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LKR Haßberge

Wilde Weiber stürmen Rathäuser

Wie verhext ging es in einigen Rathäusern im Maintal zu, als am Donnerstag rabiate Damen zur Weiberfastnacht die Amtstuben stürmten, Krawatten zerschnitten und die Bürgermeister schließlich ent- und vorführten.
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Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann wurde wegen der Schließung des Hallenbades verspottet. Foto: Andreas Lösch
Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann wurde wegen der Schließung des Hallenbades verspottet. Foto: Andreas Lösch
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Es gab kein Entkommen am Donnerstag, Krawattenträger wurden "zurechtgestutzt" und Bürgermeister ent- und vorgeführt: Bei der Weiberfastnacht schrecken die holden Damen vor nichts zurück, sie reißen die Macht vorübergehend an sich, die Rathäuser sind in Frauenhand. So geschehen zum Beispiel in Zeil, Knetzgau, Sand und Eltmann, wie folgende Berichte zeigen.

Zeil: Am Donnerstag haben die Zeiler Hexen das Rathaus gestürmt. Bürgermeister Thomas Stadelmann wurde gefangen und anschließend in die Mangel genommen: "Das ganze Jahr warn wir voll Groll, jetzt haben wir die Schnauze voll", rief die Oberhexe, denn der Bürgermeister hatte erst wenige Tage zuvor das endgültige Aus für das Zeiler Hallenbad verkündet.

Stadelmann geht baden

"Das Hallenbad will er schließen! Und dafür muss er doppelt büßen!", sagte die Oberhexe, während ihre wilden Weiber auf der Bühne den Bürgermeister in eine Art Schwimmkostüm steckten. Fortan musste sich Stadelmann durch Schwimm- und Planschbewegungen auf einem Biertisch ein bisschen vor versammelter Menge auf dem Marktplatz lächerlich machen, was er ohne Murren tat. Nach den Trockenübungen sagte er: "Das Bad wird geschlossen, das ist Fakt. Aber ich verspreche: Wir kämpfen um ein neues Bad!" Derzeit prüfen mehrere Kommunen im Kreis Haßberge gemeinsam mit dem Landratsamt, ob sich der Neubau und der Betrieb eines Hallenbades möglicherweise mit Hilfe einer Gemeindeallianz realisieren ließe. Der Standort ist dabei noch unklar, derzeit sind Zeil, Knetzgau und Eltmann im Gespräch.

Bewährungsprobe für Paulus

Knetzgau: "Schnipp, Schnapp, Krawatte ab", hieß es für Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus am Weiberfasching in seinem Amtszimmer im Rathaus. Das wilde Volk stürmte das Rathaus und übernahm das Kommando. Danach entführten die als Hexen verkleideten Frauen das Gemeindeoberhaupt auf den Rathausvorplatz, wo sich zahlreiche Gäste zum närrischen Treiben eingefunden hatten. Galant meisterte Paulus seine "Bewährungsprobe".

Gekleidet in einen Tüllrock mit Perücke auf dem Kopf, führte er dem wilden Volk einen Tanz vor. Unterstützung bekam er dafür von der kleinen Nele. Die Strafe war dafür gedacht, weil der Bürgermeister im vergangenen Jahr versprochen hatte, seine Beine im Männerballett zu erheben. Dies hatte er nicht eingehalten, wie zu hören war. Paulus entgegnete, dass er sich sportlich auf diese Herausforderung vorbereitet habe. "Aber das Männerballett wollte mich ja nicht", kommentierte der Bürgermeister schmunzelnd. Sein Versprechen aus dem Vorjahr, dem Knetzgauer Carnevalsverein beizutreten, hatte er gehalten, wie er verkündete.

Eltmann: Zum Sklavenmarkt einer wilden Piratenhorde wurde die Eltmanner Stadthalle zum Weiberfasching am Donnerstag. Sehr enttäuscht zeigten sich die Freibeuterinnen von den gekaperten Männern, die sie dann auch gleich wieder zum Verkauf anboten - das Eltmanner Publikum schätzte Bürgermeister Michael Ziegler und seine Stadträte allerdings besser. Vielleicht waren es aber auch die Dienstleistungen, die zusammen mit den Herren zu ersteigern waren, die die Kasse klingeln ließen.

Kritische Piratinnen

Zuvor aber gingen die Piratinnen mit ihren Opfern durch die Stadt und "begutachteten" das, was der Stadtrat im letzten Jahr so auf die Beine gestellt hat. Dafür gab es manchen Spott, aber durchaus auch Lob. "Halleluja, endlich ist ein Parkplatz da", dankten sie singend für den Altstadtparkplatz, den sie selbst angeregt hätten. Den Drachen am Spielgärtla fanden sie nachts eher furchteinflößend, Lob gab es aber für die Fair-Trade-Bemühungen der Stadt. Natürlich spekulierten sie über einen Hallenbadbau in Eltmann, denn "Zeil hat kein Geld, Eltmann kauft sich die Welt".

Sand: Auch in Sand regieren seit Donnerstag die Hexen. Beim Rathaussturm in der Korbmachergemeinde nahmen rund ein Dutzend gruselige Gestalten Bürgermeister Bernhard Ruß in seinem Amtszimmer gefangen und führten ihn auf den Kirchplatz. Mit einem fachgerechten Schnitt stutzte Hexe Heike Golda vor rund 200 Zuschauern die Krawatte des Bürgermeisters. Auch über die Gemeindepolitik wurde gestichelt. So liegt Sand jetzt nicht mehr am Steigerwald, sondern am Parkschilderwald. Bezogen auf den Kunstrasenplatz im Seestadion wurde bemängelt, dass dort die Bienen und Insekten hungrig sitzen würden.

Des Bürgermeisters Weinprobe

Oberhexe Antonie Bergmann reimte: "Er ist ja letzt Jahr Opa worn, da hat er aufgezählt, was er nicht mehr kann. Er kann nix mehr hüpf, sei Knie tun na weh. A nix mehr renn, allenfalls steh. Gott sei Dank funktioniert sei Kopf noch ganz gut. Denken, gucken, horchen, schmecken und reden gehört a dazu. Sein Geschmacksinn wolln wir prüfen, mal schaun, ob wir mit ihm sind zufrieden."

Als Aufgabe musste Ruß in diesem Jahr zehn Sander Weine probieren und den Winzer des jeweiligen Rebensaftes nennen, Das Gemeindeoberhaupt lag immerhin bei vier Weinen richtig und sagte scherzhaft: "Ich hätte locker alle richtig erraten, aber natürlich habe ich die Hexen absichtlich gewinnen lassen." Weil er die Wette verloren hatte, muss Bürgermeister Ruß sich jetzt Zeit nehmen und den beiden Sander Kindergärten jeweils einen Besuch abstatten. Da darf er den Jüngsten Kindergeschichten vorlesen. al/cr/sw/cl

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