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Kronach

Wertvolles Kulturgut gerettet

Bei landwirtschaftlichen Arbeiten beschädigte Andreas Angermeier seine eigene Marter schwer. Das aus dem Jahr 1740 stammende Flurdenkmal wurde ein Jahr später wieder aufgerichtet.
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Die Marter war in viele Teile zerbrochen.  Fotos: Archiv Roland Graf
Die Marter war in viele Teile zerbrochen. Fotos: Archiv Roland Graf
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Die landwirtschaftlichen Maschinen werden immer größer, mit denen heute die Bauern ihre Felder bestellen. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass beim Arbeitseinsatz unbeabsichtigt schwere Schäden an den im Umfeld befindlichen Flurdenkmälern verursacht werden. Eine der betroffenen Martern steht an der Verbindungsstraße von Grössau nach Posseck, an der Gemarkungsgrenze der beiden Gemeinden.

Für den Marternbesitzer Andreas Angermeier aus Grössau war es ein großer Schrecken, als er feststellen musste, welches Missgeschick ihm im August 1993 passiert war. Den Anstoß am Stein habe er nicht bemerkt, als er beim Wenden seines Gefährtes die eigene Marter zum Einsturz brachte. Nun lag sie schwer beschädigt und in etliche Einzelteile zerbrochen am Boden.

Kurze Zeit später bemerkte der Verfasser dieses Berichtes anlässlich einer Flurdenkmal-Kontrollfahrt den schmerzlichen Schaden und suchte um eine Wiederherstellung bemüht, im Gespräch mit dem Besitzer eine Lösung herbeizuführen. Dabei bekundete dieser, dass er sich um eine Restaurierung seiner Marter und deren Aufstellung am alten Standort selbst kümmern würde. Angebotene Hilfe wollte er nicht in Anspruch nehmen, sondern selbst alles in die Wege leiten. Er kenne einen Mann vom Fach, der die Arbeiten ausführen werde.

Bei diesem religiösen Denkmal handelt es sich um ein volkskundlich und künstlerisch wertvolles Stück aus dem Jahre 1750.

Wenige Martern dieser Art

Insgesamt gibt es im Landkreis nur wenige Sandsteinmartern dieser Art mit einem gewundenen, sich nach oben hin verjüngenden barocken Säulenschaft, der mit Trauben verziert ist. Er schließt ab mit einem jonischen Kapitell mit ausgeprägten Voluten. Sockel und Aufsatz sind zudem reich mit Akanthusblättern ausgestattet und umranken die im Aufsatz dargestellten Heiligenszenen, die Heilige Familie, die Krönung Mariens, die heilige Barbara und den heiligen Petrus. Eine Inschrift am Sockel nennt auch den Stifter: "Johanneß Fehn Schultheiß in Grössau Anno 1750". Zudem ließ der Stifter sein Hauszeichen vom Steinmetz einmeißeln.

Entstehungsgeschichte

Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte der Marter, die sich bis heute erhalten hat und im heimatkundlichen Jahrbuch des Landkreises Kronach 1/1974 niedergeschrieben steht:

"Auf dem angrenzenden Acker eggte ein Bauer mit seinem Knecht den kargen Boden. Für diese leichte Arbeit hatte man extra die Jungtiere vor die Egge gespannt, um sie ans Arbeiten und an die Kommandos zu gewöhnen. Durch eine Schar auffliegender Krähen scheuten die Tiere und gingen durch.

Der Knecht versuchte, das Gespann aufzuhalten. Dabei wurde er von der schleudernden Egge erfasst und von den spitzen Eisenzähnen übel zugerichtet."

Aus Dankbarkeit, dass der Knecht mit dem Leben davonkam, ließ der Bauer dieses religiöse Zeichen setzen.

Der Schaden, der durch das Missgeschick geschehen war, war ein knappes Jahr später behoben. Als sichtbares Zeichen dafür, dass Andreas Angermeier seine Zusage in die Tat umgesetzt hat, steht die Barockmarter seit Sommer 1994 wieder in voller Größe und Pracht an ihrem angestammten Platz, wofür ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde.