Kulmbach

"Wir müssen Vorbild sein"

Das berufliche Schulzentrum möchte als größte Bildungseinrichtung des Landkreises auch bei der Müllvermeidung und beim Klimaschutz Vorreiter sein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Schüler im Café Wilsdorf verwenden Biomilch und Fairtrade-Kaffee.  Foto: Sonny Adam
Die Schüler im Café Wilsdorf verwenden Biomilch und Fairtrade-Kaffee. Foto: Sonny Adam

In der Aula des beruflichen Schulzentrums in Kulmbach steht ein Automat. Früher zapften die Schüler hier kostenloses Wasser in Plastikbechern. Bei 2400 Schülern kamen da täglich wahre Plastikberge zusammen, die entsorgt werden. mussten. Doch damit ist jetzt Schluss.

"Wir müssen ein Vorbild sein. Wir wollen auch beim Müllkonzept Vorreiter sein und dürfen dabei nicht auf den Preis schauen", erklärte Schulleiter Alexander Battistella bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags, die in der Berufsschule stattfand. Battistella versprach, dass auch die Putzfirmen angehalten werden, künftig Müll streng zu trennen.

Das berufliche Schulzentrum in Kulmbach verwendet neuerdings für den Wasserspender Mehrwegbecher, die das Bayerische Rote Kreuz bei einer Blutspendeaktion gestiftet hatte. Doch damit nicht genug: Für Kaffee, Kakao und andere Heißgetränke hat das Schulzentrum einen immer wieder verwendbaren Mehrwegbecher eingeführt. "Die werden dann als Serviceleistung gespült. Wir wollen komplett von der Einmalverwendung weg", erklärte Battistella.

Fairer Kaffee

In dem neu geschaffenen Café Wilsdorf, das von Schülern betrieben wird, wird außerdem Fairtrade-Kaffee ausgeschenkt. "Das war ein wichtiges Auswahlkriterium", betonte der Schulleiter vor dem Umweltausschuss.

Die Mitglieder des Gremiums überzeugten sich von der Qualität der Produkte und waren begeistert. "Fairtrade ist im Trend. Ihr habt richtig gehandelt", betonte Landrat Klaus Peter Söllner. Doch das berufliche Schulzentrum spart auch auf andere Weise Ressourcen. Auf der Lkw-Halle befindet sich eine Photovoltaikanlage, für den Neubau ist ein regeneratives Energiekonzept geplant.

"Aber nicht nur das berufliche Schulzentrum ist Fair-Trade-School, der gesamte Landkreis macht mit", freute sich Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger.

Vor dem Umweltausschuss präsentierte Flieger einige Zukunftsideen. So müsse auch Wert auf faire Arbeitskleidung gelegt werden. Eine Kampagne zur Bio-Fair-Region sei ebenso geplant- mit dem Schwerpunkt auf regional erzeugten Bio-Produkte.

Bei der Sitzung des Umweltausschusses verabschiedeten die Mitglieder einen Pakt zur Unterstützung nachhaltiger Beschaffung in der Metropolregion Nürnberg.

Verzicht auf Lufballons

Die Jugendklima-Werkstatt "Fridays for Future" macht sich für ein Luftballonverbot bei Gregori und anderen Veranstaltungen stark. Die Aktivisten haben eine Säuberungsaktion an der Flutmulde durchgeführt und sich für Blühstreifen und für den Bau von Insektenhotels starkgemacht.

Außerdem ist geplant, die Glasflaschenaktion "Emil" auch auf ältere Schüler auszuweiten. Und der Landkreis wolle sich an der Aktion "Stadtradeln" beteiligen, informierte Flieger.

Riesen-Resonanz erfuhren die Kulmbacher Energiegespräche, bei denen es um das Thema Photovoltaik ging. Ein Solarpotenzialkataster solle erstellt werden, machte Flieger klar.

Zahl der Beratungen steigt

Jürgen Ramming von der Energieagentur Nordbayern ging auf die Beratungen ein. Im vergangenen Jahr hätten sich 249 Personen telefonisch an die Energieagentur gewandt, 83 Bürger wünschten eine persönliche Beratung. In diesem Jahr verzeichnete die Energieagentur Oberfranken bereits 335 Telefonanfragen sowie 147 Beratungen vor Ort.

Veit Pöhlmann (FDP) zeigte sich kritisch gegenüber Freiflächenphotovoltaikanlagen. Doch Landrat Klaus Peter Söllner wandte ein, dass man sich immer an geltendem Recht orientieren müsse und manchmal positiv entscheiden müsse, auch wenn einem die Anlage nicht gefalle. Das Kataster beziehe sich jedoch ausschließlich auf Dächer, nicht auf Freiflächen.

Karin Meißner, beim Landratsamt zuständig für Landschaftspflege und Naturschutz, präsentierte Flächen, für die es Ersatzzahlungen für Eingriffe in Natur und Landschaft gegeben hat: die Sandgrube Oberkeil, den Ordenbrunn bei Menchau, einen Trockenbiotopverbund Leuchau, Flächen am Görauer Anger, einen Teich bei Fohlenhof sowie die Ködnitzer Weinleite.

Zuschüsse gewährt

Alle Flächen seien erhaltens- und schützenswert und würden aus einer Nutzung herausgekauft. Mittelfristig werde versucht, diese Flächen in ein Vertragsnaturschutzprogramm unterzubringen.

Die Mitglieder des Umweltausschusses gewährten 1800 Euro Zuschuss für den Bayerischen Bauernverband - speziell für die Landfrauenarbeit, 1600 Euro für den Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach, 700 Euro für den Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Kulmbach und 700 Euro für den Verein zur Förderung des Stadtsteinacher Bauernmarktes. Auf Förderung verzichtete dieses Jahr der Imker-Kreisverband, was positiv aufgenommen wurde.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren