Kronach

Wenn das Zuhause wegbricht

Das Hilfswerk des Lionsclubs organisiert am Samstag einen Flohmarkt für Menschen wie Peter S., die auf eine Notunterkunft angewiesen sind.
Artikel drucken Artikel einbetten
Danilea Wölfel und Hans-Joachim Barnickel zeigen peter S. das Plakat für den Flohmarkt am Samstag. Foto: Maria Löffler
Danilea Wölfel und Hans-Joachim Barnickel zeigen peter S. das Plakat für den Flohmarkt am Samstag. Foto: Maria Löffler

Wenn man wirklich kein Dach mehr über dem Kopf hat und man gezwungen wäre, unter der sprichwörtlichen Brücke zu schlafen, dann gibt es für viele nur noch einen Ausweg: Eine Obdachlosenunterkunft aufzusuchen, um doch noch unterzukommen. Auch in Kronach gibt es für Bedürftige diese Möglichkeit und das Hilfswerk (HW) Lions Club Kronach Festung Rosenberg hilft jetzt zusätzlich mit Spenden.

Peter S. aus dem Kronacher Landkreis lebt seit etwa einem Jahr in der Kronacher Unterkunft. Sein gesamtes Leben passt in drei Einkaufstüten und einen Schuhkarton. Der erwerbsunfähige Gerüstbauer ist 60 Jahre alt und hat kaum noch Perspektiven. Er isst, schläft und wohnt zusammen mit seinem Kumpel, einem "alten Ossi", wie er ihn nennt, in einem Raum. Drei Betten, Tisch, Stühle, eine Kochstelle und ein paar Unterstellmöglichkeiten, nur das Nötigste gehört zur Ausstattung.

Eine sichere Schlafstelle

Dieter Krapp vom Kronacher Ordnungsamt meint dazu: "Wir versuchen, schon vor dem ,Einzug' hier zu helfen. Dazu fragen wir nach den Hintergründen, arbeiten eng mit Jobcenter und Betreuern zusammen, kontaktieren Verwandte. Aber manchmal gibt es einfach keine andere Möglichkeit, als hier eine sichere Schlafstelle zu schaffen."

Die Unterkunft in Kronach bietet Platz für zehn bis zwölf Männer und für drei Frauen. "Aber wir müssen Regeln aufstellen, damit das Zusammenleben funktioniert auf relativ engem Raum." Und auch, wenn sich nicht immer alles durchsetzen lasse, müsse die Ordnung gewahrt bleiben. Dazu gehöre auch, dass die Bewohner weitestgehend für sich selbst und ihre Sauberkeit sorgen. Ein Auge darauf hat Hausmeister Ludwig Reier, der zweimal die Woche durchwischt und alles kontrolliert.

Peter S., der auch noch eine 17-jährige Tochter hat, möchte nicht für immer hier bleiben. Er plant eine Wohngemeinschaft mit seiner Exfrau und hofft dafür auf Zuschüsse. Immer wieder spricht er von einer Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 424 Euro, die er zum Leben habe. Ob er staatliche Zuschüsse überhaupt beantragt hat, war nicht herauszufinden. Er wiederholt, dass er sich mit dem wenigen Geld einfach keine eigene Wohnung leisten könne. Außerdem sei er herzkrank und könne nicht mehr arbeiten.

A Seidla am Bahnhof

Gefragt nach seinem Tagesablauf meint er: "Ich steh auf, wenn ich ausgschlofn hou. Manchmol schlof ich bis Mittouch." Nach dem Frühstück oder vielleicht auch Mittagessen brauche er frische Luft. "Donn geh ich meistns zen Bahnhof. Dou senn meine Kumpels und donn trink mer a Seidla. Ode a zwa..." Danach geht er zurück in die Unterkunft, schläft eventuell etwas. Abends, sagt er, "gemme in die Spielkistn, wenn Fußboll dro is." Blickt man sich um, dann findet man tatsächlich keinen Fernseher. "Und dabei wä des ja nötig für die Bildung", meint Peter S. und lächelt. Stattdessen würfeln sie oder spielen Skat, beschreibt er die Stunden ohne Aufgabe, ohne Perspektive, ohne feste Abläufe.

Für Peter S. und seine Mitbewohner gibt es am kommenden Samstag die Möglichkeit, sich beim Flohmarkt auf dem Parkplatz der Lorenz-Kaim-Berufsschule die Dinge auszusuchen, die das Leben ein bisschen lebenswerter machen und wieder einen kleinen Lichtblick schaffen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren