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Forchheim
Unser Thema der Woche // Wohnen und Bauen

Wir bleiben zuhause

Seit der Virus-Krise verbringen wir viel Zeit in unseren Wohnzimmern. Vier Familien aus der Region geben Einblick in ihren Alltag. Trotz aller Einschränkungen - die Entschleunigung hat auch gute Seiten.
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?  Kontaktverbot gibt es bei Sigrid Wagner, Projektassistentin des Jungen Theaters in Forchheim nicht. Sie lebt nämlich mit ihrem Sohn, ihren Eltern und ihrer Schwester auf einem Mehrgenerationenhof in Gosberg. Sie wohnen direkt nebeneinander in zwei Häusern, eine Dachterrasse verbindet sie miteinander, sie teilen sich die gleiche Eingangstür und den Keller. "Mir geht es nicht schlecht. Ich muss mir keine Sorgen machen. Meine Lieben sind hier bei mir und ich kann sie sehen", sagt die 42-Jährige.

Ihre Eltern sind über 60 und gehören damit zur Risikogruppe für Corona. "Wir erledigen natürlich alle Einkäufe für sie", erzählt Wagner. Ihre Eltern seien relativ entspannt und sorgen sich nicht wegen einer Ansteckung. "Meine Mama ist unsere Versorgerin und trommelt zum Essen alle an einen Tisch zusammen."

Wagner selbst arbeitet bereits seit zwei Wochen im Home Office. Das Theaterbüro ist derzeit ohnehin geschlossen. Ihre Schwester ist teilweise noch im Büro und auch ihr Sohn arbeitet. Er macht eine Ausbildung zum Zimmerer. Mit seinem Vater hat er derzeit nur telefonischen Kontakt. "Er ist Krankenpfleger und hat demnach viele Patienten um sich. Da gehen wir kein Risiko ein", so Wagner.

?  Einen richtigen Parcours im Wohnzimmer haben sich Finn (8), Eliah (5) und Nesthäkchen Milas (2) gebaut. Caroline Noak aus Gößweinstein lebt mit ihren Kindern direkt am Ortsende. So können sie sich frei auf Feld und Flur bewegen. Die Kids können sich austoben und Familienhund Bailey kommt auch auf seine Kosten.

Und wie verbringen sie sonst bisher die Zwangspause? "Vormittags versuche ich die beiden Kleinen mit Puzzles und Tischspielen zu beschäftigen, während ich als selbstständige Fotografin am PC arbeite und das Schulkind Hausaufgaben abarbeitet. Nachmittags gehen wir raus."

Die nächsten Tage stehen bei Noaks noch Osterbasteleien, Eier färben und eine Quatscholympiade auf dem Programm. "Wir versuchen einfach das Beste aus der Situation zu machen. Die neugewonne Zeit als Familie bringt ja auch tolle Gelegenheiten mit sich. So können wir ausschlafen, lange im Schlafanzug bleiben und den Tag einfach mal entspannter angehen ", sagt Noak.

?  Nicht von einem Termin zum nächsten hetzen, kein Mama-Taxi, kein durchgeplanter Tag - kurzum: mehr Zeit für die Familie. Das genießen die Wilflings aus Forchheim gerade sehr. "Andererseits ist man sehr eingeschränkt. Man kann nicht einfach das machen, auf was man Lust hat", bedauert Birgit Wilfling (39). Vormittags kümmern sich Katharina (9) und Florian (7) um ihre Schularbeiten. Nachmittags wird gemeinsam gespielt, besonders im Garten. Sie lesen zusammen, malen, gestalten Fensterbilder, springen im Trampolin, spielen Lego und Barbie oder schauen auch mal einen Film. "Die Kinder finden es schön, dass sie länger schlafen dürfen, mehr spielen können und mehr Zeit zusammen mit der ganzen Familie haben. Sie finden es aber auch schade, da sie ihre Freunde nicht treffen können, auf keine Spielplätze dürfen und keine Geburtstagsfeiern oder Ausflüge machen dürfen." Manchmal wird es deshalb auch mal ein bisschen anstrengender, wenn die zwei gar nicht mehr wissen, was sie machen sollen und sich gerne mit jemanden treffen wollen. "Ich vermisse es auch, mich mit Freunden zu treffen. Man hofft einfach, dass alle gesund bleiben."

?  Kein Zeitdruck und keine Verpflichtungen - "das tut auch mal gut", findet auch Doro Metterlein (35) aus Egloffstein. Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Jonas (3) und Hannes (7 Monate) macht sie das Beste draus und genießt die gemeinsame Zeit. "Wir leben so in den Tag hinein. Wir kochen gemeinsam, machen Rollenspiele, basteln, lesen und spielen ganz viel." Außerdem geht es an die frische Luft. Entweder auf die eigene Terrasse oder in den Wald, der direkt neben ihnen ist. Das ist gerade in diesen Tagen viel wert.

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