Forchheim

Welt schaut auf die "Fränkische"

Das Obstbauversuchszentrum in Hiltpoltstein sei enorm wichtig, um den Kirschanbau für die Zukunft zu sichern. Das betonte Umweltminister Thorsten Glauber bei seinem Besuch.
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Umweltminister Thorsten Glauber, Landrat Hermann Ulm und dessen Stellvertreterin Rosi Kraus beim Besuch im Obstanbauversuchszentrum
Umweltminister Thorsten Glauber, Landrat Hermann Ulm und dessen Stellvertreterin Rosi Kraus beim Besuch im Obstanbauversuchszentrum
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Die atemberaubend schöne Kirschblüte war fast vorbei, als Umweltminister Thorsten Glauber auf Einladung des Landratsamts Forchheim zum Obstanbauversuchszentrum nach Hiltpoltstein kam. Vor dem langersehnten Regen schützte eine der vier Überdachungen, die über 2000 hauptsächlich Kirschbäumen aufgebaut war.

Die vielen Schulungen, die Obstbauern und Hobbygärtner erhalten, sind das i-Tüpfelchen des Obstanbauversuchszentrums. Die Bundesfachgruppe Obstbau - Berater und Wissenschaftler aus ganz Deutschland - hatte im Hiltpoltsteiner Zentrum getagt. "Sie waren überrascht, wie gut wir hier aufgestellt sind. Und doch schaffen wir es nicht, uns richtig zu vermarkten", zitierte Schilling die Aussage der Bundesfachberater.

Fränkische Bescheidenheit

Grund für die Zurückhaltung und dafür, in der Kreisliga weiter zu spielen, sei die fränkische Bescheidenheit. Gerade der Hochstamm könne nicht nur extensiv, sondern auch intensiv bewirtschaftet werden. "Das muss in die Köpfe rein. Ich werde bis 8. Juni dafür kämpfen, dass wir eine Bewirtschaftung dieser Bäume zulassen. Bäume zu schneiden, wäre die fatalste Lösung. Das Ziel muss die Bewirtschaftung für die Zukunft sein. Wir müssen den Obstbau als Aushängeschild sehen und eine Regelung schaffen", bekräftigte Umweltminister Glauber.

Ein Programm für Streuobstwiesen werde aufgelegt. Falls der Landtag zustimme, werde das Geld in den Obstbau und die Bewässerung investiert. Obst sei das fränkische Thema.

Neben den neuesten Sorten und klimaangepassten Neuzüchtungen sind auch etliche alte Obstbaumsorten gepflanzt. Was das Obstanbauversuchszentrum bedeute, habe er schon etlichen Ministern in Bayern erklärt, betonte Thorsten Glauber. Kein einfaches Unterfangen, obwohl die ganze Welt - was den Kirschanbau betreffe - in die Fränkische Schweiz blicke.

Dass gerade die Streuobstwiesen ein aktuelles Thema bei der Umsetzung des Volksbegehrens Artenvielfalt sind, passte zu Glaubers Besuch in der Hiltpoltsteiner Anlage.

Auch Landrat Hermann Ulm (CSU) betonte die Bedeutung des Versuchszentrums. "Über 80 Prozent der Süßkirschen aus Bayern kommen aus der Fränkischen Schweiz", ergänzte Andreas Rösch, Fachbereichsleiter Obstanbau im Landratsamt Forchheim.

Nicht nur der Sachkundenachweis für den Erwerbsobstbau werde hier erworben, sondern der Kirschanbau unter dem Gesichtspunkt Klimawandel für die Zukunft gerüstet und eine Streuobstwiese angelegt.

"Wir haben hier in der Anlage 90 seltene alte Obstbäume gepflanzt und drei Blühstreifen angelegt", erläuterte Rösch. Betreut werden Obstbauern, hauptsächlich Kirschbauern und Hobbygärtner. Die Kirsche sei die Frucht, die den Bauern das Überleben sichere. "Man darf nicht nur sehen, wenn der Bauer in der Intensiv-Obstanlage erntet, sie haben meist auch eine Streuobstwiese", verdeutlichte Hans Schilling, Kreisfachberater am Landratsamt Forchheim. Die Versuchsanlage diene dazu, den Obstanbau zukunftsfähig zu sichern.

Qualifikation für die Zukunft

Eine Ausbildungsstelle mit der Fachrichtung Obstbau einzurichten, sei das Ziel für dieses Jahr. Die gesamte Zeit über finden Versuche statt, um die besten Kirschsorten für die Region zu finden. "Das soll nicht der Obstbauer vor Ort testen müssen. Das findet hier statt", erklärt Schilling. Die Antworten werden dann in den Empfehlungen für die Obstbauern aufgelistet.

Daneben werden andere Kulturen getestet. Kiwibeeren, Pfirsiche und selbst Aprikosen wurden gepflanzt, um auf eine Klimaerwärmung zu reagieren. "Vom Klima her gesehen, könnten wir hier auch Wein anbauen", meinte Schilling. Der Pflanzenschutz war ebenso Thema des Volksbegehrens und ist es seit Langem in der Obstversuchsanlage in Hiltpoltstein. Strenger als die gesetzlichen Richtlinien seien die des Lebensmitteleinzelhandels.

Dass die Landwirte in der Pflicht seien, diese zu erfüllen, musste Schilling nicht erst betonen. "Strategien zur Mittelreduzierung" bei Düngemittel oder Spritzmitteln würden deshalb immer wieder entwickelt, um so wenig wie möglich davon einzusetzen.

"Wir spritzen mittlerweile mit Backpulver. Und ein Malzextrakt gegen tierische Schädlinge wird derzeit getestet", beteuerte Schilling.

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