Eyrichshof

Weshalb Uniwell Flagge zeigt

Die Hintergründe für den in der Bevölkerung umstrittenen Lager- und Hochregalbau sind für Ebern vielversprechend.
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Der Schlauch- und Rohrsystemhersteller Uniwell hat in Ebern große Pläne. Foto: Eckehard Kiesewetter
Der Schlauch- und Rohrsystemhersteller Uniwell hat in Ebern große Pläne. Foto: Eckehard Kiesewetter

Eckehard Kiesewetter Ebern — Die Erweiterungspläne der Uniwell-Holding im Gewerbegebiet Eyrichshof machen Schlagzeilen. Weniger wegen des expansiven Erfolgs der Firma, als wegen des Umfangs eines Neubaus, die das aktuell eher beschauliche Gewerbegebiet Eyrichshof in eine andere Dimension heben würde. Ähnlich wie bei der Firma Rösler in Memmelsdorf bekennt sich da ein florierendes Unternehmen zum Standort und lässt auf der grünen Wiese ein Industriezentrum entstehen.

Verlockend für eine Stadt wie Ebern mit ihrer schicksalhaften Abhängigkeit vom Wohl und Wehe beim großen Arbeitgeber Valeo - der Gewerbesteuereinbruch im Haushaltsjahr 2019 hat das eindrucksvoll gezeigt - andererseits ein gravierender Eingriff ins Orts- und Landschaftsbild. Und der ist im Falle Eyrichshofs mit seiner exponierten Hanglage und dem ortsbildprägenden und in seiner Strahlkraft unbedingt schützenswerten Schloss gewiss wesentlich heikler als im Fall Memmelsdorf.

Bürger planen Widerstand

Dementsprechend stoßen die Pläne der Unternehmerfamilie Fischer in der Eberner Bevölkerung auf harschen Protest. Eine Bürgerinitiative macht, wie gestern ausführlich berichtet, mit einer Unterschriftensammlung mobil. Sie strebt ein Bürgerbegehren an, wegen der gigantischen Ausmaße eines Hochregallagers (bis zu 227 Meter lang und 21 Meter hoch), welches das Uniwell-Areal nördlich der Stadtteile Eyrichshof und Specke erweitern soll. Und wegen des erwartbaren Zuwachses beim Lieferverkehr.

Dem gegenüber heißt es im Vorentwurf für die anstehende Änderung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet Eyrichshof: "Durch die geplante 4. Änderung entstehen für die umliegende Bevölkerung hinsichtlich Verkehrsbelastung, Lärm sowie Freizeit und Erholung keine zusätzlichen Störungen. Die Umweltauswirkungen werden als gering eingestuft." Das Lagergebäude werde weithin sichtbar sein, weshalb die "Beeinträchtigung des Landschaftsbildes als mittel eingestuft" wird, schreibt das Weidacher Büro König und Kühnel in seinem Umweltbericht, der als Grundlage für die behördlichen Entscheidungen dient; aber im direkten Umfeld des Bauvorhabens befänden sich keine Kulturgüter, so dass die Störung in dieser Hinsicht als "gering" eingestuft werde.

Investitionen bringen stets steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten mit sich. Daher wird sich der Erfolg des vor rund 30 Jahren von Hellmuth Fischer gegründeten Schlauchherstellers auf Eberns Finanzsituation zunächst wenig auswirken. Unmittelbar dagegen verbinden sich mit der Uniwell-Erweiterung Aussichten auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die Stadt und die Region.

Neue Märkte

Anders als in der Automobilbranche (Valeo) boomt das Geschäft im Kunststoffsektor, in dem der Landkreis Haßberge seine wirtschaftliche Zukunft sieht. Uniwell ist auch mit Rohrsystemen für Industrieanwendungen, für die Baubranche und mit Kabelschutzprodukten erfolgreich. Mit dem Einstieg ins Sanitärgeschäft eröffnen sich neue Geschäftsbereiche und Uniwell hat geschickt eingekauft.

Der Platzbedarf erklärt sich laut Änderungsentwurf für den Bebauungsplan "mit der Erweiterung des Produktionsprogramms und des Kundenstamms". Weil die Holding neue Märkte im Bereich Sanitär und Tiefbau bedient, steige der Bedarf an Flächen für Logistik und Lagerung. Dazu kam die Verlagerung des Bereichs Schlauchtechnik aus der Betriebsstätte der 2005 übernommenen Firma Unitube aus Etzbach (Westerwald) nach Ebern. Und aktuell zieht das Unternehmen die Schlauchfertigung des 2018 aufgekauften Produzenten Kottmann aus Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) in die Haßberge. Mit dem Erwerb konnte die Uniwell Holding ihre Kompetenzen im Sanitärbereich ausbauen und Patentrechte erwerben.

Bislang wurden hochempfindliche Schlauchsysteme von einer Produktionsstufe zur anderen quer durch Deutschland verfrachtet - ökologisch und unternehmerisch unsinnig. Zum 31. August erfolgt laut Firmenangaben aus Iserlohn die "vollständige Verlagerung an den Standort der alleinigen Gesellschafterin, der Firma Uniwell Rohrsysteme GmbH & Co KG im unterfränkischen Ebern."

110 Mitarbeiter in Iserlohn haben laut FT-Informationen ihre Kündigung erhalten, sofern sie sich nicht bereiterklärten, nach Unterfranken umzuziehen und in Ebern weiterzuarbeiten. Den Beschäftigten hat man dem Vernehmen nach eine Beteiligung an den Umzugskosten in Aussicht gestellt oder pauschale Abfindungen in Höhe von 3000 Euro angeboten. Laut FT-Informationen gibt es bei Unisan keinen Betriebsrat; es wurde kein Sozialplan abgeschlossen.

Umzug läuft

Des einen Leid, des anderen Freud: Was im Iserlohner Stadtteil Dröschede für einen Aufschrei sorgte, dürfte Ebern neue Arbeitsplätze bringen. Erste Montageautomaten wurden Angaben zufolge bereits nach Ebern verlagert und es gab in diesem Zusammenhang erste Neueinstellungen.

Laut Gebäude- und Haustechnikportal IKZ.de "folgt die Zusammenlegung der Schwesterunternehmen an dem Standort in Bayern, wo noch freie Raumkapazitäten vorhanden sind, während in Dröschede die Räumlichkeiten gekündigt wurden."

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