Strullendorf

"Wir haben es nicht verstanden"

Gleich zwei Mal suchte ein Einbrecher das Strullendorfer Rathaus heim. Das sorgte für große Verunsicherung.
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Das Foto zeigt das Chaos beim zweiten Einbruch im Strullendorfer Rathaus. Foto: Gemeinde Strullendorf
Das Foto zeigt das Chaos beim zweiten Einbruch im Strullendorfer Rathaus. Foto: Gemeinde Strullendorf

Der Freispruch für einen 20-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg, der im November 2018 gleich zwei Mal in das Rathaus von Strullendorf eingebrochen war, hat für vielerlei Irritationen gesorgt. Nach dem Urteil am Amtsgericht Bamberg haben wir mit Bürgermeister Wolfgang Desel und seiner Mitarbeiterin Katharina Nüßlein aus dem Einwohnermelde- und Passamt gesprochen. Herr Desel, was war der erste Gedanke, nachdem Sie vom Urteil erfahren haben? Wolfgang Desel: Wir haben es nicht verstanden. Immerhin hat er kurz hintereinander zwei Mal eingebrochen. Er hatte die Tat auch zugegeben. Und doch folgte für ihn wegen der diagnostizierten psychischen Erkrankung keine Konsequenz. Nur der Rat, sich therapieren zu lassen.

Das hat auf ihn und andere Vandalen sicher keine abschreckende Wirkung. Vandalismus passiert woanders auch, etwa wenn bei der Kerwa ein Straßenschild herausgerissen und in den Bach geworfen wird. Aber dieser Fall war schon besonders.

Wir haben den Eindruck, dass man nun darauf wartet, dass wieder etwas passiert. Damit ist aber weder ihm noch der Allgemeinheit geholfen.   Frau Nüßlein, Sie sind als Sachbearbeiterin im Erdgeschoss mit am stärksten betroffen gewesen. Ihren Arbeitsplatz hat der Täter des Nachts heimgesucht? Katharina Nüßlein: Im Einwohnermelde- und Passamt sind wir gelegentlich zwei Mädels. Wir wussten nicht, worauf der Einbrecher hinauswollte.

Er hat ja nichts Wertvolles gestohlen. Nur einige Gegenstände aus dem Fundbüro. Uns ging schon im Kopf herum, ob er etwas gegen die Behörde oder gegen uns persönlich haben könnte. Wenn eine von uns abends länger bleibt und als Letzte aus der Tür geht, bleibt seither immer ein mulmiges Gefühl. Anfangs war auch Angst im Spiel.   Beschreiben Sie uns doch, was alles verwüstet wurde. Katharina Nüßlein: Das kam im FT-Artikel nicht recht zur Geltung: Es war ein völliges Durcheinander.

Wir mussten erst einmal alles einsammeln, was er aus Schränken und Schreibtischen gerissen und aufeinander gehäuft hatte. Teilweise hatte er ja Unterlagen aus dem Fenster auf den Parkplatz geworfen. Wir haben dann geschaut, ob die Unterlagen vollständig sind und während des laufenden Geschäftes immer wieder Ordner neu angelegt und sortiert.

Vom Aufräumen gar nicht zu reden. Die Schriftzüge auf den Fenstern und im Fahrstuhl bereiteten einiges Kopfzerbrechen, weil wir schauen mussten, ob sie sich mit einfachen Mitteln entfernen ließen oder ob ein Austausch und eine Neulackierung des Lifts nötig wäre. Es wurde glücklicherweise nicht so teuer wie befürchtet.   Was war denn das Schlimmste? Katharina Nüßlein: Dass wir nach dem ersten Einbruch leidlich für Ordnung gesorgt hatten, und der Täter dann noch einmal kam. Wir dachten, jetzt geht alles wieder von vorne los. Wolfgang Desel: Das machte uns fertig. Wir haben uns da erst einmal in eine Ecke gesetzt.   Eines der Ziele des Anarchisten war ja, das ganze System lahmzulegen. Er glaubte, wenn er Strullendorf sabotierte, dann ginge im Landkreis und darüber hinaus nichts mehr. Hatte er damit Erfolg? Wolfgang Desel: Nein. Wegen solcher Aktionen geht weder die Gemeinde noch der Landkreis unter. Nach dem ersten Einbruch ging der Geschäftsbetrieb eingeschränkt weiter. Nach dem zweiten Einbruch in der Dienstagnacht mussten wir den gesamten Mittwoch schließen, weil die Spurensicherung im Hause war. Vor Gericht war die Rede davon, der Täter sei bei Ihnen im Rathaus gewesen, um sich zu entschuldigen. Wolfgang Desel: Er und sein Opa waren da. Dem Opa war das Ganze sichtlich peinlich. Der bot auch an, dass sein Enkel bei der Beseitigung der Schäden mit anpacken könnte. Der Junge ist ja Handwerker.

Ich wollte es meinen Mitarbeitern aber nicht zumuten, dass sie mit ihm aufeinandertreffen. Wir haben dann verzichtet. Können Sie uns sagen, welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen Sie nach den beiden Vorfällen ergriffen haben? Wolfgang Desel: Wir haben Einiges getan. Zusätzlich zu den bisherigen Sicherungen. Schließlich können wir nicht 24 Stunden Tag der offenen Tür haben. Über die Details kann ich aber nicht sprechen. Dieselbe Antwort musste ich vor Kurzem bei einer Bürgerversammlung auch geben. Wir wollen schließlich niemandem Hilfestellung geben.

Die Fragen stellte Udo Güldner.

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