Königsberg in Bayern

"Wir brauchen diese Momente"

Königsberg feierte den Volkstrauertag auf dem Schlossberg. Der Bürgermeister beleuchtete den Hintergrund.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit Vertretern des VdK und des Kriegervereins legte Claus Bittenbrünn (Mitte) bei der Gedenkfeier am Ehrenmal einen Kranz nieder.  Foto: sn
Mit Vertretern des VdK und des Kriegervereins legte Claus Bittenbrünn (Mitte) bei der Gedenkfeier am Ehrenmal einen Kranz nieder. Foto: sn

Auf dem Schlossberg am Gefallenenehrenmal versammelten sich am Volkstrauertag die Königsberger zu einer Gedenkfeier.

"Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten", sagte Bürgermeister Claus Bittenbrünn. Er erinnerte an das Jahr 1939, als Deutschland in Polen einmarschierte und dort eine Schreckensherrschaft voller Willkür, Terror und Gewalt ausübte. Vertreibungen, Plünderungen, Massaker, Verschleppungen von Zwangsarbeitern und eine hemmungslose materielle Ausbeutung waren gegenwärtig. Die jüdische Bevölkerung Polens wurde in Ghettos zusammengetrieben und später nahezu vollständig ausgelöscht.

Es war ein langer, ausgesprochen schmerzhafter Prozess bis zum Eingestehen der eigenen Schuld und Verantwortung, sei es individuell oder als deutsche Nation. Erst nach den demokratischen Umbrüchen in Polen und dem Ende der Teilung Deutschlands konnte, basierend auf dem deutsch-polnischen Grenzvertrag und dem Nachbarschaftsvertrag, eine politische Versöhnung gelingen. "Dass wir auch in der Versöhnung mit unseren polnischen Nachbarn so weit gekommen sind, sollte uns mit großer Dankbarkeit erfüllen. Heute leben wir mit ihnen in eng verwobener Partnerschaft im geeinten Europa zusammen", so das Stadtoberhaupt.

Bittenbrünn sprach in der Gedenkfeier, die vom Posaunenchor Königsberg unter der Leitung von Wolfgang Fischer musikalisch begleitet wurde, auch die Bedeutung des Volkstrauertages für die jetzige Generation an: "Wir brauchen diese Momente des Innehaltens und der Trauer, um die Erinnerung an Leid und Tod, die mit Krieg und Gewaltherrschaft über die Menschen gebracht wurden, wachzuhalten." Für ihn ist dieser Tag auch ein Tag der Mahnung, um nachzudenken, was heute für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit auf der Erde getan werden kann. Dies sei eine große Aufgabe in einer Gesellschaft, die den Krieg mehrheitlich nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt.

Mit dem Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg, von Rassenverfolgungen, des Widerstands gegen Gewaltherrschaften und des Terrorismus und derer, die durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind, beendete Bürgermeister Bittenbrünn seine Ansprache aber nicht, ohne darauf hinzuweisen: "Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt."

Nach einem Gebet von Pfarrer Peter Hohlweg legte Bürgermeister Claus Bittenbrünn gemeinsam mit den Vertretern des VdK und des Kriegervereins am Ehrenmal einen Kranz nieder. Die Fahnenabordnungen des Kriegervereins und der Soldatenkameradschaft, der Schützengesellschaft Königsberg, des Bayerischen Roten Kreuzes und des Turnvereins Königsberg begleiteten die Gedenkfeier. sn

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren