Dechsendorf

Wieder Legenden am See

Am Dechsendorfer Weiher wird es im Juli wieder Klassik und Jazz in populärer Form geben.
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Torsten Goods ist gebürtiger Erlanger und der künstlerische Leiter von "Jazz am See".  Foto: Rudolf Görtler
Torsten Goods ist gebürtiger Erlanger und der künstlerische Leiter von "Jazz am See". Foto: Rudolf Görtler

Erlangen — Zu zwei Dritteln wenigstens waren die Schirmherren von "Klassik am See" im Erlanger E-Werk erschienen, als es die Großveranstaltungen in Dechsendorf zu bewerben galt. Eingeladen hatte der Verein Klassikkultur, der zum 16. Mal das klassische Event veranstaltet, zum sechsten Mal das Pendant "Jazz am See" - einige Male waren die Konzerte jedoch wetterbedingt ausgefallen.

Was Landrat Alexander Tritthart (CSU) naturgemäß dazu brachte, den Wettergott um seine Gunst anzuflehen. Zusammen mit dem Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) und dem Erlanger OB Florian Janik (SPD) hat er die Schirmherrschaft über "Klassik am See", dieses Jahr am 24. Juli, inne. Ansonsten setzt der Verein mit dem Vorsitzenden Frank Hofmann und dem Geschäftsführer Jan-Peter Dinger ganz auf Kontinuität: Künstlerischer Leiter ist wieder Roland Scheuer, der als Mitbegründer des "Klassikkultur"-Vereins, Dirigent der "Jungen Philharmonie Erlangen", Gründer des "pro arte duo" und des "Philharmonischen Chors Herzogenaurach" für die regionale Verwurzelung und Beteiligung von Musikern aus der Region sorgt.

Sorgte, muss man sagen, denn dieses Jahr ist zumindest bei "Klassik am See" von der künstlerischen Regionalität nicht viel übrig geblieben. Statt der "Jungen Philharmonie Erlangen" wie im vergangenen Jahr und einiger Chöre treten im Juli die Hofer Symphoniker auf.

Das ist wohl der von Jahr zu Jahr spürbarer werdenden Professionalität des Events - als Musterbeispiel eines solchen muss man "Klassik am See" werten - geschuldet. Einer Professionalität, die potente Sponsoren benötigt, eine Lounge und die entsprechenden Eintrittspreise. Dafür ist mit dem Enfant terrible der Klassikszene Nigel Kennedy auch ein Weltstar engagiert worden. Der hat mit einer Vivaldi-Einspielung das meistverkaufte Klassik-Album aller Zeiten auf der Haben-Seite und kultiviert kräftig auch mit 62 immer noch ein Punk-Image samt Irokesen-Frisur und gelegentlichen alkoholbefeuerten Randalen.

Solisten von Rang

Im ersten Programmteil spielt er zusammen mit den Hofer Symphonikern "Werke von Bach und Kennedy". Das Barock-Genie zählt neben Vivaldi zu den Lieblingskomponisten des Briten. In derselben Besetzung folgt ein Gershwin-Part, auf den man wirklich gespannt sein darf, denn so wird wie beim amerikanischen Klassiker eine Pop-Klassik-Fusion bereits vorweggenommen.

In beiden Teilen assistieren dem Pop-Klassik-Violinisten Solisten von Rang wie Peter Adams (Cello), Piotr Kulakowski (Kontrabass) und die Gitarristen Rolf Bussalb und Doug Boyle. Auch die fühlen sich in Jazz, Neuer Musik und Klassik gleichermaßen wohl.

Jazz am See

Regionaler geht es bei "Jazz am See" am 21. Juli zu. Dazu hat der künstlerische Leiter Torsten Goods, gebürtiger Erlanger, wieder Freunde eingeladen wie die schwedische Vokalistin Viktoria Tolstoy, den Saxophonisten Tony Lakatos sowie seine schon bewährte Rhythmussektion aus Jan Miserre (Klavier), Felix Lehrmann (Schlagzeug) und Christian von Kaphengst (Bass). Und zum Schluss ist eine Jam-Session angekündigt.

Jedoch hat man für "Jazz am See" einen Weltstar engagiert: den 76-jährigen George Benson. Der hat vor allem in den 70ern Welthits gelandet und ist mit einer Mischung aus virtuos gespieltem Jazz, Soul sowie Rhythm & Blues kommerziell bis heute ungemein erfolgreich. Jazz-Puristen werden allerdings möglicherweise die Stirn runzeln, denn künstlerisch Neues darf man vom Auftritt des Stars nicht erwarten. Doch will und muss der Verein Tausende von Zuschauern gewinnen.

Einen Vorgeschmack gab Goods zusammen mit der Sängerin Ida Sand aus Schweden beim letzten der ebenfalls vom Verein Klassikkultur ins Leben gerufenen Club-Konzerte im großen Saal des E-Werks. Der Gitarrist nennt Benson als eines seiner großen Vorbilder - zu Recht, wie er beim Musizieren demonstrierte. Virtuos, aber sehr eingängig.

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