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Coburg

Wie aus Luthers Glaube Musik wird

Als Beitrag zum Reformationsjubiläum wird die Luther-Kantate "Allein aus Gnade" von Sigurd Knopp und Birgit Kleefeld in Heilig Kreuz in Coburg uraufgeführt.
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Luther, immer wieder Luther. Musik von und über Luther begleitet Sigurd Knopp durch das Reformations-Jubiläumsjahr. Als Dekanatskantor im Dekanat Ludwigstadt ist Knopp auch Kantor von Heilig Kreuz in Coburg und viel unterwegs im Namen des Reformators. Mit dem Luther-Oratorium von Siegfried Fitz hat er die fränkisch-thüringische Region in diesem Jahr intensiv bereist. Doch eine ganz besondere Aufgabe wartet noch auf ihn: die Uraufführung der Luther-Kantate, die er gemeinsam mit Birgit Kleefeld erarbeitet und gestaltet hat.
"Allein aus Gnade" steht auf der Partitur, die in Chorälen, Rezitativen und instrumentalen Zwischenspielen eine sehr persönliche Annäherung an das Phänomen Luther unternimmt. Viel Musik war in diesem Jahr schon im Namen Luthers allerorten zu hören - darunter eigens zum Reformationsjubiläum geschaffene Werke, die auf große Effekte und großen äußeren Aufwand gesetzt haben. Knopp und Kleefeld aber sind den umgekehrten Weg gegangen. Sie haben sich auf die Spurensuche zu Luther begeben jenseits der überall zu hörenden Melodien und Texte. Die Kantate erklingt erstmals in Coburg im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in Heilig Kreuz am 12. November (Sonntag, 10 Uhr), interpretiert von der Kantorei Heilig Kreuz unter Knopps Leitung.


Originalmelodien

"Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade" steht als Zitat des Reformators am Anfang der etwa 25-minütigen Kantate, die ganz bewusst mit reduziertem äußerem Aufwand Kernaussagen Luthers zum Thema macht. Ein Spielstück über "Nun freut euch, lieben Christen gmein" eröffnet die Folge von 15 zumeist kurzen Stücken, in denen auch die wichtigsten biografischen Stationen anklingen - vom Gewittererlebnis über das Klosterleben bis zur "Bitte um den neuen Glauben".
Solistische Passagen wie Luthers Gelübde, Mönch zu werden nach seinem dramatischen Gewittererlebnis, singt der junge Bariton Lorenz Kleefeld, ein ehemaliges Mitglied des Windsbacher Knabenchores. "Die Rezitative drücken die innere Handlung aus, Luthers Gedanken", sagt Lorenz Kleefeld.


"Allein aus Gnade"

Als Grundlage für die Kantate hat Knopp die Originalmelodien gewählt und dazu Chorsätze geschrieben - zumeist dreistimmig, in einigen Passagen auch vierstimmig. "Alle Lieder stammen aus dem evangelischen Gesangbuch. Das war uns wichtig", betont Birgit Kleefeld - Ausnahmen bilden lediglich das fünfte Lied (mit einem Text aus dem Römerbrief) und das siebente Lied, das auf dem Tagesspruch zum Karfreitag beruht. "Es stehen viele Luther-Lieder im evangelischen Gesangbuch. Ich will bewusst machen, dass sie dort stehen", sagt Knopp: "Die Aussagen dieser Lieder sind tiefgründig und haben Wucht."
Wie lebendig diese Lieder auch fünf Jahrhunderte nach ihrer Entstehung noch sind, hat Birgit Kleefeld schon bei der musikalischen Arbeit mit den Heilig-Kreuz-Spatzen erlebt. Deren Luther-Lieblingslied war übrigens "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir."
Bei der Auswahl und Bearbeitung der Texte ist Birgit Kleefeld einem klar definierten Ziel gefolgt: "Der rote Faden ist Luthers Suche nach einem gnädigen Gott". Folgerichtig lautet der Titel der Kantate deshalb "Allein aus Gnade".
Die Kantate stelle "die vier Kernsätze unseres evangelischen Glaubens dar: Solus christus, sola fide, sola scriptura, soli deo gloria. Dazu wurden die dementsprechenden Lieder und Texte ausgewählt."


Gewittererlebnis

Die Dramaturgie ist einleuchtend. Die Kantate beginnt zeitlich mit dem Gewittererlebnis Luthers und endet mit dem errungenen Bewusstsein des neuen Glaubens.
Die Arbeit an der Kantate wurde Anfang des Jahres begonnen. Pfingsten begannen dann die Proben. Endgültig abgeschlossen wurde das Werk erst unmittelbar vor der Uraufführung, so dass es bis in die Endproben noch Veränderungen gab.
"Eigentlich sollte die Kantate zur Wiedereröffnung der Heilig-Kreuz-Kirche nach einem ersten Renovierungsabschnitt aufgeführt werden", erläutert Sigurd Knopp: "Leider hat das nicht geklappt. Deshalb wird sie im Gemeindesaal (Hintere Kreuzgasse 7) ihre Uraufführung erleben."
Bei dieser Uraufführung soll es freilich nicht bleiben. Der Termin für die nächste Aufführung in Heilig Kreuz steht jedenfalls schon jetzt fest - der Ewigkeitssonntag 2018 (25. November). J.B./B.K.

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