S chön wär's scho'", denken wir uns, wenn wir uns eine positive Veränderung wünschen, aber zugleich daran zweifeln, ob sie jemals Wirklichkeit wird? Das gilt im Großen wie im Kleinen: "Schön wär's scho", wenn's auf der Welt friedlicher zuginge; wenn's den Armen besser ginge, wenn sich der Klimawandel stoppen ließe.

"Schön wär's scho", wenn ich mehr Zeit für die Familie hätte; wenn's Betriebsklima freundlicher wäre; wenn sich bei uns im Verein mehr Leute engagieren würden.

Vermutlich könnten Sie diese Aufzählung mit Ihren eigenen Wünschen beliebig verlängern. Und so war bei vielen wohl auch der Jahreswechsel wieder begleitet von mancherlei Hoffnungen und guten Vorsätzen, denen leider allzuschnell die Ernüchterung folgt.

Vielleicht neigen wir Menschen dazu, uns und andere gerne etwas zu überschätzen, und erwarten dann auch von den sogenannten "Mächtigen" und "Entscheidungsträgern" mehr, als nun einmal möglich ist. Die daraus resultierende Unzufriedenheit verführt viele dazu, schmollend alle möglichen Missstände anzuprangern, um sich anschließend wieder in die private Kuschelecke zurückzuziehen.

Da wünsche ich mir doch etwas mehr nüchterne Sachlichkeit, wie sie uns Franken eigentlich zu eigen ist. Denn wenn auch nicht alles so ist, wie wir uns das erhoffen, so ist es doch nicht so schlecht, wie es uns manche mit ihren "gefühlten Scheinwahrheiten" einreden wollen. Ganz so einfach sind das Leben und Zusammenleben nun mal nicht, als dass es sich mit einfachen Antworten erklären, geschweige denn verbessern ließe. Da braucht es vielmehr Geduld, Zuversicht, den Mut zum langen Atem - und nicht zuletzt die Erkenntnis: Ganz unschuldig daran, dass sich oft wenig zum Positiven ändert, bin auch ich nicht.

Deshalb habe ich mich schon vor Jahren von den großen Wünschen - nicht nur zum Jahreswechsel - verabschiedet. Lieber überlege ich mir, was ich in meinem Umfeld, mit meinen Möglichkeiten und mit den Menschen, mit denen ich freundschaftlich verbunden bin, zum Guten verändern kann.

Und wie so oft hilft mir dabei ein Ratschlag der Bibel: "Wie Ihr wollt, dass Euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!", sagt Jesus im Lukasevangelium. Er ermutigt mich damit, mit dem "ersten Schritt zum Besseren" doch schlicht und einfach bei mir selbst zu beginnen. (Manfred Hohnhaus war viele Jahre Gemeindepfarrer und Militärseelsorger - zuletzt in Roth, wo er auch als "Motorradpfarrer" bekannt wurde. Im Ruhestand ist er in seine unterfränkische Heimat, die Haßberge, zurückgekehrt.)