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Wetter ärgert Pflanze und Bauer

Der Mix aus wechselhaften Temperaturen, viel Niederschlag und einer fehlenden Schneedecke strapazierte die Feldfrüchte in diesem Winter arg.
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Der Raps hat gelitten. Obwohl diese Pflanze eigentlich relativ robust ist, hat der Wettermix in diesem Winter auch ihr zugesetzt. Fotos: Marco Meißner
Der Raps hat gelitten. Obwohl diese Pflanze eigentlich relativ robust ist, hat der Wettermix in diesem Winter auch ihr zugesetzt. Fotos: Marco Meißner
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Marco Meissner

Mal Regen, mal Frost, dann wieder Sonne, wärmere Temperaturen und keine beständige Schneedecke - was im Herbst 2017 anfing, setzte sich über den Winter bis jetzt fort. Das Wetter spielt den Landwirten im Frankenwald überhaupt nicht in die Karten. Wenn der Haiger Gerd Zehnter die Felder abschreitet, sieht er überall Zeichen dafür, dass die Ackerpflanzen gelitten haben.
Den Bauern stellt sich in diesem Monat nicht nur ein Problem; es ist gleich eine ganze Reihe von Schwierigkeiten, mit denen sie sich herumschlagen müssen. "Schon die Aussaat im Herbst war fast ein Fiasko", blickt Zehnter auf viel Niederschlag seit der vergangenen Ernte zurück. Um die 720 Millimeter Regen pro Jahr werden ihm zufolge in unserer Gegend normalerweise registriert.
"Das ist ein ordentlicher Wert, bei dem die Pflanzen gut wachsen." Zum Vergleich: In Unterfranken spricht Zehnter von 450 bis 550 Millimeter in Trockenlagen, im oberen Frankenwald von über 1000 Millimeter. Heuer seien in unserer Region etwa 150 bis 180 Millimeter mehr gefallen. "Das ist schon einiges", so Zehnter.
Das hat die Arbeiten der Landwirte mit schwerem Gerät auf den tiefen Feldern enorm erschwert. An manchen Tagen war es nur stundenweise bei Frost möglich, mit den Traktoren auf die Äcker zu rollen. Vor allem bei den spät ausgesäten Feldfrüchten gab es Schwierigkeiten. Das ist soweit gegangen, dass die Landwirte sogar vereinzelte Flächen überhaupt nicht bestellen konnten. Eine Folge davon ist wiederum, dass sich so mancher Landwirte schon früher auf die bevorstehende Sommersaison einrichtet, wie Zehnter schildert. Das wirkt sich auf die kommende Aussaat aus, denn: "Die Sorte oder die Menge des Saatguts, das man möchte, ist nicht mehr unbedingt verfügbar." Die Nachfrage ist in einigen Fällen einfach schon zu hoch.


Kraftakt für die Pflanzen

Einigen Pflanzen, die jetzt bereits auf den Feldern stehen, ist derweil die ungünstige Witterung auf den ersten Blick anzusehen. Der Raps liegt am Boden, viele Blätter schimmern weiß statt grün. Beim Winterweizen haben sich die Laubblätter ins Schwarze verfärbt. Zehnter spricht von einer drohenden Ausdünnung des Bestands. "Wir wissen nicht, ob das Frühjahr ausreicht, dass der Weizen das noch einmal ausgleichen kann. Das kostet die Pflanze viel Kraft." Ein weiteres Beispiel ist der Raps. "Der hat bestimmt 30 bis 40 Prozent Blattmasse verloren." Die Blätter sind abgefroren und müssen nun neu gebildet werden. Der recht robuste Raps "ist in bestimmten Situationen empfindlich - und eine solche Situation haben wir heuer".
Ganz verteufeln will Zehnter zumindest den Frost nicht. Bei den sogenannten Zwischenfrüchten sei dieser für das erwünschte Abfrieren nötig. "Und der Winterweizen ist nicht nur stark gegen den Winter, sondern er braucht ihn sogar. Ohne Frost keine Ähre!"
Doch warum tun sich dann etliche Pflanzen in diesem Winter besonders schwer? Frost und Regen sind ja offenbar nicht allein die Gründe. Zehnter erklärt, dass es am Wetterwechsel liegt. "Die aus- und abgehenden Fröste sind das Problem", sagt der Haiger Landwirt. Weil es keine schützende Schneedecke gibt, ist das Erdreich morgens gefroren. Tagsüber erwärmt es sich jedoch wieder. "Dadurch hebt und senkt sich der Boden, die Haarwurzeln reißen ab und die Pflanzen trocknen aus."
Die Bauern können den Pflanzen durch Düngung helfen, sich vielleicht doch noch von dieser schwierigen Zeit zu erholen. So einfach ist das aber auch nicht. Zehnter schildert uns die Entnahme von Bodenproben, er erzählt von Berechnungen und viel Arbeit am Computer, ehe klar ist, wann wo wie viel Düngemittel ausgebracht werden dürfen. Diese Herangehensweise macht seiner Ansicht nach bestimmt Sinn, aber so ein "bürokratisches Monster" wie jetzt vorliegt, bedeute eine enorme Belastung.
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