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Wenn der Bildschirm freitags schwarz bleibt

Der Bezahl-Sender Sky darf nicht mehr alle Spiele der Bundesliga übertragen. Die Folge: Gastwirte müssen ein zweites Abo bei Eurosport abschließen. Doch die hatte der Sender bisher noch gar nicht auf dem Schirm.
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Es geht wieder weiter! Nach der Länderspielwoche richten sich die Blicke der Fußball-Fans heute in Richtung Norden, wenn der Hamburger SV um 20.30 Uhr auf Vizemeister RB Leipzig trifft und damit den dritten Bundesliga-Spieltag eröffnet.
Doch während im Volksparkstadion die Flutlichter angeschaltet werden, um das Hochglanzprodukt der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ins beste Licht zu setzen, bleiben die Fernsehgeräte in vielen Hotels und Gaststätten aus. "Ich habe erst vergangenen Montag erfahren, dass Sky nicht mehr alle Spiele zeigt", sagt Hans Rebhan. Der Besitzer des "Rebhan's Business & Wellness Hotel" in Stockheim hat mit dem Unternehmen aus Unterföhring ein Abonnement abgeschlossen, das es ihm erlaubt, das Angebot des Senders gewerblich zu nutzen.


Was ein Test gezeigt hat

Den Gästen seines Hotels steht so neben einem Sportkanal - der Bundesliga und Champions-League-Spiele zeigt - auch ein Sender zur Verfügung, auf dem Spielfilme laufen. "Unsere Gäste wollen aber vor allem die Bundesliga gucken", sagt Rebhan.
Generell halte sich die Nachfrage nach Bundesliga-Fußball bei seinen Gästen allerdings in Grenzen, erklärt Rebhan. Die Spiele können nicht nur auf den Zimmern, sondern auch gemeinsam in einem Fernsehraum verfolgt werden. "Von 30 Gästen sind dort dann aber vielleicht nur zwei zu finden", schätzt Rebhan.
Funktioniert das Pay-TV einmal nicht, sei das für seine Gäste nicht das Ende der Fußball-Welt. Das habe ein Test bewiesen. "Dafür haben wir einmal für eine Woche die Karte aus dem Receiver genommen", erzählt Rebhan. "Keiner hat sich beschwert."
Eine vierstellige Summe überweist Rebhan pro Jahr für Medien-Lizenzen. Dazu gehören neben der Sky-Gebühr unter anderem auch Zahlungen an die Gema (Autorengesellschaften für Werke der Musik). Im kommenden Jahr läuft der Dreijahresvertrag mit Sky aus. Ob er ihn verlängert, weiß Rebhan derzeit noch nicht, die Tendenz gehe aber dahin, künftig auf den Sender zu verzichten. "Ich weiß nicht, ob das für uns noch einen Sinn ergibt." Für viele Gäste sei der Name Sky fast gleichbedeutend mit Fußball. "Und dann sollte man auch alle Spiele abdecken."
Eigentlich müsste das Abo ja nun billiger werden, findet er. Doch davon ist nicht auszugehen: Bei der jüngsten Vergabe der TV-Rechte gelang es der DFL, den Preis fast zu verdoppeln. Statt durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Jahr nimmt sie - alle Lizenznehmer zusammengerechnet - künftig durchschnittlich 1,159 Milliarden Euro ein. Eine Summe, die wohl refinanziert werden muss.


Kabelanschluss reicht nicht mehr

Deutlich größer als in Hotels ist das Interesse an Fußball in Gaststätten, Kneipen oder Vereinsheimen. Dort kann Fußball dafür sorgen, dass deutlich öfter der Zapfhahn betätigt werden muss als es ohne das runde Leder auf dem Bildschirm der Fall wäre. Doch auch für diese wird es schwierig, das Freitagsspiel zeigen zu können, schließlich reicht ein Kabelanschluss allein nicht mehr aus (siehe Infokasten). "Natürlich ist das Modell mit zwei Abos für unsere Gastronomen keine gute Lösung", sagt Matthias Artmeier, der den Fachbereich Gastronomie beim Hotel- und Gaststättenverband "Dehoga Bayern" leitet. Der Verband habe versucht darauf hinzuwirken, dass Sky von Eurosport eine Sublizenz bekommt. "Aber das wollten sie nicht und wir können ihnen natürlich nichts vorschreiben."


"Das ist ärgerlich"

Artmeier hat das Gefühl, dass Eurosport die Gastronomie als Kunde gar nicht auf dem Schirm hatte und vor allem an die Privatnutzer dachte. "Wir haben es jetzt geschafft, dass die Gastronomie Eurosport ein Jahr lang gewerblich zeigen darf, aber nur den Preis zahlen muss, den auch Privatnutzer haben."
In der Berggaststätte in Schneckenlohe bleibt der Fernseher daher freitags schwarz. "Im Haus hier gibt es kein Internet, daher kann ich den Eurosport-Player nicht nutzen", sagt Besitzer Manfred Schüpferling. Ärgert ihn das? "Mich wundert es halt", sagt er. "Man zahlt immer mehr für ein Sky-Abo, bekommt aber immer weniger zu sehen. Und wir schauen jetzt freitags in die Röhre. Das ist ärgerlich, aber leider nicht zu ändern." Er wäre zwar bereit gewesen, die 29,99 Euro, die der Player bis Ende August pro Jahr noch gekostet hätte, zu bezahlen, aber ohne die technischen Voraussetzungen sei es sinnlos.
Seit dem 1. September hat sich der Preis für den Player auf 49,99 Euro erhöht. Für gewerbliche Nutzer immer noch ein Preis, der sie nicht lange grübeln lässt, kostet ein Sky-Abo doch meist mehrere Hundert Euro pro Monat. Ohne Internetanschluss oder mit nur einer langsamen Verbindung wird es jedoch schwierig.

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