Höchstadt a. d. Aisch

Wenn Pflege eine Berufung ist

"Mir gefällt mein Beruf." Diesen Satz aus dem Mund einer Pflegekraft zu hören, klingt für viele ungewöhnlich. Ein Tag mit der Pflegehelferin Carmen D'Aniello im Vitanas Seniorenzentrum St. Anna zeigt auch die schönen Seiten des Berufs.
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Carmen D'Aniello gefällt ihr Beruf als Altenpflegehelferin. Neben dem morgendlichen Waschen, gibt es auch manchmal eine Maniküre, bei der ausgiebig mit den Bewohnern geplaudert wird. Foto: Theresa Schiffl
Carmen D'Aniello gefällt ihr Beruf als Altenpflegehelferin. Neben dem morgendlichen Waschen, gibt es auch manchmal eine Maniküre, bei der ausgiebig mit den Bewohnern geplaudert wird. Foto: Theresa Schiffl

Theresa schiffl In der Pflege will kaum jemand arbeiten. Auch Azubis machen oft einen großen Bogen um den Ausbildungsberuf Altenpfleger. Stress, zu wenig Geld, Schicht- und Nachtdienst, geringe gesellschaftliche Anerkennung: Das sind nur ein paar Gründe, die viele abschrecken. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen wie Carmen D'Aniello, die hier ihre wahre Berufung finden.

Ein Tag mit ihr im Vitanas Seniorencentrum St. Anna in Höchstadt zeigt, warum sie ihren Beruf so gerne macht. Carmen D'Aniello ist gerade mit einer Bewohnerin im Bad. Die kleine Waschwanne, Waschlappen und Handtücher hat sie schon vorbereitet. Sie macht den Waschlappen nass und sagt zu der Seniorin: "Einmal mit der Hand in den Waschlappen schlüpfen und dann können Sie sich auch schon ihr Gesicht waschen." Diese sieht sie mit müdem Blick an und beginnt langsam ihre Hände zu waschen. "Haben Sie nicht gut geschlafen?", fragt die Pflegehelferin weiter.

Als Antwort bekommt sie ein Brummen und ein kleines Nicken der älteren Dame. Soweit es geht, lässt sie die Bewohnerin sich selbst reinigen und hilft, wenn es notwendig ist.

Ungefähr fünf Bewohner wäscht D'Aniello während ihrer Schicht. Das ist vom Pflegeschüssel und den Pflegegraden abhängig, durch die sich die Anzahl an Pflegekräften auf der Station ergibt. Dafür haben die Pfleger jedoch bis um zwölf Uhr Zeit, da es auch einige Langschläfer gibt.

Die Kollegen helfen sich auch untereinander. Sabrina Sillner fragt: "Kannst du mir kurz helfen? Herrn K. geht es heute nicht so gut, da möchte ich ihn nicht alleine waschen." Ein paar Minuten später stehen die beiden Pflegerinnen bei dem Senior am Bett. "Herr K.? Wir wollen sie jetzt etwas frisch machen. Sie müssen aber keine Angst haben", sagt Sillner beruhigend und streichelt ihm über die Wange. Um die Bewohner während des Waschvorgangs nicht zu erschrecken, erklären die Pflegekräfte immer, was als nächstes kommt. Behutsam beginnen die Pflegerinnen, den Oberkörper des noch sehr schläfrigen Mannes zu waschen. Er scheint heute etwas Schmerzen zu haben. Immer wieder müssen sie ihre Arbeit unterbrechen, da der Bewohner verkrampft. Im Anschluss hilft Sabrina Sillner ihrer Kollegin noch mit weiteren Bewohnern. Die Pflegekräfte unterstützen sich gegenseitig und machen auch immer wieder einen Spaß.

