Theresa Körner, Absolventin der Universität Bamberg, ist für den ARD/ZDF-Förderpreis "Frauen + Medientechnologie" 2018 nominiert. Sie wurde als eine von zehn jungen Wissenschaftlerinnen aus ganz Deutschland ernannt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Förderpreises stammt eine Nominierte von der Otto-Friedrich-Universität. Am 15. Juli entscheidet die Jury, ob sie mit ihrer Masterarbeit "Automatisierter Journalismus. Wo steht er heute und was wissen die Leser?" zu den Preisträgerinnen gehört. Im Interview berichtet sie, was sie in ihrer Arbeit herausgefunden hat.

Ein Beispiel für automatisierten Journalismus ist der Wetterbericht, der von Robotern generiert wird, oder?
Theresa Körner: Ja, automatisierter Journalismus bedeutet, dass Algorithmen - also umgangssprachlich Roboter - Texte schreiben. Angefangen haben Programmierer mit Lückentexten. Algorithmen fügen in Texten, die vom Aufbau her immer gleich sind, selbstständig Zahlen oder Fakten ein. Das funktioniert ganz gut beim Wetterbericht, bei Börsenberichten oder Sportberichten. Mittlerweile sind die Algorithmen aber viel komplexer und können zum Beispiel eigene Sätze bilden. Es gibt Studien, in denen Lesern verschiedene Texte vorgelegt wurden. Sie konnten nicht mehr unterscheiden, welche von Journalisten und welche von Computern geschrieben wurden.

Das klingt, als ob die Entwicklung schon ziemlich weit ist. Heißt das, Journalisten müssen irgendwann um ihren Job fürchten?
Positiv formuliert würde ich sagen: Es wird immer Leute geben, die die Algorithmen trainieren und programmieren müssen. Man muss ihnen zum Beispiel beibringen, ob mit "Ball" ein Fußball oder ein Opernball gemeint ist. Außerdem rechnen Zukunftsforscher damit, dass sich Computer und Menschen ergänzen: Ein Algorithmus liefert einen Text über eine Erdbebenwarnung mit allen Fakten und ein Journalist reichert den Text mit einem Zitat oder Hintergrundinformationen an.

Journalisten werden also in ihrer Arbeit unterstützt?
Wie die Unterstützung genau aussieht, weiß man noch nicht. Routinetexte, wie Wetterberichte und Verkehrsmeldungen, müssen Journalisten wahrscheinlich nicht mehr schreiben. Inwieweit sich die Arbeitsbedingungen genau verändern, wird die Zukunft zeigen.

In Ihrer Arbeit geht es auch darum, was die Leser über automatisierten Journalismus wissen. Was haben Sie herausgefunden?
Darum geht es im zweiten Teil meiner Masterarbeit: Wie finden die Leser diese Entwicklung? Dafür müssten sie natürlich etwas darüber wissen. Deswegen habe ich in Datenbanken recherchiert, wie oft über automatisierten Journalismus, Roboterjournalismus oder algorithmisierten Journalismus in den letzten drei Jahren berichtet wurde.

Was war das Ergebnis?
Ich habe die fünf Zeitungen "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit", "Nürnberger Nachrichten" und "Fränkischer Tag" untersucht. Sie haben alle sehr wenig über das Thema berichtet. Der "Fränkische Tag" hat zum Beispiel noch gar keinen der Begriffe verwendet. Und nach der Datenbankrecherche habe ich eine Erhebung unter 22 Studenten der Kommunikationswissenschaft gemacht. Ich dachte mir, wenn, dann müssten sie schon von dem Thema gehört haben ...

... weil sie sich mit aktuellen Medien-Entwicklungen beschäftigen.
Genau. Und von allen Befragten wusste einer, was das ist. Das Hauptaugenmerk meiner Arbeit lag aber darauf, automatisierten Journalismus zu beschreiben. Ich habe zum Beispiel Studienergebnisse gefunden, die belegen, dass Leser den Text von einer Maschine glaubwürdiger finden als den Text von einem Menschen.

Weil er objektiver wirkt?
Ja, es gibt sogar ein paar Experten, die der Meinung sind, dass automatisierter Journalismus gegen "Fake News" helfen könnte. Deswegen finde ich das Thema so spannend. Ich darf jetzt glücklicherweise bei Prof. Markus Behmer an der Universität Bamberg auch dazu promovieren.
Das Gespräch führte
Patricia Achter