Ebelsbach

Wild, Wald und Wolf: Was tun?

Die Aufgaben der Jäger sind vielfältig. Bei ihrer Hegeschau in Ebelsbach zeigte sich die Kreisgruppe Haßfurt des Bayerischen Jagdverbandes als eine Vereinigung, die sich mit Arten- und Naturschutz intensiv auseinandersetzt.
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Großes Interesse herrschte bei der Gehörn-Schau aus den verschiedenen Hegegemeinschaften. Fotos: Günther Geiling
Großes Interesse herrschte bei der Gehörn-Schau aus den verschiedenen Hegegemeinschaften. Fotos: Günther Geiling
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"Gerade die Jagd trägt entscheidend dazu bei, dass das Gesicht unserer Heimat mit ihrer vielseitigen, schönen Natur- und Kulturlandschaft erhalten bleibt", sagte Landrat Wilhelm Schneider bei der Hegeschau der Kreisgruppe Haßfurt des Bayerischen Jagdverbands (BJV) im Bürgersaal Ebelsbach. "Unsere Jägerinnen und Jäger engagieren sich einerseits für den Erhalt und die Verbesserung von hochwertigen Lebensräumen unserer Wildtiere und leisten andererseits durch Hege und Anpassung der Wildbestände einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Kulturlandschaft."

Schneider gratulierte der BJV-Kreisgruppe wie auch dem Bayerischen Jagdverband zu ihren runden Geburtstagen von 90 und 70 Jahren. Beide hätten sich in ihrer Geschichte immer auch mit aktuellen und dem Zeitgeist entsprechenden Themen beschäftigt. Ein gutes Beispiel hierfür sei der Umwelt- und Naturschutz, den sich der BJV seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben habe, auch schon lange vor seiner Anerkennung als Naturschutzverband.

Rückkehr eines Raubtieres

"Sie liebe Jägerinnen und Jäger, hegen und pflegen als aktive Naturschützer das Wild und betreiben damit aktiven Artenschutz." Artenschutz bereite aber nicht immer nur Freude, sondern mitunter auch Sorgen. Das habe man erst vor wenigen Wochen mit der "Rückkehr des Wolfes" erfahren dürfen. Er wisse, dass das Thema Wolf sehr konfliktträchtig und gefühlsbeladen sei und es viele offene Fragen und Unklarheiten gebe. Deswegen werde man im Landkreis präventiv auf die Halter von Weidetieren zugehen, informieren und Rat anbieten.

"Die Rückkehr des Wolfes stellt eine große Herausforderung für den Naturschutz dar, denn es gilt ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Menschen und Wolf zu fördern, was kaum möglich ist. Aus dem hohen Schutzstatus des Wolfes ergeben sich vielfältige Aufgaben und Probleme," betonte der Landrat. In der Vergangenheit habe das Landratsamt immer versucht, bei neuen Anforderungen Unterstützung zu leisten. Beispiele aus der jüngsten Zeit wären der Arbeitskreis "Wildgänse", die Einrichtung von Wildaufbruch-Sammelstellen oder die Mitwirkung im Wiesenbrüterprogramm bei Kraisdorf.

Ebelsbachs dritter Bürgermeister Andreas Hoch ging bei seinem Grußwort von dem Zitat aus "Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen", denn die Jagd sei auch von gesellschaftspolitischen Themen wie Artenvielfalt, Klimaschutz oder dem Wolf geprägt. Im Verantwortungsbereich der Jäger liege es auch die Artenvielfalt zu erhalten sowie Jagdrecht, Naturschutz und auch Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen.

Ohne Wolf lebt sich's besser

Der Vorsitzende des Kreisgruppe, Rudolf Meyer, legte Wert auf die Feststellung, dass man weit über 100 Jahre ohne den Wolf ausgekommen sei. Die Zahlen seines Auftretens in Deutschland würden verniedlicht, denn es seien schon 1200 Wölfe hier und manche Experten sprächen sogar schon von 2000 Tieren. In den östlichen Bundesländern seien durch ihn die Wildstrecken schon deutlich gesunken und er befürchte eine ähnliche Entwicklung wie mit dem Biber, der mittlerweile schon überall im Landkreis sei und sogar vor Obstbäumen nicht zurückschrecke. "Der Wolf braucht täglich vier Kilogramm Fleisch und das holt er sich mit Schafen oder auf der Weide oder auch Gehege-Wild."

Gerhard Klinger, Vorsitzender im Niederwildausschuss des BJV aus Ochsenfurt, ging auf wichtige "Inseln des Lebens für das Niederwild" ein und zeigte mit Bildern auf, was Landwirte tun könnten oder unterlassen sollten, um die Wildlebensräume in der Feldflur zu verbessern. Landwirte und Jägerschaft müssten dazu miteinander im Gespräch bleiben.

Forstberater Hans Stark ging in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr ein. Zu den Strecken und Abschussplänen zog der das Fazit, "dass die Jäger ihre Hausaufgaben gemacht haben. In drei Jahren über 6000 Rehwild ist eine ordentliche Zahl." Teilweise habe man gute Hasenreviere. Ganz anders sei dies bei den Rebhühnern, wo man früher Tausende geschossen habe und sich auf einem sehr niedrigen Niveau befinde. Besser wäre es beim Wasserwild mit den Enten, wo man auf rund 400 erlegte Tiere komme.

Viele Wildgänse

Anders verhalte es sich bei den Wildgänsen, wo man vor 20 Jahren so gut wie keine hatte und dann ihre Population explodiert sei bis hin zu 215 Abschüssen. Forstdirektor Hans Stark meinte, dass man jetzt Rehwild deutlich mehr als früher habe. Beim Schwarzwild sei 1792 der letzte Keiler mit 86 Pfund erlegt worden, dann wäre diese Wildart ausgerottet gewesen, bis 1923 im Hofheimer Raum wieder ein Keiler wurde. Bei den Hasen betrage die Strecke heute 246, während man mit 2054 Hasen früher das Zehnfache hatte. gg

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