Herzogenaurach

Wertvolle Archivalien kehren heim

Im Staatsarchiv lagerten Unterlagen aus Haundorf. Diese Papiere gingen jetzt ans Herzogenauracher Stadtarchiv.
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Archiv-Oberrat Johannes Haslauer vom Bamberger Staatsarchiv, Bürgermeister German Hacker, Irene Lederer, Leiterin Stadtarchiv Herzogenaurach, und ihr Stellvertreter Christian Hoyer (v. l.) schauen sich die wertvollen Archivalien an, die jetzt wieder im Stadtarchiv aufbewahrt werden.
Archiv-Oberrat Johannes Haslauer vom Bamberger Staatsarchiv, Bürgermeister German Hacker, Irene Lederer, Leiterin Stadtarchiv Herzogenaurach, und ihr Stellvertreter Christian Hoyer (v. l.) schauen sich die wertvollen Archivalien an, die jetzt wieder im Stadtarchiv aufbewahrt werden.

Als "Gedächtnis der Stadt" bewahrt das Herzogenauracher Stadtarchiv alle stadtgeschichtlich wichtigen Unterlagen, wie Urkunden, Rechnungen, Amtsbücher und Akten. Dazu zählt auch eine umfangreiche Sammlung von Karten und Plänen, Zeitungen, Büchern, Fotos, Filmen, Tonaufnahmen sowie Firmen- und Vereinsunterlagen. Auch Schriftgut aus den heutigen Ortsteilen wird im Archiv verwahrt.

Nach Verhandlungen mit dem Staatsarchiv ist es nun gelungen, die in Bamberg zwischengelagerten Haundorfer Archivalien zurückzuholen. Mit größter Spannung erwarteten die Archivverantwortlichen die Neuzugänge, die mit Sicherheit noch einige Geheimnisse um den Ort lüften werden.

Der Stellvertretende Leiter des Staatsarchivs Bamberg, Josef Haslauer, brachte die Unterlagen am Dienstag persönlich nach Herzogenaurach und übergab sie Bürgermeister German Hacker.

Seit der Eingemeindung Haundorfs am 1. Januar 1974 ist das Stadtarchiv Herzogenaurach offiziell für die Überlieferung der ehemals selbstständigen Gemeinde zuständig. Bereits in den 1970er Jahren konnte die Stadt Herzogenaurach etwa acht laufende Meter Schriftgut übernehmen.

Bemerkenswerte Ereignisse

Neben den vorwiegend aus dem 20. Jahrhundert stammenden Verwaltungsunterlagen waren darunter auch Haundorfer Gemeinderechnungen aus den Jahren 1739 bis 1802. Auch eine umfangreiche Ortschronik von Haundorf, die der Gemeindeschreiber Paul Kirmis 1958 verfasst hatte, fand damals den Weg ins Stadtarchiv. Darin festgehalten wurden neben wichtigen Daten zur Ortsgeschichte auch bemerkenswerte Ereignisse.

Ob Haundorf 1334 oder 1414 erstmals urkundlich erwähnt wurde, darüber gibt es einen Historikerstreit. Flurverfassung und Dorfform als ursprüngliche Hufenanlage lassen auf eine Gründung des Ortes spätestens im 12. Jahrhundert schließen.

Der Personenname Hawo könnte Pate gestanden haben für den Ortsnamen - oder ist Haundorf einfach das am alten Rennweg der reitenden Boten höher gelegene Pendant zum an der Aurach gelegenen Nachbarn Niederndorf?

Im 14. und 15. Jahrhundert war der Ort gänzlich an Nürnberger Geschlechter zu Lehen gegeben. Durch Heimfall konnte das Hochstift bis 1803 einen Großteil wieder an sich ziehen. Da bambergische und Nürnberger Untertanen ansässig waren, ergab es sich, dass gleich zwei Bürgermeister gewählt werden mussten.

Der Viehzucht, vor allem von Schweinen, kam in früheren Zeiten große Bedeutung zu. Die Haundorf damals umgebenden Laubwälder boten genügend Nahrung zur Eichelmast.

Die Eichen aus Haundorf waren auch ein begehrtes Handelsgut. Mehrfach finden in den Akten des 18. Jahrhunderts uralte Eichen Erwähnung, die in Brand gerieten.

Immer katholisch

Kirchlich gehörte Haundorf stets zu Herzogenaurach. Neben einer Kapelle im Ort konnte 1936 eine eigene katholische Kirche errichtet werden, ein eigenes Schulhaus war bereits 1923 entstanden.

Sogar über ein Mini-Krankenhaus verfügte die selbstständige Gemeinde, die Krankenstube wird 1897 erwähnt und war im Gemeindehaus untergebracht. Exakt 24 Häuser und 187 Seelen zählte Haundorf 1833, bis 1970 war die Einwohnerzahl Haundorfs, zusammen mit dem Ortsteil Beutelsdorf, auf 428 angestiegen.

Wohl schon vor dem Ersten Weltkrieg hatten die Gemeindeältesten des kleinen Ortes beschlossen, den Großteil der noch vorhandenen Altbestände in professionelle Hände abzugeben. Ein Teil der schriftlichen Überlieferung wanderte als sogenanntes Depositum an das zuständige königliche Kreisarchiv in Bamberg.

Es handelt sich um 108 Rechnungen im Schmalfolioformat sowie ein Bündel mit losen Schriftstücken einschließlich einer Pergamenturkunde - allesamt aus dem 18. Jahrhundert.

In Sicherheit

Wahrscheinlich würde sonst heute alles nicht mehr existieren, denn ein Gemeindearchiv gab es nicht, der vielfach wechselnde Bürgermeister hatte die gemeindlichen Unterlagen in seiner Obhut. red

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