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LKR Coburg

Wie Weihnachten auch schon war

Dass wir heute das Fest so feiern, wie wir es feiern, ist keineswegs in dieser Form ein uralter Brauch.Anneliese Hübner hat die Weihnachtsbräuche der Region und ihren Wandel im Laufe der Zeit unter die Lupe genommen.
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So schön kann Weihnachten sein: Ein Blick in die festlich geschmückte Domäne Oeslau.  Foto: CT-Archiv / Albert Höchstädter
So schön kann Weihnachten sein: Ein Blick in die festlich geschmückte Domäne Oeslau. Foto: CT-Archiv / Albert Höchstädter
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Das Brauchtum rund um die Weihnachts- und Adventszeit bis hin zum Dreikönigstag, dem "Üüeberschtn", wie er im Coburger Land heißt, beschäftigt Anneliese Hübner schon lange. Immer wieder geht sie in ihren Büchern auf Spurensuche nach der Art zu feiern der Altvorderen. Jetzt hat sie alles in einem Buch vereint. Es wurde mehr Arbeit, als sie am Beginn gedacht hätte.

Vor allem galt es einiges zu ordnen. Denn vor der Reformation wurde anders gefeiert als danach, bei Katholiken anders als bei Lutheranern. "Lange war am Heiligabend niemand zu Hause", nennt Anneliese Hübner einen Brauch, der sich grundlegend - aber erst im 20. Jahrhundert - geändert hat. Und lange war unser heutiger Heiligabend auch gar nicht der Tag, an dem es die Geschenke gab.

Interessante Quellen

Wer alles ganz genau und ausführlich wissen will, der kann sich durch die Werke lesen, die Anneliese Hübner akribisch in ihrem Quellenverzeichnis aufgelistet hat. Wer sich aber ihrer Führung, ihrer Auswertung anvertraut, darf sich bereits umfassend informiert fühlen, in Sachen Brauchtum zwischen Martinstag und Üüeberschtn. Ein Zeitraum, der sich im Titel des Buches spiegelt. "Von Martinsgänsen, Weihnachtsbäumen und Heiligen Nächten", heißt es. Und mit dem Untertitel: "Die alte Weihnachtsfestzeit im Coburger Land."

Verbote, die viel aussagen

Oft findet die Autorin Hinweise auf das Treiben in der alten Zeit in Verboten der Obrigkeit. Die "Lechtschtumm" beispielsweise würde heute aus ökologischer Sicht gut zu heißen sein. Trafen sich doch die jungen Leute im Dorf am Abend in einem Haus, um gemeinsam zu arbeiten. So sollte Licht und Heizmaterial gespart werden. Dabei wurden Sagen und Märchen oder allerhand Dorfklatsch erzählt und Schlumperliedla gesungen. Die Coburger Regierung hat jedoch die Zusammenkünfte in der Lechtschtumm, "... weil darinnen viel leichtfertigkeit und unzucht getrieben wurdet, verbotten." Vielmehr sollten die Leute zu einem "gotseligen wandel und wesen" angehalten werden.

Und wie das zu allen Zeiten mit bestimmten Verboten ist, musste auch hier die Obrigkeit erkennen, dass sie nicht immer peinlich eingehalten werden. So wurde versucht, wenigstens Einfluss zu nehmen, wenn sich die Unart nicht abstellen ließ. Wer im Besitz eines Lichtstubenscheines war, den das Landratsamt ausstellen konnte, der durfte dann doch.

Dass in der dunklen Zeit Runkelrüben zu Grusellaternen hergerichtet und vermummte Gestalten sich herumtrieben, stammte aus der alten Religion, wurde aber munter weiter gepflegt. Dass wir noch heute in vielen Haushalten Linsen kochen, hat mit der alten Gestalt Hullewtz zu tun, die unter dem Namen Frau Holle vielleicht eher bekannt ist. Bevor ein Getränkekonzern den Nikolaus in sein heute so bekanntes Gewand in rot und weiß kleidete, trieb sich bei uns in der fraglichen Zeit der Herzeklos herum. Der hatte einen Sack mit Geschenken und eine Rute für die Kinder, die nicht brav waren, sah aber um einiges schrecklicher aus als der heutige Nikolaus.

Die Bescherung wandert

In nachreformatorischer Zeit wurde die Bescherung vom Nikolaustag auf den Weihnachtsmorgen verschoben. Den heute üblichen Gottesdienst am Heiligabend gab es bis 1890 im evangelischen Deutschland nicht. Und nach Anneliese Hübners Recherchen dauerte es bis ins 20. Jahrhundert, ehe Heiligabend in der Familie gefeiert wurde.

Dass dabei ein Christbaum geschmückt wird, hat auch vorchristliche Wurzeln. Aber spätestens, als Prinz Albert diesen Brauch - zumindest in der Form des Nadelbaumes mit Schmuck, wie er ihn aus seiner Heimat kannte - in England populär machte, trat er seinen Siegeszug in der christlichen Welt endgültig an.

Funde beim Heimatdichter

Wie auf den Dörfern gefeiert wurde, entnahm die Autorin unter anderem den Werken von Heimatdichter Heinrich Schaumberger, der etwa über "Eine Weihnacht auf dem Lande" schreibt und schildert, wie die Männer einer Bauersfamilie "ins Holz" gehen, um die Tannenäste zu holen, die dort die Weihnachtsdekoration darstellten.

Und dann wären da noch die Zwölf Nächte. Das sind die zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Die, in denen die Wilde Jagd durch Wald und Flur reitet - der man lieber nicht begegnet. Es sind die Nächte, in denen die Träume verraten, was uns im entsprechenden Monat des kommenden Jahres erwartet. So glaubte man damals. Damals? Lassen wir der Welt da draußen den Glauben. Es käme ja bestimmt auch niemand auf die Idee, er könne sich am Dreikönigstag "Stärke antrinken". Oder? Doch.

Anneliese Hübners Sammlung zu Bräuchen in dieser Zeit ist eben gerade in dieser Zeit eine spannende Lektüre. Wer glaubt, ohne Bräuche zu leben, wird nach dem Lesen eines Besseren belehrt sein. Was nicht negativ aufgefasst werden muss, denn wie Anneliese Hübner sagt: "Bräuche geben dem Leben Ordnung und Zusammenhalt. Sie zählen zu den Grundwerten jeglicher Kultur."

In ihrem Buch gibt es viel dazu zu entdecken.

Anneliese Hübners "Von Martinsgänsen, Weihnachtsbäumen und Heiligen Nächten" gibt es zum Preis von 22 Euro bei Riemann und Roßdeutscher in Coburg sowie bei Hoffmann in Einberg.