Lichtenfels

Wie Korbflechter - nur mit Bast

Kinder tauchten im Lichtenfelser Stadtmuseum in das Arbeitsleben verschiedener Handwerker von früher ein.
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Die sieben Kinder fertigen mit großem Eifer aus einer Pappschablone und bunten Bastfäden ein hübsches Körbchen. Foto: Alfred Thieret
Die sieben Kinder fertigen mit großem Eifer aus einer Pappschablone und bunten Bastfäden ein hübsches Körbchen. Foto: Alfred Thieret

Im Rahmen der Ferienaktion der Museen im Landkreis gab die Stadtarchivarin Christine Wittenbauer sieben interessierten Kindern einen Einblick in die Geschichte der Korbflechter auf dem Land, der Korbhändler in der Stadt und der Flößer auf dem Main und versetzte sie in die Zeit vor etwa hundert Jahren.

Nach der Schule geflochten

Sie machte ihnen dabei deutlich, wie die Kinder damals gelebt haben. Die siebenjährige Theresa ließ sich eine Schürze umbinden, womit sie ein Korbmacherkind symbolisieren sollte. Theresa erfuhr dann, dass sie damals in einer einfachen und wenig begüterten Korbmacherfamilie mit mehreren Geschwistern in einem Dorf aufgewachsen wäre und nach der Schule, falls sie diese immer hätte besuchen können, mit den anderen Familienmitgliedern hätte flechten müssen.

Mit dem Huckelkorb in die Stadt

An Samstagen hätte sie die unter der Woche geflochtenen Körbe dann zusammen mit Vater, Mutter und Geschwistern entweder zusammengebunden über den Schultern hängend oder in einem Huckelkorb in die Kreisstadt zu den Korbhändlern bringen müssen. Vornehmer ging es in den wohlhabenden Familien der Korbwarenhändler zu, die in Lichtenfels angesiedelt waren und die die von den Flechtern angelieferten Körbe in alle Welt exportierten, stellte Christine Wittenbauer fest.

Deshalb durfte sich der siebenjährige Franz, der den Sohn eines Korbwarenhändlers darstellte, eine Krawatte umbinden. In der damaligen Zeit wäre er regelmäßig zur Schule gegangen, hätte noch einen Hauslehrer und vorbildliche Manieren gehabt und ein Musikinstrument gespielt.

Männer aus dem Frankenwald

Auch auf die Flößer ging die Archivarin kurz ein. Dabei handelte es sich um kräftige Männer aus dem Frankenwald, die meist in Lichtenfels aus Baumstämmen große Flöße zusammensetzten, dann damit den Main und Rhein abwärts bis nach Holland gelangten und auf diese Weise umweltschonend den Holztransport bewerkstelligten, der heute energieaufwendig auf Straße und Schiene vonstattengeht. Zum Schluss durften sich die sieben- bis zehnjährigen Kinder als Flechter beweisen, wenn auch nicht mit Weidenruten. So fertigten alle in der Kürze der Zeit aus einer Pappschablone mit bunten Bastfäden ein hübsches Körbchen, das sie mit nach Hause nehmen durften.

Da in unserer Region auch die Porzellanindustrie eine Blütezeit erlebte, konnten sich die Kinder schließlich noch als Porzellanmaler betätigen und eine Tasse nach ihrem Geschmack bemalen, die sie auch mitnehmen durften. Alfred Thieret

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