Beruf ist mehr als Körperpflege

Auch an die unappetitlicheren Momente gewöhne man sich schnell und diese machen den Beruf nicht aus, sagt Carmen D'Aniello, während sie die Waschschale für die nächste Bewohnerin vorbereitet. "Ich bin seit zweieinhalb Jahren hier und möchte die Zeit auf gar keinen Fall missen", sagt sie während sie der Seniorin ihr Nachthemd auszieht. Die junge Frau kommt ursprünglich aus der Gastronomie. "Mir gefällt mein Beruf so sehr, dass ich jetzt sogar die Weiterbildung zur Fachkraft mache", erzählt die dreifache Mutter mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie kann sich keinen anderen Beruf vorstellen.

Wenn sie einen Bewohner zum Frühstück gebracht hat oder eine Bewohnerin, die heute sehr traurig und weinerlich ist, wieder etwas aufmuntern konnte, muss sie auch meistens lachen. "Ach, die sind so lieb", sagt sie und verschwindet wieder in einem Zimmer, wo sie eine Frau beim Essen eines hochkalorischen Joghurts unterstützt. "Der hat viele Kalorien. So etwas geben wir Bewohnern die nicht mehr so gut essen können." Sie erzählt, dass die Frau seit einer Woche sehr stark abgebaut habe. Das komme öfters vor. "Manchmal wird es dann auch wieder besser. Aber das ist schon extrem, wie schnell sich das ändern kann."

Deshalb bleibt die Seniorin noch im Bett. Auch Leute, die fit sind und nicht aufstehen wollen, dürfen noch länger im Bett bleiben. "Wir arbeiten nach dem Leitbild von Erwin Böhm. Wenn jemand nicht aufstehen oder sich heute einmal nicht waschen lassen will, dann ist das eben so", erklärt die Pflegehelferin.

Nach einer kurzen Pause gegen 10 Uhr geht es dann auch schon wieder weiter. Gerade ist D'Aniello bei einer Bewohnerin, die ihre Katze mit im Heim dabei hat. "Hier sind alle ganz lieb", sagt die Seniorin, die selbst für 20 Jahre in der Pflege gearbeitet hat. "Damals gab es noch nicht so tolle höhenverstellbare Betten, oder?", fragt die Pflegerin. Die Seniorin lacht und erzählt, dass sie zu ihrer Zeit als Pflegerin sogar noch die Matratzen passend aufeinander legen mussten.

Organisatorisches ist ebenfalls Teil des Arbeitsalltags der Pflegekräfte, wie die Pflegewägen wieder auffüllen. Zusammen mit ihrer Kollegin Sillner füllt D'Aniello gerade die vier Wägen wieder mit Waschlappen und Einlagen auf. Aber auch Duschstühle und Hocker werden regelmäßig vom Pflegepersonal gereinigt und desinfiziert.

Dokumentation wichtig

Auch die Dokumentation müssen die Pflegekräfte erledigen: Darin tragen sie besondere Vorkommnisse, Zuckerwerte und den Blutdruck ein. Kurz vor dem Essen verteilt die examinierte Fachkraft Tabletten oder Tropfen und misst den Blutzuckerspiegel bei einigen Bewohnern.

Die Pflege- und die Betreuungskräfte helfen zu diesen Stoßzeiten zusammen. Bei einigen Bewohnern müssen die Pflegekräfte auch dabei unterstützen. "Schmeckt es Ihnen?", fragt D'Aniello den Bewohner, dem sie gerade hilft. Er nickt kurz und sie lächelt ihn an. Nach dem Mittagessen bringen die Pflegekräfte einige Bewohner für einen Mittagsschlaf ins Bett oder zu den Sesseln im Gang.Andere bleiben im Speisesaal, machen es sich auf dem Sofa gemütlich und schauen etwas fern. Für Carmen D'Aniello ist der Dienst um 14 Uhr zu Ende. Die Schichten seien in Ordnung, erzählen die Pflegekräfte während der Pause. Im St. Anna wird darauf geachtet, dass die Mitarbeiter jedes zweite Wochenende frei haben.

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