Bad Staffelstein

Wie wäre es mit "Plastikfasten"?

Auf dem Weg zur Basilika Vierzehnheiligen machen Gläubige halt an der Mariengrotte und zünden eine Kerze an. Was gut gemeint ist, stößt Einigen nicht nur bitter auf - es ist auch gefährlich.
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Plastikhüllen und Wachsreste - unter der Marienstatue sieht es wenig andächtig aus. Fotos: Marion Ender
Plastikhüllen und Wachsreste - unter der Marienstatue sieht es wenig andächtig aus. Fotos: Marion Ender
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Christi Himmelfahrt hat auch in diesem Jahr viele Wallfahrer und Gläubige in die Basilika Vierzehnheiligen gelockt. Marion Ender, die an diesem Tag ebenfalls die Andacht besuchte, war im Gegensatz zu den Kirchgängern alles andere als euphorisch: "Ich war so wütend, dass ich mich kaum auf die Predigt konzentrieren konnte", erzählt sie. Und entschloss sich prompt dazu, einen Leserbrief zu veröffentlichen.
Der Grund: An der Mariengrotte entdeckte sie auf den Hinweg unzählige, teils umgeworfene Kerzen in Plastikhüllen und angetrocknetes Kerzenwachs. Der Naturliebhaberin geht es nicht nur um den unschönen Anblick, sondern um die Umweltverschmutzung und um die Brandgefahr.
Denn Marion Ender erinnert sich noch genau, als sie vor sechs Jahren an Christi Himmelfahrt zur Basilika lief. "Ich kam an der Mariengrotte vorbei und bin total geschockt gewesen." Damals war die Grotte durch einen Brand, ausgelöst durch Kerzen, verkohlt und verrußt. Die Muttergottesstatue wurde vollständig zerstört. "Als wir sie herausnehmen wollen, ist sie in tausend Stücke zerfallen. Wir haben seitdem eine Glasscheibe hinter das Gitter angebracht, damit dort keine Kerzen mehr direkt neben der Figur aufgestellt werden", sagt Andreas Weiß. Seine Familie ist seit Generationen Eigentümer der Mariengrotte.


Waldbrandgefahr möglich

Die Familie Weiß hat damals zudem ein Schild angebracht, mit der Bitte, von übermäßigen Abbrennen von Kerzen, besonders in Plastikhüllen, abzusehen. Denn diese ermöglichen eine Hitzeentwicklung, die zu einem Waldbrand führen kann. Dies passierte auch 2012. "Damals konnte ein Waldbrand nur verhindert werden, weil ein Wallfahrer das Feuer rechtzeitig erkannte und löschte", sagt Andreas Weiß.
Das Risiko eines Waldbrandes besteht nicht nur in heißen Sommermonaten, so Kreisbrandinspektor Ottmar Jahn und verweist auf einen Ratgeber zur Waldbrandgefahr. Demnach kann es auch im Winter bei fehlender Schneedecke brennen und im Frühjahr erreiche das Waldbrandrisiko Anfang Mai sogar einen ersten Höhepunkt.
Häufig seien nach Einschätzung von Experten fahrlässige Waldbesucher schuld an einem Brand. Der Kreisbrandinspektor warnt davor, Feuer zu entzünden und Müll liegen zu lassen. Denn dieser könne durch die Bündelung von Sonnenlicht ebenfalls ein Feuer entfachen.
Die Gefahr wird aber anscheinend von vielen ignoriert. "Plastikfasten wäre mal angebracht", sagt Marion Ender, denn "vor allem in den Sommermonaten zur Wallfahrtssaison nehmen die Friedhofslichter geradezu überhand." Dies stellt auch die Familie Weiß jedes Jahr aufs Neue fest. "Meine Enkelin und Schwiegertochter haben erst drei bis vier Eimer voll abgespachteltem Wachs heimgebracht", erzählt Andreas Weiß.
Auch der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, missbilligt das Verhalten: "Frau Ender hat vollkommen recht. Es ist unverschämt, was sie da machen und richtet sich auch gegen die Schöpfung. "
Er sei sich nicht sicher, ob die vielen Kerzen hauptsächlich von Wallfahrern aufgestellt werden und glaubt, dass es einzelne Gläubige seien. Unabhängig davon möchte er einen Appell an die Verursacher richten: "Die Leute, die das machen, sollen nicht nur ihre Frömmigkeit, sondern auch ihren Kopf bewahren."
Marion Ender wandert gerne und kommt jeden Sonntag dahin. "Es hat mich schon oft gestört, ich könnte mich jedes Mal über den herumliegenden Plastikmüll aufregen." Natürlich respektiere sie die Tradition, zu Ehren der Mutter Gottes Kerzen anzuzünden. Doch in diesem Ausmaß sei das nicht mehr tragbar, so Ender.
"Wir wollen auch gar nicht verbieten, dass Kerzen angezündet werden", führt Andreas Weiß fort, "aber es wäre gut, wenn man das Schild beachtet und Kerzen nur auf den Kerzenständern anbringt." Marion Ender hat einen Vorschlag: "Man kann die Kerzen doch auch zu Hause anzünden. Ich bin mir sicher, die Mutter Gottes freut sich über jedes Gebet, auch ohne dass eine Kerze entzündet wird."
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