Pinzberg

Whisky-Schrank kann sprechen

Das Meisterstück des von Christian Matern ist ein Möbel mit "Wow-Effekt". Deshalb hat es der Pinzberger für den Deutschen Designer-Preis angemeldet.
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Christian Matern hat seinen Whisky-Schrank bereits patentieren lassen.  Foto: Josef Hofbauer
Christian Matern hat seinen Whisky-Schrank bereits patentieren lassen. Foto: Josef Hofbauer
Josef Hofbauer

Für sein Meisterstück hat sich der Pinzberger Christian Matern ein Designermöbel mit Wow Effekt einfallen lassen. Allein in die Planung hat er rund hundert Stunden Zeit investiert, Weitere hundert Stunden dauerte die Umsetzung der Idee, einen repräsentativen, interaktiven Whisky-Schrank zu fertigen.
"Der Schrank ist die Verbindung von traditionellem Handwerk und "Smart-Home", der Einrichtungsgeneration des dritten Jahrtausends", erklärt Christian Matern. Wohl deshalb hat er sein patentiertes Meisterstück für den deutschen Design-Award in Frankfurt angemeldet. Matern ist der erste Handwerker in Deutschland, der einen Schrank dieser Art kreiert hat.
Dabei wollte Christian Matern ursprünglich gar keinen Whisky-Schrank bauen, sondern einen Kicker. Diese Idee sei aber als zu aufwendig verworfen worden. "Also setzte ich mich mit meiner Freundin (und einem Glas Whisky) auf den Balkon und wir überlegten, was ich gerne mache. Schließlich sollte mein Meisterstück auch einen Bezug zu mir haben", berichtet der talentierte Handwerker. So kam der Whisky-Kenner, der schon mal eine Flasche für 200 Euro im Haus hat, auf die Idee, einen Aufbewahrungsort für sein Lieblings-Genussgetränk zu bauen.


Form des Fasses aufgenommen

Da lag es nahe, die gebogene Form des Eichenfasses als Gestaltungselement aufzugreifen. Beim Material dachte Christian Matern ebenfalls an die Eiche, doch dieses Material schien ihm nicht edel genug. Schließlich entschied sich der Schreinermeister für eine geräucherte Lärche. Damit griff Christian Matern eine alte Tradition wieder auf, denn bereits vor Jahrhunderten wurden Hölzer geräuchert, um Farbunterschiede auszugleichen. Außerdem verwendete der junge Meister kein Voll- sondern Furnierholz.
Als Korpus diente eine Sperrholzplatte aus Birkenholz. Sie muss auf 95 Grad erhitzt werden, damit sie entsprechend den Vorstellungen gebogen werden kann. "Erkaltet ist dieses Material äußerst formstabil". begründet der Pinzberger Spezialist für den Innenausbau seine Wahl. Für die Türe wählte der Meister Einscheiben-Sicherheitsglas, das über eine Schlitz- und Zapfenverbindung mit dem Korpus verbunden ist. In Sandstrahltechnik steht auf der Türe das Wort Whisky. Der Türgriff besteht aus einer Vertiefung, die in die umlaufende Türkante eingelassen wurde.
Öffnet jemand die Türe, beginnt das Möbel zu sprechen. "Guten Tag, Sie öffnen gerade den Whisky-Schrank von Christian Matern." Gleichzeitig setzen zwei LED-Spots die Getränke ins rechte Licht. Die beiden Glasböden darüber mit den Whisky-Gläsern werden durch rückseitig eingeklebte Lichtbänder beleuchtet.


Das Sprechen beigebracht

Nicht genug damit: Christian Matern hat dem Whisky-Schrank auch beigebracht, dass er seinen Gästen erklärt, welche Genüsse zur Auswahl stehen. Er hat den jeweiligen Flaschenboden mit einem Chip versehen. Aktiviert der Gast den Chip-Leser, indem er die Flasche links über dem Schubkasten mit den edlen Tropfen auf einen "Lesepunkt" stellt, nennt eine Stimme den Namen des Getränks und informiert über Alter, Reifungsprozess, Geschmack und Abgang der gewählten Sorte. "Künftig wird die Einlese- und Wiedergabefunktion über das Scannen des Barcodes möglich sein", informiert Christian Matern, der auch an einem Wein- und Bier-Schrank tüftelt. Mit entsprechender Kühlung per Touch-Screen, versteht sich.
Ein Glas-Aufsatz über dem Schubfach mit den Getränken sorgt dafür, dass die Flaschen beim Herausziehen nicht umfallen. Der darüberliegende Einschenkbereich besteht aus einer besonders robusten Corian-Platte, ein mineralisch-organischer Verbundwerkstoff aus Stein, Acryl und Härtungsmitteln, der mit Holz-Bearbeitungsmaterialien in Form gebracht werden kann. Darunter sind Steuerung und Lautsprecher verbaut. Dabei hat Christian Matern Exemplare gewählt, die den Korpus des Möbels als Resonanzkörper nutzen und einen hervorragenden Klang erzeugen.


Unsichtbar verschraubt

Bei dem Designermöbel sieht der Betrachter keine einzige Schraube. Dabei ist der Schrank zerlegbar. "Das Geheimnis sind spezielle Verbindungsbeschläge einer Schweizer Firma, die mit Hilfe eines Magnetantriebes unsichtbar verbunden und gelöst werden können", erklärt Christian Matern. Er ist übrigens der erste in ganz Deutschland, der diese Technik bei gebogenen Verbindungen angewandt hat. Mit Erfolg. Das Patent hält bombenfest. "Da wirken Kräfte von bis zu 200 Kilo" schwärmt der Schreinermeister.
Leicht ist das Prunkstück allerdings nicht. Der 2,10 Meter große, 1,10 Meter breite und 55 Zentimeter tiefe Schrank bringt satte 200 Kilo auf die Waage. Und billig ist die Sonderanfertigung, für die es aber bereits Bestellungen gibt auch nicht. Zwischen 10 000 und 13 000 Euro muss ein Interessent für diesen Hingucker schon ausgeben. Schließlich dient das Möbel der Repräsentation der edelsten Tropfen. Und Whisky ist zum Genießen", unterstreicht Christian Matern. Sein Ziel: Der Whisky-Schrank soll in das so genannte "Smart Home" (Siri, Alexa) eingebunden werden. "Daran arbeiten wir fieberhaft", bekennt der Whisky Fan. Er ist bundesweit der erste Produzent, der Einzelmöbel mit Sprachsteuerung kombiniert. Nachrüstbar!


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