Neudrossenfeld

Wie kam der Stoff ins Auto?

Bei einer Kontrolle auf der A 70 hatte die Polizei 3,2 Gramm Marihuana gefunden. Der Fahrer stand jetzt vor Gericht.
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3,2 Gramm Marihuana hatten Polizeibeamte bei der Kontrolle eines Autos auf der A 70 gefunden. Der Fahrer musste sich jetzt vor Gericht verantworten.  Symbolfoto: Christopher Schulz
3,2 Gramm Marihuana hatten Polizeibeamte bei der Kontrolle eines Autos auf der A 70 gefunden. Der Fahrer musste sich jetzt vor Gericht verantworten. Symbolfoto: Christopher Schulz
Auf den ersten Blick schien die Sachlage klar: Die Polizei hatte im Juli 2016 auf der Autobahn 70 bei Neudrossenfeld einen inzwischen 28 Jahre alten Autofahrer aus Plauen kontrolliert. Im Seitenfach des Wagens fanden die Beamten 3,2 Gramm Marihuana in einer Zigarettenschachtel.
Eine geringe Menge, aber doch so viel, dass es für eine Anklage wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln reichte. Die Beamten nahmen dem Mann den "Stoff" ab. An der Zigarettenschachtel konnten auch DNA-Spuren des Angeklagten sichergestellt werden. Deshalb musste sich der Plauener jetzt vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Doch der Angeklagte schilderte Richterin Sieglinde Tettmann eine ganz andere Geschichte. Er habe als gelernter Automechaniker das Fahrzeug nur repariert und wollte es zurückbringen. "Das Marihuana gehört mir nicht, ich will es auch nicht mehr haben", erklärte er. Das Rauschgift sei vermutlich schon im Auto gewesen - möglicherweise habe es der Besitzer des Wagens einfach dort vergessen.
Dieser aber, ein 47 Jahre alter Mann aus Chemnitz, will die Drogen ebenfalls nicht besessen haben. Auf Nachfrage des Verteidigers gab er lediglich zu, vor langer Zeit schon einmal Marihuana probiert zu haben. Ansonsten konnte sich der Autobesitzer an nichts erinnern.


Verteidiger fordert Freispruch

Der Verteidiger wertete die Tatsache, dass die DNA-Spur seines Mandanten nur auf einer Außenkante der Zigarettenschachtel gefunden worden war, als Beweis für seine Unschuld. "Wo ist denn überhaupt das Wiegeprotokoll und eine Untersuchung auf den Wirkstoffgehalt? Und wer sagt, dass es überhaupt Marihuana war?", stellte er die gesamten Ermittlungen infrage. "Es gibt keinen Beweis, dass das Marihuana meinem Mandanten gehört. Ich fordere Freispruch."
Doch dem folgten Staatsanwaltschaft und Richterin nicht. Sie vertrauten auf die Polizeierkenntnisse. Zudem war der Angeklagte 2016 wegen des Anbaus von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden.
"Der Sachverhalt steht fest. Die DNA war auf der Schachtel zu finden", betonten die Vertreter der Anklage und forderten eine Geldbuße von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro gegen den Kfz-Mechaniker zu verhängen.
Richterin Sieglinde Tettmann konnte sich mit einem Freispruch ebenfalls nicht anfreunden. Sie verhängte eine Geldstrafe von 30 Tagesätzen zu je zehn Euro. Negativ habe sich ausgewirkt, dass der Angeklagte das Verfahren durch sein uneinsichtiges Verhalten in die Länge gezogen habe. Dass die Qualität des Marihuanas nicht untersucht worden ist, sei kein Versäumnis der Polizei, sondern liege daran, dass bei solch geringen Mengen aus Kostengründen der Wirkstoffgehalt nicht analysiert werde, so Tettmann. "Die Strafe bewegt sich im unteren Bereich, weil es sich bei Marihuana um eine weiche Droge handelt und weil wir den Wirkstoffgehalt nicht kennen. Es kann auch ein Marihuana-Tabak-Gemisch gewesen sein", begründete die Richterin ihr Urteil.

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