Ebersdorf

Wie Trampen, nur mit Ansage

Das Projekt "Mitfahrbänke" ist nun im Gemeindegebiet Ebersdorf bei Coburg gestartet. Warum dieses Konzept als sinnvolle Alternative zum ÖPNV gesehen wird.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Mitfahrbank an der Einmündung Coburger Straße/Schlesierstraße wurde zum Projektstart von den Verantwortlichen mit den Ehrengästen besichtigt. Von dort aus sind die Lebensmittelmärkte gut zu Fuß erreichbar.  Fotos: Alexandra Kemnitzer
Die Mitfahrbank an der Einmündung Coburger Straße/Schlesierstraße wurde zum Projektstart von den Verantwortlichen mit den Ehrengästen besichtigt. Von dort aus sind die Lebensmittelmärkte gut zu Fuß erreichbar. Fotos: Alexandra Kemnitzer
+1 Bild

alexandra kemnitzer "Dou will ich hie! Nümmsd da mich mit? Und scho gets luos!" So könnte sich in Zukunft die Kommunikation an einer der Mitfahrbänke im Ebersdorfer Gemeindegebiet anhören. Ab sofort stehen im gesamten Gemeindegebiet Mitfahrbänke samt Schilderständern, die für spontane Mobilität im Ort sorgen. Außerdem trägt das Projekt der Umwelt Rechnung, denn ohne großes Organisieren können Fahrgemeinschaften gebildet werden, was CO2 einsparen kann.

Initiiert wurde das Projekt durch einen Gemeinderatsantrag der Bürgergemeinschaft Ebersdorf. Das Projekt-Team "Mitfahrbank" konnte mit den Seniorenvertretern der Gemeinde, vielen Spenden und durch den Bauhof ein schlüssiges Standort-Konzept erarbeiten und umsetzen. Mit einem Präsent dankte Bürgermeister Bernd Reisenweber Bernd Carl, Nadine Jacob und Danica Faber, bevor eine "Mitfahrbanktorte" zum Projektstart angeschnitten wurde.

Bernd Reisenweber sieht die "Mitfahrbänke" als weiteres Mosaiksteinchen im Mobilitätsangebot der Kommune. "In Ebersdorf haben wir eine relativ gute Verkehrsanbindung und wollen diese auch in den Gemeindeteilen haben", erklärte er. Über den Vergabewettbewerb des oberfränkischen Demografie-Kompetenzzentrums konnte sich die Gemeinde bereits im letzten Jahr eines der oberfränkischen Mitfahrbank-Sets sichern. Darüber hinaus spendierte die VR-Bank jeder Gemeinde im Landkreis Coburg eine Bank zum Start für ihr Mitfahrbank-Projekt. Einen Dank zollte der Bürgermeister allen, die in der Projektwerkstatt "Mitfahrbänke" mitgearbeitet haben.

Eigene "Beschilderung"

Für das schlüssige Konzept der jeweiligen Standorte wurde eifrig geplant, diskutiert und eine eigene "Beschilderung" für Ebersdorf gefunden. Die Halterungen der Beschilderung bei den oberfränkischen Mitfahrbank-Sets sind als "Galgen" geformt. Unter diesem können dann die jeweiligen Richtungsschilder umgeklappt werden. Die Gemeinde Ebersdorf hat sich für eine "U-Halter-Form" entschieden, die über den Richtungsschildern zusätzlich das Schild "Mitfahrbank" trägt. Dadurch sind die Standorte noch besser kenntlich gemacht. Die Schilder-Halter sind auch mit einem "Leer-Schild" ausgestattet, somit können die Bänke auch zum Ausruhen genutzt werden.

Um das Projekt erfolgreich starten zu lassen und eine möglichst breite Akzeptanz zu erhalten, wurden die Standorte auch mit der ÖPNV-Beauftragten der Stadt und des Landkreises Coburg, Marita Nehring, besprochen und alle Beteiligten mit einbezogen. "Für Menschen, die in ihrer Mobilität teilweise eingeschränkt sind, haben wir mit den Mitfahrbänken eine einfache und sinnvolle Lösung geschaffen, die den ÖPNV ergänzt", ist der Bürgermeister sicher. Mitfahrbänke funktionieren ähnlich, wie das Trampen, nur mit "Ansage", und können Menschen in Kontakt zueinander bringen. Bernd Reisenweber ist überzeugt, dass die Mitfahrbänke angenommen werden, da im ländlichen Raum nahezu jeder jeden kennt. Auch wenn vielleicht anfänglich Skepsis vorhanden sei, ermutigte er, es auszuprobieren.

Neben den Mitfahrbänken und dem Seniorenbus steht in Ebersdorf die nächste Ergänzung in Sachen Mobilität an. Für die Teilhabe von Schwerstbehinderten soll ein Bus angeschafft werden. Entsprechende Mittel stehen zur Verfügung. Derzeit wird nach einem Fahrerteam gesucht.

Bernd Reisenweber sieht die Gemeinde Ebersdorf als Vorreiter im Bereich der Mobilität, die recht fix Ideen und Vorhaben umsetzt und sie verzahnt, um am Ende ein kompaktes Ganzes zu bieten. Das Projekt umfasst im Gemeindegebiet derzeit elf Bänke. Eine zwölfte wird nach Fertiggestellung des Bahnhofsareals dort aufgestellt.

Sabine Nuber vom Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken zeigte sich beeindruckt, wie intensiv in der Gemeinde Ebersdorf dieses Thema betrieben wird.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren