Palme.

Aber der Betreiber der drei Fitness-Studios (Coburg, Rödental, Sonneberg) und seine Angestellten protestieren nicht nur, sondern zeigen sich in diesen Tagen auch besonders kreativ. Schließlich wollen sie alles möglich machen, damit die Mitglieder der Fitnessstudios doch trainieren können.

Mahnwachen an den Sonntagen

Die Rödentaler machten am Sonntag auf ihre verzwickte Lage mit einer Mahnwache aufmerksam, werden eine solche am nächsten Sonntag noch einmal wiederholen. Und damit nicht genug: Am morgigen Donnerstag (Himmelfahrt) stellen sie kurzerhand einige ihrer vielen Sportgeräte aus dem Fitness-Studios raus auf den Parkplatz und auf die Zugangsstraße.

Damit wollen sie das Training ins Freie verlagern. Denn Sport unter freiem Himmel ist erlaubt - sofern die Hygieneregeln eingehalten werden. Voraussetzung ist unter anderen der Mindestabstand von eineinhalb Metern.

Am Sonntagvormittag veranstaltete Studiobesitzer Michael Haust mit seinen Angestellten und rund 40 Teilnehmern die Protestveranstaltung. Sein brennendes Thema: "Die existenzbedrohende Lage der Fitnessbranche und ihrer Mitarbeiter". Ziel war es, Aufmerksamkeit zu erregen und die Öffnung der Fitness- und Gesundheitsstudios zu bewirken. Mit mehreren Transparenten machten die mit orangen Warnwesten bekleideten Mitarbeiter auf ihre Probleme aufmerksam: "Wir machen Menschen gesund - Wir sind nicht nur Muckibude." Mit weißer Kreide schrieben sie auf den Teer: "Sport macht fit und hält gesund".

"Warum eine Mahnwache? Das wurde ich häufig gefragt", sagt Haust. "Die ersten Studios sterben schon, und das wird so weitergehen, wenn sich nichts ändert. Wir sind wichtige Gesundheitseinrichtungen, gerade für Senioren, die angeleitetes und betreutes Training benötigen und nicht mehr Joggen oder Fahrrad fahren können", erklärt der verärgerte Unternehmer, der drei Studios führt.

Für ihn und seine Kollegen wird Corona trotz der vielen Initiativen und Innovationen rund um die Studios weiter zu einem Geduldsspiel, denn die geltenden Regeln seien eine klare Benachteiligung für Fitnessstudios im Vergleich zu anderen Branchen wie Friseuren oder Kosmetikstudios.

Haust gönnt seinen Kollegen, die mit EMS-Training (Bodystreet) ihr Geld verdienen, gute Umsätze, weshalb diese Einrichtungen öffnen dürfen, Fitness-Studios aber nicht, sei nur schwer nachvollziehbar Witz".

"Bodystreet" ist erlaubt

Wenig Verständnis hat der kleine, kräftige Mann vor allem auch für die unterschiedliche Rechtslage im Vergleich zu anderen Bundesländern. Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, weshalb Fitness-Studios zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein unter Auflagen öffnen dürfen, in Bayern aber nicht. Er ist wütend über die Anweisungen der Staatsregierung in München.

Aber er kämpft weiter. Für kleine und mittelständische Unternehmen sei eine Wiedereröffnung nun überlebenswichtig, schließlich hingen auch viele Arbeitsplätze daran. Doch die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kunden steht für Haust an erster Stelle. Vor allem ältere Menschen würden die Fitnessstudios auch für die Linderung von körperlichen Beschwerden nutzen.

Seine nächste Aktion ist bereits geplant: Am Vatertag können alle Mitglieder und Freunde des Sportshouse - "und solche, die es noch werden wollen" (O-Ton Haust) - im Freien trainieren. "Wir haben uns viel für unsere Kunden einfallen lassen", verspricht auch seine Serviceleiterin Marina Blümig.

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