Eschenau bei Haßfurt

Wie sieht's "unten" aus?

Bei Eschenau wird derzeit gebohrt. Das Landesamt für Umwelt erhofft sich Erkenntnisse über die Gesteinsschichten in 100 Metern Tiefe. Resultate liefert auch die Karte "6029 Knetzgau".
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Mit einer Forschungsbohrung östlich von Eschenau wollen die Geologen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt die Wasserlöslichkeit von Gesteinen im Untergrund näher untersuchen.  Fotos: Christiane Reuther
Mit einer Forschungsbohrung östlich von Eschenau wollen die Geologen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt die Wasserlöslichkeit von Gesteinen im Untergrund näher untersuchen. Fotos: Christiane Reuther
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Christiane Reuther Was verraten Gesteine am Fuße des Großen Knetzbergs über die geologische Vergangenheit der Region? Mit einer Forschungsbohrung, die momentan östlich des Knetzgauer Gemeindeteils Eschenau niedergebracht wird, wollen Geologen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) die Wasserlöslichkeit von Gesteinen im Untergrund näher untersuchen. Die Geologen gehen Bayern auf den Grund und kartieren dabei über 600 Karten im Maßstab 1:25 000. Eine davon, die mit der Farbe Gelb im Flächennetz dargestellt ist, übergaben Roland Eichhorn, Leiter des geologischen Dienstes, und der zuständige Gebietsbearbeiter Sebastian Specht am Dienstag an Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD).

Ein großer Bohrturm einer Brunnenbaufirma aus dem Landkreis Ansbach überragt das Gelände am Fuß des Großen Knetzbergs. "Wir Geologen erforschen den steinernen Untergrund Bayerns", erklärt Roland Eichhorn. Auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern werden Daten von Boden und Steinen gesammelt und Gesteinsproben für Laboruntersuchungen entnommen. Zusätzlich geben Bohrungen aufschlussreiche Informationen über den Untergrund.

Die Daten werden in einen Computer eingegeben und auf Karten im Maßstab von 1:25 000 übertragen. Die einzelnen Gesteine erhalten dabei unterschiedliche Farben und Zeichen.

Geordnet in Holzkisten stehen die Tagesbohrungen auf dem Gelände. Sie werden später sorgsam verwahrt.

2000 Kilometer zu Fuß

Vor sieben Jahren hat Sebastian Specht mit der Kartierung begonnen. Die gewonnenen Daten finden auch für das Nachbarblatt Verwendung, wie Specht erklärt. Deshalb erhielt auch Bürgermeister Heinrich Thaler aus dem Markt Burgwindheim eine Karte. Jede Karte braucht einen Paten. Und so ist für die erste Karte Knetzgaus Bürgermeister Paulus Pate, weshalb er die geologische Karte auch in Großformat erhielt.

Die Karte mit der Bezeichnung "6029 Knetzgau" umfasst ein etwa zwölf mal zwölf Kilometer großes Gebiet, wie Eichhorn erklärt. Bis das gesamte Gebiet unterhalb des Großen Knetzbergs vollständig umfasst ist, musste der Geologe 2000 Kilometer im teils unwegsamen Gelände zu Fuß zurücklegen. Dabei hat er Gesteinsproben für Laboruntersuchungen entnommen. Für die Fertigstellung der Karte war eine Bearbeitungszeit von rund drei Jahren nötig, wie Specht schildert. Da der Untergrund bei den Geologen große Neugierde weckt, findet deshalb auch die Bohrung statt. Eine Woche lang werden bis zum Ende dieser Woche Gesteinsschichten aus 100 Metern Tiefe ans Tageslicht gefördert.

Eichhorn begab sich auf eine Zeitreise und gewährte Einblicke in die Entstehung der Gesteinsschichten. Vor 240 Millionen Jahren sei die Fläche rund um Eschenau noch ein Meer gewesen, erzählt er. Nach einem Wirbelsturm schwappte Wasser in Dellen und versalzte. Verschiedene Mineralien, darunter Gips, lagerten sich ab und nach und nach wurde nach Trockenperioden Ton aus Flüssen angeschwemmt. "Daraus resultiert wohl der fruchtbare Boden für den Weinbau", bemerkt Eichhorn schmunzelnd.

Der unterirdisch abgelagerte Gips in den Hohlräumen könnte einbrechen und Löcher verursachen. Um Gefahren abzuwenden, wird nun die Bohrung gesetzt. Die Geologen erkennen anhand der Gesteinsschichten, wie das Erdreich in diesem Gebiet an der Untergrenze von 100 Metern beschaffen ist.

Mit einem Gerät, das einem Dachrinnenrohr ähnelt, wird in die Erde gebohrt. Das Rohr fräßt sich in das Gestein und fördert den Untergrund hervor. So können anhand der unterschiedlichen Farben einzelne Gesteinsschichten bestimmt werden.

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