Höchstadt a. d. Aisch

Wenn das Visum abgelehnt wird

Gesundheits- und Krankenpflegekräfte werden händeringend gesucht. Mittlerweile werden die Fachkräfte auch aus dem Ausland angeworben. In einigen Fällen ist das jedoch alles andere als leicht, gerade was das Visum betrifft.
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Aus für Pflegehelferin: Obwohl sie bereits 2017 Aussicht auf eine Ausbildung zur Pflegefachkraft hatte, musste sie Deutschland verlassen, weil ihr die Abschiebung drohte. Im August sollte sie nun zurück kommen, jedoch gibt es Probleme mit ihrem Visum.  Foto: Sebastian Widmann, dpa
Aus für Pflegehelferin: Obwohl sie bereits 2017 Aussicht auf eine Ausbildung zur Pflegefachkraft hatte, musste sie Deutschland verlassen, weil ihr die Abschiebung drohte. Im August sollte sie nun zurück kommen, jedoch gibt es Probleme mit ihrem Visum. Foto: Sebastian Widmann, dpa

Theresa schiffl Es gibt kaum Altenheime, die nicht über zu wenig Arbeitskräfte und Bewerbermangel klagen. In den nächsten Jahren wird es noch mehr Patienten und pflegebedürftige Menschen geben. Laut dem Krankenhaus Rating Report 2018 sollen deutschlandweit bis 2025 voraussichtlich 80 000 Fachkräfte in Krankenhäusern und 80 000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden.

Pflegekräfte aus dem Ausland

Wie Gesundheitsminister Jens Spahn am 6. November letzten Jahres mitteilte, sollen deshalb speziell Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Deutschland geholt werden. "Ein weiterer wichtiger Baustein können Pflegekräfte aus dem Ausland sein. Leider gibt es in der Praxis aber immer wieder Hürden und Hindernisse, die dazu führen, dass Arbeitskräfte, die qualifiziert und geeignet sind, nicht nach Deutschland kommen können", schreibt das Bundesministerium auf seiner Homepage. Diese Probleme zeigen sich aktuell an einem Beispiel in Höchstadt aus dem Vitanas St. Anna Seniore Centrum.

"Ich kann die Ablehnung des Visums einfach nicht verstehen", meint Johanna Auerbeck, Heimleiterin des Seniorenzentrums. Im vergangen Jahr musste ihre Pflegehelferin Krystyna B. (Name geändert) zurück in ihr Heimatland, die Ukraine (wir berichteten). Andernfalls wäre sie abgeschoben worden und hätte für bis zu fünf Jahre nicht mehr in Deutschland einreisen dürfen. Für das St. Anna sei das ein schwerer Verlust gewesen, da es zu diesem Zeitpunkt unter den Mitarbeitern fünf werdende Mütter gab.

Versprechen auf Rückkehr

Nach ihrer Ausreise erhielten Krystyna B. und das St. Anna aber immerhin eine schriftliche Bestätigung für die Wiedereinreise für August 2019. Der Anstellungs- und Ausbildungsvertrag, die WeGebAU-Förderung und die Krankenversicherungsbestätigung liegen bereits seit Wochen in einer braunen Mappe.

Und trotzdem kam jetzt die Ablehnung des Visum-Antrags. "Meine arme Krystyna. Sie hat wirklich so einen lieben Umgang mit den Bewohnern und ist wirklich geeignet für diese Ausbildung", sagt Auerbeck sichtlich enttäuscht. "Ich weiß nicht, ob wir das überhaupt noch hinkriegen." Ein kleiner Funken Hoffnung bleibt trotzdem. Krystina B. lebt aktuell bei ihrem Cousin. Viel Unterstützung bekomme sie von ihm nicht. Die einzige Bezugsperson ist ihre Mutter. "Die lebt seit 19 Jahren in Deutschland", schreibt die Pflegehelferin in ihrer Mail. Auch das sorgt für Verwunderung, dass die Ukrainerin wieder ausreisen musste. "Mir fehlen die Worte", sagt Auerbeck.

Axel Pieper, Leiter der Pressestelle der Arbeitsagentur in Nürnberg, erklärt: "An sich haben wir damit fast nichts zu tun. Wir überprüfen nur, ob die Ausbildung mit einer deutschen entspricht und ob die Beschäftigungsbedingungen denen inländischer Pflegefachkräfte entsprechen." Prinzipiell sei es jedoch möglich, dass Pflegekräfte aus Drittstaaten, wie der Ukraine, nach Deutschland kommen um in ihrem erlernten Pflegeberuf zu arbeiten oder eine Ausbildung zu absolvieren. Aber warum ist es bei Krystina B.'s Fall nicht möglich? Von der Arbeitsagentur in Nürnberg bekam die Heimleiterin die Information, dass in München bei der zuständigen Dienststelle keine Unterlagen für eine Arbeitsgenehmigung seitens der Botschaft angekommen sei.

Beim Auswärtigen Amt heißt es, dass zu dem Fall aus Datenschutzgründen keine Informationen weitergegeben werden dürfen. Susanne Beger-Blum von der Pressestelle bestätigt jedoch: "Für die Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung kann grundsätzlich ein Visum beantragt werden."

Dokumente und richtige Anträge

Sie verweist auf ein Merkblatt der Botschaft für die Beantragung eines Visums. Acht Unterlagen müssen eingereicht werden: Kopien aller Ausweise und Reisepässe, das Antragsformular in deutscher und englischer Sprache, ein Arbeitsvertrag, ein Qualifikationsnachweis, ein Nachweis für einen Krankenversicherungsschutz sowie eine Berufsausübungserlaubnis. Natürlich müssen auch Fristen eingehalten werden. Das gilt jetzt auch für Krystina B. Sie kann nun innerhalb eines Monats Klage beim Verwaltungsgericht in Berlin einreichen. Zudem kann sie in diesem Zeitraum den Bescheid von der Botschaft Kiew überprüfen lassen.

Hat sie bei ihrer Antragstellung alles richtig gemacht? "Da bin ich mir sicher. Wir haben ja auch alle Unterlagen besorgt." Wie es zu der Ablehnung kam, kann sie sich nicht erklären, da ihr auch eine konkrete Begründung fehle.

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