Zeil am Main

"Wir sind doch keine Angsthasen"

Schüler nahmen in Zeil an den zweisprachigen Lesewochen teil. Sie hörten eine Geschichte auf Deutsch und Arabisch.
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Landrat Wilhelm Schneider und Mohamad Almotlak (von rechts) lasen vor den Kindern in der Zeiler Bibliothek in zwei Sprachen.  Foto: Günther Geiling
Landrat Wilhelm Schneider und Mohamad Almotlak (von rechts) lasen vor den Kindern in der Zeiler Bibliothek in zwei Sprachen. Foto: Günther Geiling

Wer hört schon einmal eine Geschichte in zwei Sprachen? Im Rahmen der interkulturellen Woche im Landkreis Haßberge wurde dies möglich und 17 Klassen der Grundschulen beteiligen sich an den zweisprachigen Lesewochen. Sie hören die Kurzgeschichte "Wir sind doch keine Angsthasen" sowohl in Deutsch als auch auf Arabisch oder eine Geschichte auf Deutsch und auf Russisch.

Angestoßen wurde die Aktion von der Bildungskoordination für Neuzugewanderte des Landkreises Haßberge, Bettina Fritzler, die das Projekt vor einigen Monaten während der ersten Sitzung des Bildungsbeirates der Bildungsregion Haßberge präsentiert hatte und den Grundschulen die Organisation von zweisprachigen Lesestunden anbot. Da die Rückmeldungen positiv verliefen und die Anmeldungen der Klassen umfangreicher als erwartet ausfielen, entwickelten sich aus den ursprünglich geplanten zweisprachigen Lesestunden die zweisprachigen Lesewochen.

Die Bildungskoordinatorin gab ihrer Freude Ausdruck, dass als Kooperationspartner die Stadtbibliothek Zeil und das Bibliotheks- und Informationszentrum in Haßfurt (Biz) dafür gewonnen werden konnten und ihre Räume sowie das Personal zur Verfügung stellen. Teilnehmer sind aktuell die Grundschule Zeil/Sand und die Grundschule Haßfurt (21. bis 25.Oktober).

Die Grundschulen gaben bei der Anmeldung die von ihnen gewünschten Fremdsprachen selbst an. Arabisch und Russisch waren sehr gefragt. So organisierte Siza Zaby, die hauptamtliche Integrationslotsin des Landkreises Haßberge, mehrere geeignete arabischsprachige Vorleser. Für das Vorlesen auf Russisch konnte erfreulicherweise die im Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt tätige Lehrkraft für das Wahlfach Russisch gewonnen werden. Dort wird übrigens zum ersten Mal das Wahlfach Russisch angeboten; dafür interessieren sich 34 Schüler.

"Durch die zweisprachigen Lesewochen wird sowohl die Muttersprache gefördert als auch das Interesse und die Neugier an Fremdsprachen geweckt", betonte Bettina Fritzler. "Projekte wie diese sind zentral für die Anerkennung der Gleichwertigkeit von Sprachen, dienen aber auch dem Willkommen und der Wertschätzung gegenüber dem Sprechenden."

In Zeil kamen die Buben und Mädchen der Klasse 1b jetzt mit ihrer Lehrerin Kristina Franek in die Stadtbibliothek und waren schon gespannt, was sie erwartete. Mohamad Almotlak, ehrenamtlicher Vorleser für Arabisch, und Landrat Wilhelm Schneider empfingen die Schüler.

"Einer kommt aus Haßfurt"

Landrat Wilhelm Schneider kam mit den Kindern gleich ins Gespräch. Er wollte wissen, ob sie schon einmal mit anderen Sprachen Kontakt hatten, vielleicht auf Reisen. "Oder gibt es in eurer Klasse sogar Schüler, die von woanders herkommen oder aus anderen Ländern?", fragte er. "Einer kommt aus Haßfurt", sagte spontan ein Schüler. "Wir haben auch Sander", kam der nächste Zwischenruf - bis dann die Antwort zu hören war: "Einer ist aus Afghanistan und einer aus Italien."

"Auf unserer Erde werden rund 7000 Sprachen gesprochen. Bei uns im Landkreis leben Menschen, die aus 100 Ländern kommen. Die meisten sprechen neben Deutsch noch eine zweite oder dritte Sprache. Wenn ich eine Fremdsprache höre, werde ich auch immer sehr neugierig, und sehr interessant finde ich, wie andere Sprachen klingen", gestand der Landrat.

Wilhelm Schneider las dann vor. Mohamad Almotlak aus Eltmann wiederholte das Vorgetragene auf Arabisch. Auf diese Weise banden sie die Kinder zweisprachig in den Leseprozess ein. Die Erstklässler begegneten in der Geschichte den sechs Hasen-Freunden Mimi, Mira, Maia, Mümmel, Max und Moppel beim Ballspielen. Aber Moment mal: Seit wann klettern Hasen auf Bäume? Mit diesem Einwand schert Mimi aus der Reihe aus und beschwört damit den Titel des Buches herauf: "Stimmt, wir sind Hasen, aber Angsthasen sind wir deshalb noch lange nicht."

Im Anschluss ans Lesen durften die Schüler ein Bild zu der Geschichte malen. gg

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