Rödental

"Wenn ich Bürgermeister wär..."

Rödental fragte seine Jugend, was sie sich für die Stadt wünscht. In einer Zukunftswerkstatt wurde alles zusammengetragen. Jetzt hat die Politik viel, worüber sie nachdenken kann.
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Früher Elektronikmarkt, später Eislaufhalle? Alles, was sich die Jugendlichen in der Zukunftswerkstatt so gewünscht haben, lässt sich nicht so einfach umsetzen. Zumal, wenn die Gebäude gar nicht so ungenutzt sind. Foto: Rainer Lutz
Früher Elektronikmarkt, später Eislaufhalle? Alles, was sich die Jugendlichen in der Zukunftswerkstatt so gewünscht haben, lässt sich nicht so einfach umsetzen. Zumal, wenn die Gebäude gar nicht so ungenutzt sind. Foto: Rainer Lutz

"Das alles, und noch viel mehr, würd' ich machen, wenn ich König von Deutschland wär", sang Rio Reiser. So hoch hinaus sollten die Jugendlichen nicht denken, die zur Zukunftswerkstatt eingeladen waren. Aber immerhin: Mit "Wenn ich Bürgermeister wäre ..." war ein Themenblock überschrieben.

Gebündelt trug Claudia Engelhardt vom Kreisjugendring (KJR) Coburg dem Stadtrat bei seiner Sitzung am Montagabend vor, was die Jugendlichen an Anregungen gesammelt hatten. Den Mitgliedern des Stadtrats wurde so der Blick geschärft für die Lebenswelt der Jugend in der Stadt, deren Anspruch an Mobilität beispielsweise ein anderer ist als der der Erwachsenen. So kritisierten die jungen Rödentaler, dass Bus und Bahn schlecht aufeinander abgestimmt seien, wenn sie nach Coburg oder Neustadt wollen und am Bahnhof das Verkehrsmittel wechseln müssen. Unpünktliche, ausfallende und verdreckte Züge fanden ebenso Kritik, wie oft defekte Kartenautomaten. Um leichter das Gleis 2 zu erreichen, wünschen sich viele Jugendliche eine Fußgängerunterführung.

Mehr und besser beleuchtete Fußwege standen auf der Liste mit Anregungen sowie mehr Zebrastreifen, besserer Winterdienst auf den Geh- und Radwegen. Nicht alle Überlegungen waren so nah an der Realität. Doch, wenn Wünsche auftauchten wie eine U-Bahn, Straßenbahn nach Neustadt oder eine Seilbahn, dann erinnerte Claudia Engelhardt: "Wir hatten den Jugendlichen ausdrücklich kein Denkverbot auferlegt." Sie sollten die Gedanken frei sprudeln lassen - und taten das auch, bis hin zum Wunsch nach einem Flughafen.

Dabei zeigte sich, dass Bildung einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Gestaltung und Ausstattung von Schulen, mehr Personal und im Unterricht mehr Ökologie und weniger Deutsch, Mathe und Englisch sollte im Lehrplan enthalten sein, fanden die Schüler. Ausbildungsmessen, mehr Ausbildungsplätze und -möglichkeiten bis hin zu Studienangeboten in der Stadt zeigten das Interesse an einer fundierten Ausbildung.

Daneben stand aber auch das Thema Freizeit weit oben auf der Wunschliste. Fußballplätze, Verbesserung des Freibereiches am Schwimmbad, Trampoline, eine Sommerrodelbahn, einen Klettergarten, ein Motocross-Gelände oder eine Kartbahn und einen Golfplatz fänden die Jugendlichen gern in ihrer Stadt. Konkreter war der Vorschlag, den früheren Media Markt zur Eislaufhalle umzubauen.

Disco, Feierraum, Treffpunkte, die auch im Winter geeignet sind, ein Hip-Hop-Festival für den Sommer, Markenläden und Fastfood-Ketten wünschten sich die jungen Leute. Und wenn sie nun wirklich Bürgermeister wären? "Ich würde einmal in der Woche einen Treffpunkt ausmachen und dann mit allen, die kommen, Müll aufsammeln", stand auf der Liste. "So eine Aktion könnte ich mir tatsächlich mal vorstellen. Ich wäre auch gespannt, wer dann alles kommt", sagte Bürgermeister Marco Steiner (FW) nach den Ausführungen von Claudia Engelhardt.

Jutta Franz (FW), die Jugendbeauftragte des Stadtrats, erkannte in den Wünschen und Anregungen der Jugendlichen ein klares Bekenntnis zu ihrer Heimatstadt: "Das zeigt, dass es nicht so ist, wie oft behauptet, dass die Jugendlichen alle nur in die Großstadt wollen", sagte sie. Sie stünden zu ihrer Heimat - wenn diese ihnen die Möglichkeit gibt, hier Ausbildung und Arbeit zu finden.

Das Projekt Zukunftswerkstatt ist nicht abgeschlossen. Vielmehr könnten sich Jugendliche auch weiterhin an die Jugendbeauftragte wenden, wenn sie Anregungen oder Vorschläge hätten. Das gelte auch für alle, die nicht bei der Jugendwerkstatt dabei waren, so Franz.

Mehr junge Rödentaler

Dass die Stadt gut daran tut, auf die Interessen der Jugend einzugehen, belegte Christine Weiß von der Verwaltung mit einem Blick auf den Bedarf an Kita-Plätzen in der Stadt. "Die Zahl der Geburten steigt", sagte sie. Und anders als von offiziellen Stellen früher prognostiziert, fragt nicht nur ein Viertel der Eltern einen Krippenplatz nach. "Es sollen fast alle Kinder in die Krippe", stellte Christine Weiß fest.

Da Eltern einen Anspruch auf einen Krippenplatz für ihr Kind haben, muss die Stadt aufstocken. Das geschieht nun am Lienhard-Fuchs-Kindergarten. Er soll erweitert werden und dann zwölf neue Krippenplätze sowie 25 neue Regelplätze bieten. Nach der Erweiterung wird die Einrichtung dann insgesamt 163 Plätze haben. "Wir haben auch schon mit der AWO als Träger der Kita gesprochen. Sie ist bereit, die Gruppenzahl zu erhöhen", berichtete Marco Steiner.

Für prima Klima

Damit Rödental auch für kommende Generationen eine lebenswerte Stadt bleibt, soll eine Klima- und Zukunftsoffensive gestartet werden. Das geschieht auf Antrag der CSU-Fraktion. Es ist ein Antrag, der so im gesamten Freistaat in kommunalen Gremien eingebracht wird, erklärte Elmar Palauneck als Fraktionsvorsitzender. Der Antrag sieht vor, eine kommunale Plattform einzurichten, die der direkten Bürgerbeteiligung zum Thema Klimaschutz dient. Daneben soll ein individueller Klimamasterplan für die Stadt erstellt werden. Für diesen kann ein Fachbüro beauftragt werden. Die Antragsteller gehen dann von Kosten zwischen 20 000 und 60 000 Euro aus.

Familienfreundlicher Preis

Wohnen wird in Rödental ein wenig günstiger - jedenfalls was den Wasserpreis angeht. Der sinkt von 2,80 auf 2,56 Euro je Kubikmeter, wie Marco Steiner informierte. Das geschieht allerdings nicht ganz freiwillig. Hintergrund sind juristische Bedenken gegen die Erhebung einer Konzessionsabgabe bei den Kunden. Diese wird daher vom 1. Januar an nicht mehr erhoben, wodurch der Preis je Kubikmeter um 24 Cent sinkt.

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