Staatsbad Brückenau

Wer darf aufs Autobahnschild?

Das Fahrradmuseum im Staatsbad Brückenau führt ein Schattendasein. Es auf einem braunen Werbeschild an der A 7 bekannter zu machen, ist problematischer, als man glaubt.
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Kein Platz fürs Fahrradmuseum? Das braune Schild an der Rhönautobahn verweist nur allgemein auf das Staatsbad. Foto: Steffen Standke
Kein Platz fürs Fahrradmuseum? Das braune Schild an der Rhönautobahn verweist nur allgemein auf das Staatsbad. Foto: Steffen Standke

Steffen Standke Zwischen 6000 und 8000 Menschen: So viele besuchen das Deutsche Fahrradmuseum im Staatsbad Brückenau laut seinem Betreiber Ivan Sojc jedes Jahr. Oder so wenig? Das Museum in der alten Villa Füglein - denkt nicht nur Sojc - müsste bekannter werden. Ein touristisches Schild an der A 7, das Vorbeifahrende von der Autobahn herunterlockt, wäre eine tolle Idee. Aber eine schwierig umzusetzende.

Ivan Sojc weiß es aus eigener Erfahrung: "Wenn ich an der Autobahn ein interessantes Schild sehe, fahre ich auch mal raus." Auf seinen Reisen durch Deutschland sieht er viele der braun hinterlegten Tafeln, die auf Landschaften, historische Städte, Museen und andere Sehenswürdigkeiten hinweisen. Manchmal, sagt Sojc, seien die angepriesenen Orte den Hinweis aber nicht wert.

Schilder veraltet

Bei Staatsbad und Fahrradmuseum denkt Sojc das natürlich nicht. Mit dem von König Ludwig I in Auftrag gegebenen Ensemble und der Technikschau könne man wuchern. Doch die vorhandenen Schilder mit der Aufschrift "Bayerisches Staatsbad Bad Brückenau" und der baumumrahmten Silhouette des Kursaalgebäudes findet der Fahrradfan zu unkonkret. "Darunter kann man sich nichts vorstellen." Außerdem seien die Autobahnschilder veraltet. Die Bäume existierten längst nicht mehr.

Ivan Sojc würde sich neue Schilder wünschen - mit mehr Inhalt. Und am liebsten einem Hinweis auf das Fahrradmuseum. "Wenn nur ein Zehntausendstel der Leute, die auf dieser Hauptachse zwischen Nord und Süd entlangkommen, herunterfahren würden: Dann wäre viel gewonnen."

Versuche, das Fahrradmuseum auf ein Autobahnschild zu bringen, gab es schon. Seit acht Jahren darf der Volkersberg mit so etwas für sich werben. Mit der Bildungsstätte sei man sich einig gewesen, berichtet Sojc heute. Doch die Autobahndirektion Nordbayern habe ein gemeinsames Schild nicht zugelassen. Das Problem: Staatsbad und Stadt Bad Brückenau (wozu Volkers gehört) seien zwei verschiedene Orte. Und pro Ort dürfe es nur ein touristisches Schild geben. Fürs Staatsbad steht seit Jahren schon eins.

Laut Richtlinie für touristische Beschilderung (RtB) dürfen "vor Anschlussstellen bis zu vier touristische Unterrichtungstafeln stehen, wenn es die örtlichen und verkehrlichen Verhältnisse (zum Beispiel die wegweisende Beschilderung) zulassen", teilt Maria Schraml, Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern in Nürnberg, auf Anfrage mit.

Zwischen den Anschlussstellen Bad Brückenau-Volkers, Bad Brückenau-Wildflecken und

Bad Kissingen-Oberthulba befinden sich nach ihren Angaben in beiden Fahrtrichtungen insgesamt sieben dieser Tafeln, aber in keinem dieser Streckenabschnitte mehr als zwei.

Ein weiteres Schild wäre generell möglich, "sofern dies mit den Regelungen der RtB vereinbar ist", heißt es weiter. "Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass für einen Ort nicht mehrere Unterrichtungstafeln möglich sind", bestätigt Schraml die Aussagen von Ivan Sojc im Wesentlichen. Bleibt dem Museumsbetreiber wohl nur, auf eine neue Tafel für das Staatsbad zu hoffen.

"Im Moment haben wir ein neues Schild nicht im Haushalt drin", sagt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer auf Nachfrage. Motiv und Beschriftung der bestehenden Tafel passten ja noch. Nur die Tannen wurden zwischenzeitlich gefällt. Für die Staatsbad-Chefin stehen sie aber auch "ein bisschen für die Rhön".

Mehrere Kandidaten

Die Kurverwaltung war laut Schallenkammer um das Jahr 2000 herum die erste Institution, die solch ein braunes Schild am Brückenauer Abschnitt der Rhönautobahn aufstellen ließ. Wenn man es erneuere, müsse man "reiflich überlegen", wen man mit drauf nehme. Das Fahrradmuseum, das Bayerische Kammerorchester, die katholische und evangelische Kirche im Staatsbad - da gebe es einige Kandidaten. Allerdings sei solch ein Schild nicht billig.

Genauer gesagt rund 15 000 Euro für zwei Tafeln, in jede Fahrtrichtung eine, teilt Maria Schraml mit. Diese Kosten habe laut Straßenverkehrsordnung der Antragsteller zu tragen. Ivan Sojc würde sich freuen, wenn Gespräche mit der Kurverwaltung über ein neues Werbeschild an der Autobahn zustande kämen. "Wir können uns gerne mal treffen, einen Gedankenaustausch machen."

Übrigens: An der A 71 bei Bad Neustadt stehen Schilder, auf denen als Wahrzeichen das mittelalterliche Hohntor und das Rhön-Klinikum im Stadtteil Herschfeld einträchtig abgebildet sind. Es geht also....

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