Herzogenaurach

Weltoffen, aber wenig Frauen

Es wird diskutiert über Gleichberechtigung. Es scheint auch fast jeder dafür zu sein. Doch bei einem Blick in die nähere Umgebung fällt auf: Da ist noch einiges im Argen. Und das schreibt an dieser Stelle ein Mann.
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Anne-Laure Descours, eine der wenigen weiblichen Köpfe bei den Weltunternehmen.  Fotos: Archiv (bp, mb,, PR)
Anne-Laure Descours, eine der wenigen weiblichen Köpfe bei den Weltunternehmen. Fotos: Archiv (bp, mb,, PR)
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Michael Busch Die Stadt ist männlich. Na ja, knapp. Im Januar 2019, der letzten Erhebung zur Geschlechterverteilung, sind es 302 Menschen männlichen Geschlechtes mehr als weiblicher Zuordnung. Bei 24 538 eine Differenz, die nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Trotzdem ein Grund, mal hinzuschauen, wie es mit der Gleichberechtigung in Herzogenaurach tatsächlich aussieht. Bevor es einen Blick auf die politischen Vertreter gibt, werden sich die Straßen genauer angeschaut. Etwa 110 Straßen in Herzogenaurach tragen Männernamen. Da sind Klassiker dabei wie Martin-Luther-Platz oder Schillerstraße, es finden sich aber auch neuere Namensgeber wie zum Beispiel für die Adi-Dassler-Straße und den Adi-Dassler-Platz.

Männliche Straßen

Bei den Frauen sieht es allerdings ganz mau aus. Das Dutzend bekommt man gerade so voll. Nähme man den Venusweg großzügigerweise mit dazu, müsste man bei den Männern mit den männlichen Planeten auch die Zahl weiter nach oben korrigieren (Neptun, Mars). Die restlichen Straßennamen bestehen aus Blumen - auch da könnte man Margarite noch großzügig den Frauen zuzählen -, aus Ortsangaben wie Dechsendorfer Straße oder Tierbezeichnungen, die in der Regel geschlechterübergreifend sind.

Verantwortlich für die Vergabe von Straßennamen sind die Mitglieder des Stadtrates. Auch wenn der jetzige Stadtrat nicht alle Namen zu verantworten hat, lohnt sich der Blick auf die Vertreter der Herzogenauracher Bürgerinnen und Bürger. An der Spitze steht ein Mann. German Hacker ist der 1. Bürgermeister. Ihm zur Seite steht Renate Schroff (2. Bürgermeisterin) und Georgios Halkias.

Der Stadtrat besteht aus 28 weiteren Mitgliedern. Neun davon sind Frauen, was einem Anteil von 32 Prozent entspricht. Das würde sich beim Dazurechnen der Bürgermeisterriege nicht verändern.

An der Stelle sei verraten: Nur eine Partei hat einen besseren prozentualen Frauenanteil als der Stadtratsdurchschnitt. Doch das Ranking startet vom schlechtesten Wert: Die Freien Wähler haben zwei Mitglieder im Stadtrat, zwei Männer. Sprich der Frauenanteil liegt bei null Prozent. Marginal besser ist die CSU. Bei zehn Ratsmitgliedern ist eine Frau dabei. B90/die Grünen stellen 25 Prozent Frauen bei vier Mitgliedern. Entspricht also wie bei der CSU einer Frau im Gremium. Die SPD entsendet vier Frauen, was 28,6 Prozent entspricht.

Ungeschlagener Spitzenreiter mit 100 Prozent Frauenanteil ist die FDP. Nun gut, wie bei der CSU und den Grünen ist die FDP-Vertreterin Britta Dassler auch die einzige Frau in der politischen Organisation im Stadtrat, aber bei der FDP beträgt der Männeranteil nun mal null Prozent.

Bleiben noch die Ausschüsse, vielleicht ist dort die Gleichberechtigung vorangeschritten. Doch auch da sieht es schlecht aus. In den meisten Ausschüssen gibt es zumindest genau eine Frau, weil die drei Bürgermeister per se Mitglieder dieser Gremien sind, also die 2. Bürgermeisterin Renate Schroff mit dabei ist. Bei den Rechnungsprüfern gibt es eine Frau, im Bauausschuss erst bei den Stellvertretern. Herausragend sind der Haupt- und Finanzausschuss, sowie der Kulturausschuss. Je vier Frauen bei den ordentlichen Mitgliedern. Für den Hauptausschuss ist das eine Quote von 40 Prozent, im Kulturausschuss sogar von 44,4 Prozent (die Bürgermeister sind nicht dazu gerechnet).

Firmen mit Imageproblem

Probieren wir es an einer Stelle, die per Definition schon weiblicher sein sollte: die Tochtergesellschaft der Stadt, die Herzo Werke. Doch auch hier dominiert der Mann. Jürgen Bauer ist Geschäftsführer, Bürgermeister German Hacker ist Vorsitzender des Aufsichtsrates. In dem findet sich wiederum genau eine Frau wieder. Bei den großen Unternehmen, die weltweit agieren, ist das ähnlich.

Der Vorstand von Adidas besteht aus sechs Personen, Karen Parkin ist die einzige Frau. Im 16-köpfigen Aufsichtsrat finden sich fünf Frauen wieder, keine Stellvertretung im Vorsitz. Bei Puma besetzt Anne-Laure Descours einen Posten des dreiköpfigen Vorstandes. Im Aufsichtsrat stehen vier Männer zwei Frauen gegenüber, der Vorsitzende ist männlich.

Bei Schaeffler sitzt Corinna Schittenhelm als einzige Frau im Vorstand sieben Männern an der Seite. Die CEOs in den Regionen werden durch ein Männerquartett gebildet.

Bleiben noch die Ehrenbürgerschaften. Sieben Frauen finden sich wieder unter den 30 Ehrenbürgern. Dabei eine Frau, die weltweit mit Herzogenaurach in Verbindung gebracht wird: Maria-Elisabeth Schaeffler. In Wikipedia findet sich bei den Söhnen und Töchtern der Stadt die Jazzmusikerin Mareike Wiening, als einzige Frau.

Ein letzter Blick, ein Griff an die eigene Nase: Die Herzogenauracher Redaktion des Fränkischen Tags ist mit zwei Redakteuren besetzt. Frauenquote: Null Prozent.

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