Coburg

Wie der Patient sich helfen kann

Operation, Chemotherapie, Bestrahlung: Das sind die üblichen Verfahren bei einer Krebsbehandlung. Doch damit allein sollte es nicht getan sein, sagt Dr. Christof Lamberti, Leiter des Onkologischen Zentrums am Klinikum Coburg.
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"Waldbaden" liege derzeit im Trend, sagt der Krebsmediziner Christof Lamberti. Aber egal, wie man es nennt: Bewusst durch den Wald zu gehen und die Ruhe auf sich wirken zu lassen, kann den Heilungsprozess unterstützen. Foto: CT-Archiv
"Waldbaden" liege derzeit im Trend, sagt der Krebsmediziner Christof Lamberti. Aber egal, wie man es nennt: Bewusst durch den Wald zu gehen und die Ruhe auf sich wirken zu lassen, kann den Heilungsprozess unterstützen. Foto: CT-Archiv
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Schulmedizin ist nicht alles. Das sagt der Privatdozent und Arzt Christof Lamberti, der selbst Schulmediziner ist und am Klinikum Coburg das Onkologische Zentrum der Regiomed Kliniken leitet. Er spricht von "Komplementärmedizin", ergänzender Medizin, wenn er die Therapien und Maßnahmen beschreibt, die er und seine Kollegen den Patienten zusätzlich zur normalen Krebsbehandlung nahelegen. "Wir sind da nicht dogmatisch. Wir haben gelernt, dass solche Dinge den Patienten etwas bringen können." Misteltherapie zum Beispiel, oder Yoga. Derzeit im Trend: "Waldbaden."

Solche Dinge werden auch gern als "Alternativmedizin" bezeichnet. Aber um Alternativen gehe es eben nicht, betont Lamberti, sondern "um ergänzende, zusätzliche Maßnahmen nach Wunsch des Patienten, der selbst etwas tun will" gegen seine Krebserkrankung.

Einfache Ursache-Wirkmechanismen gebe es dabei nicht, hebt Lamberti hervor. Von der Misteltherapie, bei der Mistelextrakt unter die Haut gespritzt wird, nimmt man an, dass sie das Immunsystem anregt, was wiederum den Tumor hemmen kann. Beweiskräftige Studien gebe es für diese ergänzenden Angebote bislang nicht, sagt Lamberti. "Aber viele Beobachtungen." Entscheidend sei, dass der Patient selbst das Gefühl habe, "das bringt mir was".

Zur Ruhe kommen

Wenn es um Kräutertees und Ähnliches geht, liegt freilich viel Erfahrungswissen vor. Und ob Kamillen- oder Ingwertees einem Patienten bei Übelkeit helfen, lässt sich auch direkt beobachten. Für Lamberti ist wichtig, dass es sich um Maßnahmen handelt, die den Patienten "weder finanziell noch körperlich gefährden und mit denen er gut zurechtkommt". Da gehören auch bewährte Hausmittel dazu. "Honig wirkt infekthemmend und schleimhautschützend. Man muss nicht teure Dinge übers Internet beziehen. Viele Dinge, die die Natur zu bieten hat, bringen genauso weit." Zusätzliche Vitamingaben hält Lamberti für wenig sinnvoll. "Hochdosiertes Vitamin C kann helfen, aber nur per Infusion. Ich bin eher dafür, dass Patienten Dinge tun, die sie zu Hause machen können."

Da geht es nicht nur um Tees, Wirkstoffe oder Ernährung. Auch Bewegung kann sinnvoll sein oder Yoga. "Jeder muss für sich herausfinden, was hilft", sagt Lamberti. Denn Medizin sei mehr als Medikamentengabe. Einfache Wirkungsmechanismen gebe es freilich nicht. "Der Glaube, man könne durch das, was man isst, den Tumor beeinflussen, ist zwar weit verbreitet, aber er stimmt nicht, zum Beispiel, man könne durch das Weglassen von Zucker den Tumor aushungern.

Im Reagenzglas ist das vielleicht nachvollziehbar, aber der Mensch ist halt mehr als ein paar Zellen", fasst Lamberti zusammen. Werde der Zucker weggelassen, passe der Tumor seinen Stoffwechsel vermutlich schneller an als der Körper des Patienten. Überhaupt seien Diäten bei Krebspatienten nicht anzuraten, das sie ohnehin schon riskieren würden, Gewicht zu verlieren. "Wir ermutigen eher zum Zunehmen. Wenn die Erkrankung behandelt ist, kann man versuchen, das Gewicht zu reduzieren, aber nicht während der Therapie."

Die Komplementärmedizin gehe aber, was die Dauer angeht, meist über die herkömmliche Therapie hinaus, sagt Lamberti. Dinge wie Nahrungsumstellung oder regelmäßiger Sport würden erst langfristig ihre Wirkung enthalten. "Ich empfehle Dinge, die man nachhaltig machen kann. Sie bewirken alle etwas sehr Ähnliches: Zurückfahren, zur Ruhe kommen, zu sich selbst finden. Die Wege dahin können unterschiedlich sein, das Ziel ist ähnlich."

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