Hallerndorf

Wie darf man im "Boint" bauen?

Gemeinderat  DieVorgaben für das neue Baugebiet beschäftigten das Gremium in der jüngsten Sitzung. Zwischen dem Festhalten am fränkischen Stil bis dahin, möglichst keine Einschränkungen zu machen, reichten die Meinungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
von unserer Mitarbeiterin Sylvia Hubele

Hallerndorf — Die Interessenten für das neue Baugebiet "Boint" in Hallerndorf scharren sprichwörtlich schon mit den Hufen, sagte Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG) und forderte die Gemeindevertreter dazu auf, sich bei den Beratungen zum Bebauungsplan nicht zu viel Zeit zu lassen.
Der Änderung der Flächennutzungsplanung Hallerndorf stimmten die Gemeindevertreter denn auch einstimmig zu. In diesem wurde festgelegt, dass das Baugebiet künftig kein Misch-, sondern ein allgemeines Wohngebiet ist. In der Baunutzungsordnung ist damit festgelegt, dass damit auch Gewerbeansiedlungen wie eine Friseur oder eine Massagepraxis möglich wären.

Verantwortung für den Gesamtort

Mit dem Plan, wie das künftige Baugebiet aufgeteilt und bebaut werden soll, hatte sich das Ingenieurbüro Weyrauther befasst und das dafür nötige Konzept erarbeitet. Bei der Vorstellung der einzelnen Vorentwürfe des Bebauungsplanes waren sich die Gemeindevertreter schnell einig, welcher Variante sie den Vorzug gaben. Über die einzelnen Vorgaben, die im Bebauungsplan beispielsweise die Dachneigung, Kniestockhöhe, Dacherker und Geschosszahl festlegen, diskutierten die Gemeindevertreter ausgiebig. Schließlich geht es darum, ob jeder so bauen kann, wie er will, oder ob hier nur Häuser stehen dürfen, die sich dem fränkischen Baustil anpassen.
Wie Max Brust und Rudolf Weyrauther erklärten, wird vom Aussehen der Häuser das Ortsbild Hallerndorfs entscheidend geprägt: "Sie haben die Verantwortung für die gesamte Ortschaft!" Gunselmann stimmte den Ingenieuren zu: Wenn Hallerndorf Fördergelder durch die Städtebauförderung in Anspruch nehmen möchte, rücken nicht nur der Ortskern, sondern das Aussehen und die Baustile des gesamten Ortes in den Fokus der Behörden, die dafür Zuschüsse vergeben. "Sonst kann es passieren, dass wir in Hallerndorf keine Städtebauförderung bekommen", warnte Gunselmann. Werner Fischer (WG Hallerndorf) wandte ein, dass es anderswo zwar wunderschöne fränkische Dörfer gebe, in diesen jedoch keiner wohnen wolle: "Wir haben hier eine Schule, wir haben Kindergärten und andere öffentliche Einrichtungen, wir brauchen junge Familien im Ort!"

"Ich mag diesen Baustil"

Auch wenn später jeder bauen können soll, wie er will, müssen im Bebauungsplan die einzelnen Festsetzungen gemacht werden, erinnerte Weyrauther daran, dass er ohne einen Beschluss der Gemeindevertreter nicht weiterarbeiten könne. Robert Linz (WG Trailsdorf) sprach sich dagegen für die fränkische Bauweise aus: "Ich mag diesen Baustil gerne". Vielleicht dauere es nur ein wenig länger, bis dann alle Bauplätze wirklich bebaut sind. Gunselmann stimmte zu, dass dieses Gebiet am Ortseingang ein sensibles sei, allerdings wandte Fischer ein, dass bisher in anderen Baugebieten alle anderen Baustile genehmigt wurden: "Mit welcher Begründung wollen wir denn den Bauwilligen ihren Stil verwehren?"
Eine Entscheidung fiel in der Sitzung nicht mehr. Damit gibt es erst einmal keine Vorgaben für das Baugebiet. Abschließend sprachen sich die Gemeindevertreter dafür aus, die Öffentlichkeit durch Bekanntmachungen im Amtsblatt an allen Planungen zu beteiligen.
Da sich unter diesem Baugebiet Siedlungsreste aus der Latènezeit als Bodendenkmal befinden, hatte das Ingenieurbüro Weyrauther Angebote für die Rettungsgrabungen eingeholt. Die Gemeindevertreter erteilten der Firma Wintergerst aus Bamberg einstimmg den hierfür notwendigen Auftrag, da sie mit 59 000 Euro das günstigste Angebot geliefert hatte.
Da die Schutzgebietsverordnung der Wasserversorgungsanlage Schnaid bereits mehr als 20 Jahre alt ist und nicht mehr aktuellen Erfordernissen entspricht, da nach dieser sowohl Gülle als auch Dünger in der engeren Schutzzone ausgebracht werden dürfen, bedarf diese einer Überarbeitung. Drei Ingenieurbüros wurden angefragt, die Zustimmung erhielt das Ingenieurbüro Awus aus Gräfenberg.
Die Gemeindevertreter genehmigten die eingereichten Bauanträge, befürworteten den Antrag auf Abschlagszahlung der katholischen Kirchenstiftung Hallerndorf und beauftragten das Ingenieurbüro Kittner & Weber, die Ausschreibung zur Kanalsanierung in Pautzfeld vorzunehmen und die Straßenraumgestaltung nach den vorliegenden Plänen zu übernehmen.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren