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Kulmbach
Bauerndemonstration

"Wenn sich im Land nichts tut, bekommt die Politik keine Ruhe vor uns"

Gemeinsam sind wir eine Macht, dachten sich Deutschlands Bauern und starteten am Dienstag eine Riesenaktion in Berlin. In der Hoffnung, dass sie mit ihren Forderungen bei den Politikern Gehör finden. ...
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Sie waren die oberfränkischen Mitorganisatoren für die Demonstration der Landwirte in Berlin: Stefanie Will aus Bindlach, Florian Böhner aus Hummeltal und Martin Schamel aus Mistelgau (von links). Foto: Horst Wunner
Sie waren die oberfränkischen Mitorganisatoren für die Demonstration der Landwirte in Berlin: Stefanie Will aus Bindlach, Florian Böhner aus Hummeltal und Martin Schamel aus Mistelgau (von links). Foto: Horst Wunner

Gemeinsam sind wir eine Macht, dachten sich Deutschlands Bauern und starteten am Dienstag eine Riesenaktion in Berlin. In der Hoffnung, dass sie mit ihren Forderungen bei den Politikern Gehör finden.

Die Solidarität unter ihnen ist groß. Etwa 8000 Traktoren machten sich auf den weiten Weg in die Bundeshauptstadt, circa 13 000 Landwirte standen rund um das Brandenburger Tor, um für bessere Bedingungen und das Überleben ihres Berufsstandes zu demonstrieren. Es war ein imponierendes Bild, in welcher Dichte sich die schweren Fahrzeuge an diesem geschichtsträchtigen Ort aneinander reihten und die Straße des 17. Juni über die Siegessäule und die Seitenwege hinaus füllten. Die Gesamtlänge betrug nach den Schätzungen rund elf Kilometer.

Mitten im Geschehen dabei waren auch die Oberfranken, die schon vor vier Wochen in Bayreuth mit ihren Bulldogs für Furore gesorgt hatten. Und jetzt Berlin, wo acht Busse aus allen sieben Kreisen des Regierungsbezirkes und der angrenzenden Oberpfalz mit knapp 500 Leuten und zusätzlich 200 Traktorfahrern dabei sein wollten.

Nachwuchs soll Chance haben

Ganz vorne stand da Mitorganisatorin Stefanie Will aus Bindlach, die mit Zuchtschweinen arbeitet und zur freien Gruppierung "LsV" gehört, was "Land schafft Verbindung" heißt. Die couragierte, 33-jährige Mutter von zwei Kindern setzt sich voll ein, "wir haben 1923 ausgesiedelt, können bald auf ein Jahrhundert bäuerlicher Familientradition in sechster Generation zurück blicken. Ich will, dass unser Nachwuchs eine Chance hat".

Man müsse für seine Erzeugnisse mehr Geld bekommen und dadurch unabhängiger vom Staat, von den Subvention werden. Die Meinung an der Basis sollte stärker in die Überlegungen der Politik und des Bauernverbandes einfließen, "wir haben von LsV dafür extra einen Forderungskatalog aufgestellt". Stefanie Will zeigte sich ganz begeistert von der Berliner Aktion, "ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen dafür ihre Arbeitszeit opfern". Und schaut noch hoffnungsvoll in die Zukunft, es sei genug Potenzial für weitere Demonstrationen vorhanden. "Wenn sich im Land nichts tut, bekommt die Politik keine Ruhe vor uns, wir machen weiter bis die berechtigten Forderungen erfüllt sind".

Der junge Vollerwerbslandwirt Horst Hacker aus Dreschenau (Gemeinde Neudrossenfeld), einer von zahlreichen Teilnehmern aus dem Landkreis Kulmbach, ist ebenso dabei und schon kampferprobt. "Vor zehn Jahren habe ich bereits meinen Traktor 1600 Kilometer nach Brüssel und zurück gesteuert für einen besseren Milchpreis." Ein bisschen geholfen hätten diese und weitere solche Aktionen schon. "Ich glaube, dass die Auftritte in Bayreuth und nun in Berlin zum Umdenken beitragen." Immer mehr Bürokratie und und die verschärfte Düngeordnung machten den Landwirten das Leben schwer, dazu komme noch das Schimpfen auf den Bauernstand. Er sei optimistisch, dass man endlich gehört werde. "Wenn nicht, geht's weiter."

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