Lichtenfels

Wie von Caravaggio gemalt

Geflochtenes im Spiegel der Kunsthistorie ist im Lichtenfelser Stadtschloss zu sehen.
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Korbflechter Andrea Magnolini hat seinen Korb genauso geschultert wie die historische Vorlage eines italienischen Künstlers. Foto: Gerda Völk
Korbflechter Andrea Magnolini hat seinen Korb genauso geschultert wie die historische Vorlage eines italienischen Künstlers. Foto: Gerda Völk

Fürs Foto greift sich Korbflechter Andrea Magnolini spontan seinen Korb und legt ihn sich um die Schultern, wie sein Vorbild es auf dem historischen Gemälde hinter ihm auch tut. "Der Korb im Rahmen" heißt eine Ausstellung im Jubiläumsjahr des Korbmarktes im Stadtschloss, die Geflochtenes im Spiegel der Kunst zeigt.

Zwischen 1500 und 1900

Die Gemälde von italienischen Meistern, auf denen Körbe abgebildet sind, inspirierten Andrea Magnolini zu einem höchst ungewöhnlichen Projekt, zu dem er weitere italienische Korbflechter gewinnen konnte. "Die Körbe waren so gut gemalt, dass man sie ohne weiteres nachflechten konnte", erfahren die Ausstellungsbesucher. Die historischen Gemälde umfassen einen Zeitraum von 1500 bis 1900 und zeigen verschiedene Szenen des täglichen Lebens und alle sozialen Schichten, vom Adel bis zum Bauern, von Tischen bis zu Feldern, von Arbeitsumgebungen bis zu Wohnzimmern. Eine Art "Selfie" der Entstehungsepoche. Eine Erkenntnis des Projekts ist, dass das Wissen um das Handwerk offenbar tief im kollektiven Gedächtnis verwurzelt ist. Ein Korb, der um das Jahr 1600 hergestellt wurde, kann auch heute noch von einem Handwerker mit den gleichen Materialien und Werkzeugen hergestellt werden.

Diese Kette der Wissensvermittlung von einer Generation zu nächsten scheint auch heute noch zu funktionieren. Die Körbe spiegeln auch die Vielfalt der italienischen Landschaften und Menschen wider. Da sind der robuste friulanische Korb genauso zu finden wie die Körbe aus den Marken und die aufwendigen sizilianischen Barockkörbe. Einige Maler wie Paoletti, Caravaggio oder Pitocchetto haben es den Korbflechtern leichtgemacht: Diese konnten sich für eine "originalgetreue" Rekonstruktion der historischen Vorlage entscheiden, was sowohl Material als auch Technik anbelangt. Auch Alexandra Marks hat am Projekt mitgearbeitet. "Der Abschluss des Korbes ist auf dem Original nicht sichtbar", erklärt die Korbflechterin, die ihre Ausbildung in Lichtenfels absolvierte. Als versierte Flechterin hat sie ihren Korb einen Abschluss gegeben, der dem Original nahekommen dürfte. Aktuell umfasst das Projekt des Italieners 16 Körbe, die nach historischen Vorlagen entstanden sind. Es könnten durchaus noch mehr werden.

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