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Wenn die Wetterhexe fliegt

Die Mondphasen schlagen sich in allen Bereichen des Lebens nieder und bringen die Menschen in ihre Abhängigkeit. Auch in Wetterregeln findet der Mond Eingang und Bedeutung.
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Foto: Björn Kristersson/Adobe Stock
Foto: Björn Kristersson/Adobe Stock

Kein anderer Planet ist uns so nah wie der Mond. Der stille Begleiter der Erde erhellt die finsteren Nächte, er hebt die Weltmeere und bewegt die Landmassen. Auf seiner Wanderschaft durch das Weltall beeinflusst er den Lebensrhythmus von Mensch und Tier, bestimmt das Gedeihen von Bäumen, Sträuchern und Blumen.

Nach altem Volksglauben besitzt der abnehmende Mond eine schädigende, ja womöglich sogar vernichtende Wirkung, der zunehmende Mond dagegen fördert und lässt gedeihen. An der Fränkischen Linie, dem Steilabfall des Frankenwaldes nach Südwesten heißt es, dass man bei abnehmendem Mond jedes Tun unterlassen sollte, das entweder von Dauer sein oder sich in zukünftiger Zeit bewähren soll. Nach diesem Grundsatz sollte man keinen wichtigen Kauf oder Vertrag abschließen, keine Reise unternehmen, kein Geld oder Eigentum leihen, keinen Prozess anfangen.

Bei abnehmendem Mond wird weiterhin schlecht genesen, wer krank ist. Auch bei Schwerhörigen verstärkt sich die Krankheit während dieser Zeit. Scheint einem schlafenden Menschen der Mond während der Nacht ungehindert ins Gesicht, glaubt man, dass er von da an im Schlaf wandelt.

Auch Tiere sind bei diesen Geboten und Verboten eingeschlossen. Deshalb darf man bei abnehmendem Mond kein Zuchttier kaufen und kein säugendes Tier entwöhnen, wenn es gedeihen soll. Weiterhin soll man eine Bruthenne oder eine Brutgans zeitlich so auf die Eier setzen, dass die Jungen bei zunehmendem Mond ausschlüpfen. Denn der abnehmende Mond bringt angeblich schlechte Legehennen. Darüber hinaus ist die Vertilgung von Unkraut dem Gesetz des Mondlaufes unterzogen. So vergehen die Quecken im Acker nur, wenn man das Feld an einem Freitag in der Zeit des abnehmenden Mondes umpflügt.

Vom Neumond und dem "Hof"

Natürlich findet der Mond in reichem Maße Eingang und Bedeutung in den Wetterregeln: "Seht ihr den Neumond hell und rein, so wird ein gutes Wetter sein; ist aber selbiger sehr rot, so ist er vieles Windes Bot'. Ist er denn bleich, so glaube frei, dass nasse Zeit dahinter sei". Wenn der Mond einen "Hof" hat, gilt folgender Spruch: "Ist der Hof nahe dem Mond, uns der Regen noch verschont; ist der Hof aber breit, hat er Regen im Geleit".

Am sagenumwobenen Kreuzstein ist vor Jahren eine Wetterhexe beobachtet worden, als sie aus dem Obermaintal kommend mit den Elstern mitflog. Der "Geusiche Toone", ein alter Schelm, Gott hou na seelich, meinte damals: "Es hat dabei recht gedonnert. Einer schoss auf die Elstern. Eine fiel herab, sie hatte Messer und Gabeln bei sich. Wahrscheinlich konnte sie das Zeug nicht mehr weglegen, denn sie war mausetot".

Neben den Zeiten des Mondlaufes richtet man sich in vielen Dingen auch nach einzelnen Wochentagen. Dass die Woche auf die Beobachtung des Mondwechsels zurückgeht, lässt schon die Verwandtschaft des Wortes mit "Wechsel" und "weichen" erkennen. Die Wochentage werden im Frankenwald seit alters her in Glücks- und Unglückstage unterteilt, wobei die Zahl der Unglückstage überwiegt und somit die Regeln meist aus Verboten bestehen. Der Glaube an bestimmte Wochentage beherbergt sowohl altheidnische Überlieferungen wie auch christliche Denkweisen.

In der Gegend zwischen dem Steinbach und der Ölschnitz achtet man am Sonntag vor allem auf Regen während des Kirchgangs. Denn dieses Zeichen bedeutet Regen während der ganzen kommenden Woche. Wird ein Toter am Sonntag überführt, so zieht dies bald wieder eine "Leich" nach sich. Dieser Glaube ist heute noch sehr lebendig und findet durch das wirkliche Eintreten eines Todesfalles immer wieder neue Bestätigung. Wer beim Läuten während der Wandlung am Sonntag flucht, dem wird Unglück in der kommenden Woche vorausgesagt. Außerdem gelten Kauf und Verkauf als unglücksbringend. Dringende Feldarbeit indes wird nicht als Sünde angesehen.

Wichtig ist die Beachtung der Wochentage besonders für die Ackerbestellung und wiederum für die Aussaat. So gilt der erste Dienstag im Juni als außerordentlich heilbringend für die Aussaat von Lein. Am Mittwoch warnte man die Bauersfrauen früher vor dem Brotbacken. Denn an diesem Tag bäckt man "Mitesser" hinein.

Der geeignete Tag zum Heiraten war seit Alters her der Donnerstag. Die Auswahl dieses Tages wurzelt in dem heidnischen Glauben an den Donnergott als Schutzgottheit der Ehe. Er hat nach alter Überlieferung die Ehe mit dem Hammer geweiht. Auch der Freitag wird im Tettauer Winkel letztlich als Unglückstag angesehen. Aus diesem Grund gilt das Verbot des Kaufens und Verkaufens. Ebenso sollte man das Vieh an diesem Tag nicht zum ersten Mal auf die Weide treiben. Daneben glaubt man, dass Asche, auf die Wiese gestreut, roten Klee wachsen lässt und schließlich, dass jeder, der am Freitag erkrankt, lang auf dem Krankenbett liegen wird. Weiterhin sollte man keinesfalls an einem Freitag mit der Feldarbeit im Frühjahr beginnen, da dieses Tun eine misslungene Ernte bedeutet.

"Vom Freitagsbrot hat man nichts als Kreuz und Not", seufzte früher die immer hilfsbereite "Schdaabiche Boabl", Gott trüesd sa. Nach diesem Sprichwort am fränkisch-thüringischen Rennsteig dient der Freitag auch nicht zum Brotbacken. Am ersten Freitag im April sollten die Maulwurfshügel breit gemacht werden, eine Wetteränderung am Freitag zieht einen erneuten Wetterwechsel am Sonntag nach sich. Und eine letzte alte Regel fürs Stimmungsbarometer lautet: "So viel man am Freitag lacht, so viel Tränen fließen am Sonntag".

Der Samstag ist nach altem Glauben günstig, um mit Hilfe der Asche, die man auf die Wiese streut, weißen Klee zu bekommen. Zum Schluss ein kleiner Scherz über das Samstagswetter im Obermainischen Bruchschollenland: Hat es während der ganzen Woche geregnet und am Samstag wird es plötzlich schön, so geschieht dies nur, damit die "Bäffchen" oder "Beffchen", die weißen Halsbinden am Talar eines evangelischen Geistlichen, trocknen können.

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