Niederfüllbach

Weniger Betriebe, weniger Kühe

Bei der Versammlung der Mitglieder wurden Probleme aller Art beleuchtet.
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Weniger Kühe, aufgebende Rinderzuchtbetriebe, sinkende Preise. Das beschäftigt die Mitglieder der Kreiszuchtgenossenschaft Coburg.
Weniger Kühe, aufgebende Rinderzuchtbetriebe, sinkende Preise. Das beschäftigt die Mitglieder der Kreiszuchtgenossenschaft Coburg.
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"Ichbingut", "Servus" oder "Wildfluss" sind stolze Namen für Bullen, und die wiederum sind der Stolz der Rinderzüchter in Oberfranken. So wie auch "Wüstensohn", ein männliches Zuchtkalb, das bei einer Auktion immerhin rund 15 000 Euro einbrachte. Trotzdem: Die Zahl der Kühe in Oberfranken ist rückläufig, Rinderzuchtbetriebe geben auf, die Preise sinken. Das beschäftigt die Mitglieder der Kreiszuchtgenossenschaft Coburg im Rinderzuchtverband Oberfranken.

Zur Mitgliederversammlung im Gasthaus "Beckenhaus" in Niederfüllbach konnte Zuchtleiter Markus Schricker trotz der aktuellen Probleme eine insgesamt ansehnliche Bilanz ziehen.

Sie liege, so Markus Schricker in seinem 2019er-Jahresbericht, deutlich unter der 90 000er-Grenze. Insgesamt gibt es derzeit 67 800 Kühe im Rinderzuchtverband Oberfranken, 2818 weniger als im Vorjahr. Im Landkreis Coburg sank diese Zahl um 516 auf 6820 Kühe. Der Verband hat 1125 Mitgliedsbetriebe, 140 weniger als 2018. In Coburg sind es 112 Betriebe, 24 weniger.

Stabil bleibt indes die Milchleistung. Traditionell wurden bei der Mitgliederversammlung die Betriebe geehrt, die mit der besten Jahresleistung aufwarten können. Mit 11 138 Kilogramm Milch liegt hier der Betrieb der Familie Rauscher in Oberwohlsbach vorn, gefolgt von Familie Roth aus Beiersdorf (10 448 Kilogramm), Familie Truckenbrodt aus Herbartsdorf (10 211 Kilogramm), Familie Angermüller aus Gleismuthhausen (9974 Kilogramm) und Familie Licht aus Einzelberg (10 255 Kilogramm).

Vermarktet wurden insgesamt 32 051 Tiere (Bullen, Kühe, Kälber). Nicht nur die Preise sind rückläufig, die Käufernachfrage ist es auch. Auch die Schlachtbullenpreise, klagt Schricker, seien derzeit sehr niedrig. Alles in allem habe die Kreiszuchtgenossenschaft einen Umsatzrückgang von rund zwei Millionen Euro zu verkraften. Typisierungen, genomische Untersuchungen, das Bullenmodell, das im Juli an den Start ging - die Rinderzucht, das wurde mehr als deutlich, ist schon eine Wissenschaft für sich.

Stellvertretender Landrat Rainer Mattern würdigte die Komplexität, mit der Landwirte konfrontiert seien. Das, so Matern, müsse auch in die Öffentlichkeit und in die Politik transferiert werden. Die hohe Qualität der Produktion in der Landwirtschaft und das beeindruckende Fachwissen gingen bisweilen in populistischen Diskussionen unter. Mattern ermutigte die Rinderzüchter, mit ihrer Arbeit, mit Sachargumenten und Informationen in die Offensive zu gehen, und zollte den Bauern hohen Respekt.

Mit verschiedenen Fachvorträgen und Diskussionen zu Themen der Rinderzucht wurde die Mitgliederversammlung fortgesetzt.

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