LKR Haßberge

Wer macht im Notfall die Tür auf?

Wenn's brennt, ist klar, wer kommt: die Feuerwehr. Mancher Einsatz entpuppt sich aber als Fehlalarm. Oder es ist unklar, wer zuständig ist und wer bezahlt, etwa bei einigen Hausnotrufen. Doch steht freilich immer die Rettung an erster Stelle.
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Türe öffnen mit dem Taschenmesser: Das können wirklich nur Ausnahmetalente. Die Feuerwehr bedient sich besserer Werkzeuge, etwa um den Schließzylinder aufzubohren. Bei dem obigen Foto handelt es sich um ein Symbolbild der Redaktion. Foto: Teresa Hirschberg
Türe öffnen mit dem Taschenmesser: Das können wirklich nur Ausnahmetalente. Die Feuerwehr bedient sich besserer Werkzeuge, etwa um den Schließzylinder aufzubohren. Bei dem obigen Foto handelt es sich um ein Symbolbild der Redaktion. Foto: Teresa Hirschberg

Andreas Lösch Sie sind immer bereit, rund um die Uhr. Feuerwehrleute übernehmen einen beträchtlichen Teil an Verantwortung für die Gesellschaft. Während andere das Wochenende genießen oder mitten in der Nacht nicht im Traum daran denken, aus dem Bett zu steigen, kann sich der gemeine Bürger sicher sein: Im Notfall sind sie da.

Selbstverständlich ist das nicht. Und deswegen sollte die Feuerwehr eigentlich nur ausrücken müssen, wenn wirklich etwas passiert ist oder keine andere Möglichkeit besteht, ein Problem zu lösen. Wie der Kommandant der Feuerwehr Eltmann, Uwe Hümmer, dem Fränkischen Tag auf Nachfrage erklärt, kommt es immer wieder vor, dass die Feuerwehr einen Einsatz fährt, der sich als Fehlalarm entpuppt. Oder sie werden zu Hausnotrufen geholt, um Türen zu öffnen. Klar sei dabei, sagt Hümmer, dass bei einem Hausnotruf freilich die Person in Not Vorrang hat und die Feuerwehr die Tür immer öffnen wird, um zu helfen. Jedoch gebe es in dem Bereich andere Lösungen, die von einigen Anbietern auch praktiziert werden. So haben einige Pflegedienste und Hausnotrufanbieter im Kreis Haßberge einen Zweitschlüssel zur Wohnung der zu betreuenden Person.

"Türöffnung akut"

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Das ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll, erklärt Hümmer: Die Feuerwehr wird von der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS) alarmiert, dann heißt es "Türöffnung akut". Die Feuerleute in Bereitschaft rücken aus. Die Wohnungstüre können sie aber nur öffnen, wenn in der Wohnung jemand um Hilfe ruft. Ansonsten muss die Polizei hinzugezogen werden, damit die Türöffnung rechtlich abgesichert ist. Mit einem Ersatzschlüssel zur Wohnung wäre der Hausnotrufdienst schon längst bei der Person in Not. Dann geht es laut Hümmer auch darum, dass der Einsatz der Rettungskräfte zeit- und kostenintensiv ist. Wer bezahlt?

Es sei nicht immer klar geregelt. Jedenfalls, so handhabe es die Eltmanner Feuerwehr, handle man nach dem "Goodwill-Prinzip". Das heißt, wenn etwa eine Rentnerin in Not nun auch noch eine mehrere hundert Euro teure Rechnung bekommen müsste (was rechtlich in Ordnung ist, da die Türöffnung im Interesse der Notfallpatientin geschah), sagt die Eltmanner Feuerwehr, dass sie die Kosten selbst übernimmt (sprich: die Kommune).

Mittlerweile verfüge die Feuerwehr zwar über gute Möglichkeiten, die Türen ohne großen Schaden zu öffnen (meistens muss hinterher nur der Stiftzylinder des Schlosses getauscht werden, früher wurden die Türen oft beschädigt), dennoch ist es laut Hümmer sinnvoll, im Bereich Hausnotrufe die Anbieter in die Verantwortung zu nehmen und ihnen die Verwahrung eines Zweitschlüssels nahezulegen.

Zeit und Kosten sparen

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Das vermeide zusätzliche Einsätze der Feuerwehr, die ohnehin das Problem hat, genügend Leute dauerhaft bereitzustellen: Viele berufstätige Feuerwehrmänner- und Frauen müssen das gegenüber ihrem Arbeitgeber rechtfertigen, der sie zwar freistellt, aber bei häufigen Ausfällen missmutig werden kann. Dazu tragen auch Fehlalarme von Brandmeldeanlagen bei, wie Hümmer weiter erklärt.

Immerhin sei hier die Kostenfrage mittlerweile einfacher geregelt, die Betreiber bezahlen, wenn die Feuerwehr zum vermeintlichen Brand ausgerückt ist. Wenn eine Brandmeldeanlage auslöst und etwa direkt mit der ILS verbunden ist, heißt das für die Einsatzkräfte "offenes Feuer", dann rückt ein ganzer Zug mit 28 Feuerwehrleuten aus, inklusive drei Fahrzeugen. Ein großer Aufwand für letztlich: nichts. Zum Glück sei es so, sagt Hümmer, dass Fehlalarme nicht allzu häufig vorkommen. "Noch haben wir es im Griff."

Das bestätigt auch die ILS in Schweinfurt. "Besonders auffällig sind Türöffnungen und Fehlalarme etwa durch Brandmeldeanlagen im Landkreis Haßberge nicht", sagt deren Leiter Thomas Schlereth. Und Kreisbrandinspektor Peter Pfaff erklärt, dass das Thema Fehlalarme und Notruf bei den Feuerwehren und Sicherheitskräften diese Tage genauer beleuchtet wird, auch, um einen objektiven Eindruck zu gewinnen über Häufigkeit und Handlungsstrategien vor, bei und nach einer Alarmierung. Aus diesem Grund treffen sich Verantwortliche der Feuerwehren im Kreis Haßberge sowie Vertreter der Polizei am morgigen Donnerstag um 18.30 Uhr in Zeil im Rudolf-Winkler-Haus. Zusammen mit Experten sollen die Themen genauer betrachtet und besprochen werden.



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