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LKR Coburg

Wie wird Gestrüpp zur Blühfläche?

Wie Gartenbesitzer auf ihrem Grundstück Insekten Nahrung, Nistmöglichkeit und Quartiere bieten können, erklärt der neue Wildlebensraumberater am Aelf.
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Der Wildlebensraumberater vom Landwirtschaftsamt, Karl Gommel, plädiert für mehr Mut zur Unordnung im Garten. Für viele Tiere sei diese Unordnung lebensnotwendig.  Foto: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Der Wildlebensraumberater vom Landwirtschaftsamt, Karl Gommel, plädiert für mehr Mut zur Unordnung im Garten. Für viele Tiere sei diese Unordnung lebensnotwendig. Foto: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Manch einer hat im vergangenen Jahr eine Blühfläche im Garten angelegt, um einen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Diese war voller Blütenpracht im Sommer, doch viele Pflanzenstängel sind über den Winter abgestorben. Auch am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Aelf) in Coburg haben Schüler der Landwirtschaftsklasse des 3. Semesters im Frühjahr 2019 zusammen mit der Lehrkraft für Pflanzenbau Anton Weig und dem Wildlebensraumberater Matej Mezovsky eine Blühfläche angelegt und konnten sich über ein Blütenmeer und eine Vielzahl von Insekten zu freuen. Der Aufwuchs wurde zum Teil im Herbst gemäht, das Mähgut wurde entsorgt.

"Jetzt ist die Fläche nicht besonders ansehnlich, doch bleibt zunächst alles stehen, und es wird nicht mehr gepflegt, um so Strukturen zu belassen, die für Insekten und Vögel wichtig sind", sagt der neue Wildlebensraumberater Karl Gommel. Es stelle sich auch für Privatgartenbesitzer, die eine Blühfläche angelegt haben, die Frage, wie diese Flächen nun zu pflegen sind. Im besten Fall wurde im Herbst nur ein kleiner Teil, der eventuell gestört hat, gemäht und das Mähgut auf dem Kompost oder in der Kompostierungsanlage entsorgt.

Wer einen Teil der Fläche mähen will, sollte dies mit einer Sense oder Sichel in circa zehn bis 15 Zentimetern Höhe tun. Ein Rasenmäher ist ungeeignet, da er zu tief mäht und nicht nur die Pflanzenteile, sondern auch die darin vorhanden Insekten zerkleinert, warnt Karl Gommel. Wichtig sei es, auch jetzt noch in den Sommer hinein, die abgestorbenen Pflanzenstängel stehen zu lassen, am besten über mehrere Jahre. Denn wenn Insekten und Spinnentieren geholfen werden solle, müssten diese abgestorben Pflanzenteile vorhanden bleiben, da diese über Jahre ein Quartier für Insekten böten. So ermöglichten auch zweijährige Pflanzenstängel, die im letzten Jahr nicht besetzt wurden, eine Nistmöglichkeit, wodurch sich das Nistangebot erhöhe.

Der Großteil der Wildbienenarten, die in Pflanzenstängeln nisten, fliegt nur eine kurze Zeit, und die Entwicklungsdauer ist über das Jahr gesehen in den Stängeln länger als außerhalb. Bestehende Strukturen sind nicht nur für Insekten, sondern auch für Vögel, Bodenlebewesen und Säugetiere wichtig. Besonders die Lebenswelt im Boden profitiert von bestehenden Strukturen, so vermehren sich beispielsweise Regenwürmer über eine längere Zeit im Boden einer Blühfläche. Vögel profitieren vor allem zur Aufzuchtzeit der Jungen von dem erhöhten Insektenangebot, um genügend Nahrung für sich und ihren Nachwuchs zu haben.

"Düngen oder Bekämpfen von Unkraut mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht notwendig, im Gegenteil, es schadet der Blühfläche!", betont Gommel. "Keine Angst: Pflanzen, die jetzt aufwachsen wollen, kommen trotzdem durch das abgestorbene Pflanzendickicht, und die Fläche wird dieses Jahr blühen", beruhigt er. Dadurch entstünden vor allem unterschiedliche Strukturen, die unterschiedliche Insekten ansprechen. Und weiter erklärt der Fachmann: "Wenn es unordentlich aussieht, wird es wertvoll, Insekten und Vögel profitieren davon." Der Wildlebensraumberater vom Landwirtschaftsamt plädiert für mehr Mut zur Unordnung im Garten. Für viele Tiere sei diese Unordnung lebensnotwendig.

Wer eine kleine neue Blühfläche anlegen will, für den hält Karl Gommel an der Außenstelle Bad Staffelstein des Aelf noch einige Samentütchen bereit. Bei Interesse sollte man sich telefonisch anmelden unter der Nummer 09561/7692132, bittet Gommel. red