Forchheim
Unser Thema der Woche // GLEICHBERECHTIGUNG

Weiter Weg zur Gleichstellung

Frauen und Männer sind unterschiedlich, sollten aber gleich behandelt werden. Das gelingt aber nicht immer. Die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Christine Galster kennt sich aus.
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Jennifer Opel Mit dem heutigen Montag beginnt die Themenwoche "Gleichberechtigung" im Lokalteil des Fränkischen Tags. Dabei werden wir Artikel zu verschiedensten Gleichstellungsthemen haben und verschiedenen Fragen nachgehen. Wie ist es denn, als Frau in einem Männerberuf zu arbeiten? Wird der ländliche Raum in Sachen Mobilfunk gleich behandelt wie die Stadt? Und warum schreiben so viele Menschen von "BürgerInnen"?

Sie sehen, das Thema Gleichberechtigung ist vielseitig. Seit über 20 Jahren gibt es deshalb in Bayern auch ein Gleichstellungsgesetz. Im Landratsamt in Forchheim arbeitet sogar eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte. Christine Galster ist seit einem Jahr an dieser Position.

Schon einiges bewirkt

"Allgemein lässt sich sagen, dass das Gleichstellungsgesetz in der Praxis einiges bewirkt hat und gerade in den ersten Jahren ein deutlicher Wandel in Gesellschaft und Berufsleben spürbar war", sagt Galster. Dies hänge auch mit der hartnäckigen Arbeit der vielen Gleichstellungsbeauftragten zusammen. "Heute ist es beispielsweise selbstverständlich und gesellschaftlich akzeptiert, wenn eine Ehefrau und Mutter arbeiten geht. Das wäre in den 70er Jahren nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ehemannes möglich gewesen. Seit dem Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes wurden und werden meines Wissens auch sogenannte Infobörsen für Frauen für den Wiedereinstieg in den Beruf angeboten." Galster führt zudem an, dass Stellenausschreibungen geschlechtsneutral formuliert werden müssen und Frauen bei gleicher Qualifikation und Eignung nicht benachteiligt werden dürfen. "Theoretisch dürfte es auch beim Verdienst auf gleicher Position keinen Unterschied geben. Die Praxis schaut meist anders aus, jedoch lässt sich dies in der Regel nicht konkret nachweisen", weiß die Fachfrau vom Landratsamt.

Es ist gesellschaftlich nach wie vor weit verbreitet, dass sich Frauen um den Haushalt kümmern, die Kindererziehung und die Pflege der Eltern oder Schwiegereltern übernehmen. Sie arbeiten statistisch gesehen öfter in Teilzeit als Männer. "Das führt dazu, dass Frauen eben nicht so einfach wie Männer einen Posten als Führungskraft bekommen, auch wenn sie die gleiche Qualifikation haben", erklärt Galster, "mein Eindruck ist, dass man als Frau mehr leisten muss, um die gleiche Anerkennung wie ein Mann zu bekommen."

Dass die tatsächliche Gleichstellung von Frauen im Alltag noch ein gutes Stück entfernt ist, da ist sich Galster sicher. Es sei eine stets neu zu erfüllende Aufgabe. Für die Fachfrau zeige sich dies unter anderem auch in der Politik. Nach wie vor gibt es weniger Bürgermeisterinnen als Bürgermeister und weniger Politikerinnen auf jeder Ebene. Vom Bundestag bis hin zu den kommunalen Vertretungen. Nicht nur, dass Führungspositionen meistens von Männern begleitet werden und Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen sind in den Augen von Christine Galster Zeichen für Ungleichberechtigung in der Gesellschaft. Auch die Tatsache, dass typische Frauenberufe in der Regel zu den schlechter bezahlten Berufen gehören, sei ein Indiz dafür. Galster führt die Berufe als Friseurin, Zahnarzthelferin und Altenpflegerin als Beispiele an.

Besonders prekär sind zudem die Aussichten auf eine ausreichende Altersvorsorge. "Frauen sind wegen der Kindererziehung häufig in Teilzeit", erklärt sie. Daraus ergebe sich eine niedrigere Rente. "Und demzufolge sind Frauen wegen niedriger Rente nach wie vor häufiger als Männer von Altersarmut betroffen." Die Aufgaben einer kommunalen Gleichstellungsbeauftragten scheinen also in den kommenden Jahren nicht auszugehen.



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