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Wenn die Ehe scheitert ...

Die Höchstadter Anwältin Petra Schuster rät, sich schon vor der Ehe auch Gedanken über eine Trennung zu machen.
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Foto: HETIZIA_ChLesjak - stock.adobe / Collage: Dagmar Klumb
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Die große Liebe hält nicht immer ewig. Auch wenn laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Ehescheidungen seit Jahren sinkt, wurden 2017 in Deutschland immer noch 153 000 Ehen richterlich geschieden. Im Schnitt haben diese 15 Jahre gehalten.

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt liegt die Scheidungsrate mit 25 Scheidungen pro 10 000 Einwohner im Jahr etwas über dem bayernweiten Durchschnitt. Der FT interviewte zum Thema Scheidung die Höchstadter Fachanwältin für Familienrecht, Petra Schuster. Sie kann mit ihrer Kanzlei in Bamberg und ihrem Büro in Höchstadt auf 22 Jahre Erfahrung zurückblicken.

Was sollte ich auf der rechtlichen Seite beachten, wenn ich heute eine Ehe eingehen will?

Für die klassische Eheform mit Kinderbetreuung bieten die gesetzlichen Bestimmungen ganz gute Regelungsmöglichkeiten an. Ich würde aber jedem Paar empfehlen, sich mit den gesetzlichen Bestimmungen im Fall der Trennung, zum Beispiel im Hinblick auf Unterhaltszahlungen oder Vermögensauseinandersetzung, vertraut zu machen.

Wenn dann die eigene Situation zu den gesetzlichen Regelungen nicht passt, sollte ein Ehevertrag geschlossen werden, der dann im Trennungsfall die gesetzlichen Regelungen modifiziert. Man kann zum Beispiel den Zeitraum der Unterhaltszahlungen für den betreuenden Elternteil verlängern, beim Zugewinn einzelne Positionen aussparen oder eine Gütertrennung vereinbaren. Auch Vereinbarungen beim Rentenausgleich sind möglich. Die Abänderungen sind notariell zu beurkunden.

Was sind die Hauptgründe dafür, dass Ehen scheitern?

Die Gründe für das Scheitern sind sehr vielschichtig. Manchmal finden Paare sehr schnell heraus, dass ihre jeweiligen Erwartungen durch den Partner nicht erfüllt werden können. Sehr häufig versäumen Paare während der Dauer ihrer Ehe vor lauter Aufgaben wie Kindererziehung, Hausbau und Anforderungen im Job, auch Zeit für sich als Paar zu erübrigen. Wenn der Nachwuchs dann flügge wird, sind sich die Eheleute fremd geworden, oder finden keinen gemeinsamen Plan mehr für ihr zukünftiges Zusammenleben.

Was raten Sie Ehepaaren, die nicht mehr miteinander auskommen?

Ganz wichtig finde ich, sich frühzeitig zu informieren, welche Folgen die Trennung hat und wie man selbst damit umgehen will. Wer gut informiert ist, lässt sich auch nicht so schnell vom anderen Ehepartner einschüchtern. Speziell Frauen haben da einen hohen Nachholbedarf. Im zwischenmenschlichen Bereich sollte man tunlichst darauf achten, gegenseitige Verletzungen zu vermeiden. Es macht ja nach der Trennung auch keinen Sinn mehr, die Stimmung mit Gehässigkeiten weiter zu vergiften - und ganz wichtig: Schonen Sie Ihre Kinder. Viel zu viele Kinder nehmen Schaden in einer Trennungssituation und dafür sind häufig die Eltern verantwortlich, weil sie ihre Kinder bewusst oder unbewusst instrumentalisieren.

Kann eine Scheidung für die Eheleute auch den finanziellen Ruin bedeuten?

Ich habe noch nicht erlebt, dass eine Scheidung den finanziellen Ruin bedeutet hätte, aber jeder muss sich schon darüber im Klaren sein, dass im Regelfall jedem nur die Hälfte dessen verbleibt, was während einer Ehe erwirtschaftet worden ist.

Wie läuft der Prozess einer Scheidung ab?

Um einen Scheidungsantrag stellen zu können, muss das Paar zwingend ein Trennungsjahr einhalten. Die Einführung des Trennungsjahres hat die Schuldfrage abgelöst. Das Familiengericht interessiert sich nur noch in seltenen Fällen dafür, ob jemand eine Trennung oder Scheidung schuldhaft herbeigeführt hat. Zum Beispiel bei dem berühmten "Ausbruch aus einer intakten Ehe..."

Leben die Eheleute ein Jahr getrennt, vermutet der Gesetzgeber, dass die Ehe zerrüttet ist und scheidet auf Antrag, der übrigens von einem Anwalt gestellt werden muss. Der Ausgleich der Renten wird im Rahmen der Scheidung von Amts wegen durchgeführt, wenn keine andere vertragliche Regelung gefunden wurde.

Ich denke, alle Kollegen versuchen zunächst die Streitpunkte außergerichtlich zu klären, so dass das Scheidungsverfahren eine abschließende Formalie bleibt. Wenn aber außergerichtlich keine Einigung herbeigeführt werden kann, müssen die streitigen Folgesachen mit Hilfe der Familiengerichte geklärt werden. Das Gespräch führte Andreas Dorsch.

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