Bamberg

Wenn Natur Kunst wird

Die renommierte Künstlerin Joan Jonas stellt im Naturkundemuseum eine zentrale Arbeit aus.
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Joan Jonas: "In the Trees II (2018)" (Bildausschnitt aus der Videoinstallation)  Foto: Galerie Amanda Wilkinson/London
Joan Jonas: "In the Trees II (2018)" (Bildausschnitt aus der Videoinstallation) Foto: Galerie Amanda Wilkinson/London

Es ist eine beeindruckende Schau, die da in der Fleischstraße präsentiert wird: In Kooperation zwischen dem Naturkundemuseum Bamberg, dem Kunstverein Bamberg und der Galerie Amanda Wilkinson/London ist im Naturkundemuseum eine Arbeit der international renommierten Künstlerin Joan Jonas zu sehen. Jonas hat sich seit den 1970er Jahren als Videoperformance-Künstlerin einen Namen gemacht und ist mittlerweile als eine der weltweit bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation in den einschlägigen Museen weltweit vertreten.

Die Tate London hat ihr vergangenes Jahr eine umfassende Werkschau gewidmet. Im Anschluss daran sollte die Schau im Münchener Haus der Kunst gastieren, wurde jedoch seitens des Münchener Hauses aus diversen Gründen abgesagt. Bis zum 2. Juni ist Joan Jonas nun im Naturkundemuseum Bamberg zu sehen, das mit seinem natur- und kulturgeschichtlich bedeutenden historischen Vogelsaal einen wichtigen Kontext für die gezeigte Arbeit liefert.

Jonas hat während ihrer langen und einschlägigen Karriere eine einzigartige visuelle Sprache aufgebaut, die sie nutzt, um damit ein dringliches Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Sie widmet ihre neueren Arbeiten vermehrt der Frage, in welcher Beziehung die Menschen zu ihrer Umwelt und zu anderen Lebewesen stehen. Vor allem ist es die wachsende Sorge um die zunehmende Verwüstung des Planeten Erde, die sie betroffen macht.

Illusion und Spiegelung

Das Werk "In the Trees II" greift viele Schlüsselelemente ihrer künstlerischen Praxis auf. Sie arbeitet hier mit Illusion und Spiegelung; sie setzt Zeichnung sowohl an der Wand, in der Installation und der Videoperformance ein. Auch das Wischen, eine zentrale Reminiszenz ihrer frühen Videoarbeiten der 1970er Jahre ("Vertical Roll", 1972), findet sich wieder, wobei es nun an die Wischfunktion neuer Displays von Smartphone und ipad anknüpft. Jonas schafft ihre komplexen Bilderwelten in verblüffend einfacher Herangehensweise. Das erste Video entstand, indem sie einen rudimentären Performance-Raum einrichtete: Bewegtbilder von sich im Wind wiegendem Gras und Bäumen wurden auf eine vor der Wand hängende semitransparente Leinwand projiziert - das Projektionsbild verdoppelt sich, wenn die Performerin dazwischentritt, wobei sie ab und an einen hölzernen Vogel hält. In einer anderen Einstellung werden Zeichnungen von Bäumen über die Performerin projiziert oder man sieht sie selbst in frischem Grün markante Konturlinien zeichnen.

Das zweite, kreisförmig beschnittene Video offenbart, über einen Rundspiegel gefilmt, wie Jonas Zeichnungen mit Kreisen und Geraden anfertigt. Dieses Motiv taucht in Jonas' Werk öfter auf; sei es auf dem Kopfkissen, auf das sie die Figur des Kunstwissenschaftlers Aby Warburg in ihrer Performance "The Shape the Secnt, the Feel of Things" bettete, oder in den Zeichnungen der darauffolgenden Como-Performance.

Werden und Vergehen

Aus dieser sind in Bamberg die vor Publikum entstandenen, großformatigen Zeichnungen auf kostbarer Seide zu sehen: In einer Zeichnung kulminiert die anspielungsreiche Gegenüberstellung von Kreis und Geraden in der gleichursprünglichen Vorstellung und Darstellung von Zeit als zyklisch (ewige Wiederholung und Wiedergeburt) und linear (Zeitstrahl). Die anderen beiden Seidezeichnungen tragen das Motiv eines Schmetterlings: in diesem Motiv treffen eine Art (die sich selbst erhält) und das Einzeltier (mit seinem ganz eigenen Schicksal) aufeinander. Dieser Konflikt zwischen (Selbst-)Erhalt und Vergehen der Natur erhält durch den angrenzenden Vogelsaal mit seinen zahlreichen Vogelpräparaten eine besondere Rahmung.

Die Arbeit "In the Trees II" entstand im Nachgang zu einigen der wichtigsten Installationen der Künstlerin, "Reanimation" und "They come to us without a word", die beide für den US-Pavillon auf der Biennale in Venedig 2015 entstanden, inspiriert von der Novelle "Under the Glacier" des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness. Jonas wurde von seinen poetischen Beschreibungen der Natur angezogen, speziell von Vögeln und Bienen.

Vogel als zentrales Motiv

In der darauffolgenden Arbeit "Stream or River, Flight or Pattern" (2016) erkundete sie ihre Sorge um die Natur weiter. In der neuesten Installation "In the Trees II" treibt Jonas diese Erkundungen nun weiter. Ihr zentrales Motiv - neben dem Schmetterling - ist nun der Vogel. In einer Reihe von Vogelzeichnungen lotet sie das Verhältnis von Natur und Kunst weiter aus. red

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