Lichtenfels
Ringen

Weiter keine 2. Liga in Ringer-Deutschland

Wenn der AC Lichtenfels in zwei Wochen das Aufstiegsrecht aus der bayerischen Ringer-Oberliga erworben haben sollte, dann steigt das Team aus der Deutschen Korbstadt in die Bundesliga auf. Die Mehrhei...
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Wenn der AC Lichtenfels in zwei Wochen das Aufstiegsrecht aus der bayerischen Ringer-Oberliga erworben haben sollte, dann steigt das Team aus der Deutschen Korbstadt in die Bundesliga auf.

Die Mehrheit der 23 Bundesligamannschaften hat sich nämlich bei der Bundesliga-Tagung in Würzburg entschieden, dass der deutsche Mannschaftsmeister in den nächsten zwei Jahren weiter in drei Bundesliga-Gruppen mit einer folgenden Endrunde ermittelt werden soll. Eine 2. Liga als Puffer zwischen den Oberligen und der Bundesliga wird nicht eingeführt.

Vier stimmten für Eingleisigkeit

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Nur vier Vereine fanden sich, die in einer eingleisigen Bundesliga den Titel auskämpfen wollten, zu wenig für eine echte Meisterschaft. Die fünf abtrünnigen Teams, die vor zwei Jahren eine eigenständige Profiliga (Deutsche Ringer-Liga) gegründet haben und mittlerweile zum zweiten Mal einen eigenen deutschen Mannschaftsmeister ermitteln, wollte man nicht wieder mit ins Boot holen.

Die erarbeiteten Vorschläge des Bundesliga-Ausschusses fanden keine Mehrheit, ebenso das Ansinnen des Vorstandes des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), der eine eingleisige Bundesliga mit starkem Unterbau - sprich 2. Liga - herbeigesehnt hat. Die acht Endrundenteilnehmer in diesem Jahres hätten aus Sicht des DRB durchaus die Kraft gehabt, die neue Eliteklasse zu bilden. "Die Entscheidung liegt bei den Vereinen", sagte Vizepräsident Günter Maienschein schon vor Wochen - und nun haben sie entschieden.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

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Das heißt für Vereine wie Hüt-tigweiler, Kleinostheim, Greiz, Witten, Aue oder Hausen-Zell, dass sie von den Spitzenteams zwar Prügel beziehen, aber zumindest gegen den Rest auf Augenhöhe kämpfen.

Spitzenteams wie Adelhausen, Köllerbach, Burghausen, Heilbronn oder Mainz werden dagegen in der Vorrunde kaum gefordert. Für diese Clubs beginnt die eigentliche Saison erst mit der Endrunde. Siege wie das 28:0 von Adelhausen gegen Freiburg, das 27:0 von Köllerbach in Riegelsberg oder das 28:2 von Burghausen gegen Pausa/Plauen will allerdings nicht wirklich jemand sehen.

Riss in der Liga

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Die Kluft in der Liga selbst dürfte in den kommenden zwei Jahren nicht kleiner werden. Der riesige Leistungsunterschied von der Bundesliga zu den Verbandsligen erst recht nicht. Mit der Entscheidung der Vereine dürfte nunmehr erst recht mit wenig Begeisterung im Aufstiegskampf zu rechnen sein. Viele Spitzenvereine aus den obersten Verbandsligen winken enttäuscht ab, hatten die meisten Vereine nun doch mit einer 2. Liga als Zwischenschritt gerechnet.

Vier starke ausländische Athleten und mindestens zwei Ringer mit deutschem Pass, die auch Punkte gegen nationale oder internationale Kämpfer holen können, braucht jedes der 23 Bundesligateams. Die anderen vier deutschen Ringer sollten dabei die Niederlagen so gering wie möglich halten, dann klappt es auch gegen etwa gleichwertige Konkurrenz.

Deutsche Ringer fehlen

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Doch angesichts von nur noch 100 Freistilringern, die sich überhaupt bei deutschen Männermeisterschaften der Konkurrenz stellen und etwa 130 Griechisch-Römisch-Spezialisten ist der Bedarf an guten deutschen Ringern für die 23 Bundesligateams - und erst recht für den teilweise doch recht starken Unterbau - riesengroß und nicht im Entferntesten zu decken. Mit der Einführung der Deutschen-Quote und dem Punktesystem im Vorjahr sind es nicht mehr deutsche Ringer geworden. Dafür sind die Antrittsgelder und Punktprämien kräftig gestiegen. Auch das dürfte wieder zulasten der kleineren Vereine gehen, die Basis wird leergesaugt, und wer sein Ringertrikot richtigherum anziehen kann, kämpft in der höchsten deutschen Kampfklasse.

Die Vereine haben auf der Bundesligatagung in Würzburg demokratisch entschieden, doch eine Strukturreform wird und muss kommen. Die sollte dann nicht übers Knie gebrochen werden, weil es nicht mehr anders geht, wenn kaum noch Aufsteiger gefunden werden und sich immer mehr Teams aus dem Schlachtfeld der höchsten Kampfklasse aus finanziellen und personellen Gründen zurückziehen.

Nach vier Jahren "Deutscher"

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Bei der Bundesligatagung wurde darüber hinaus die Herabsetzung der N-6-Regelung auf N 4 beschlossen. Das heißt: Wer vier Jahre ununterbrochen und nachweislich in Deutschland seinen Lebensmittelpunkt hat, der wird nicht zum Ausländerkontingent gezählt, selbst wenn er noch nicht im Besitz eines deutschen Passes ist.

Zudem will der DRB-Vorstand Anfang kommenden Jahres auf die Präsidenten der Landesorganisationen und Vereine zugehen, die Ambitionen haben aufzusteigen, denen aber der Sprung von der Regionalliga in die höchste Kampfklasse einfach zu groß ist. Sie sollen für die angedachte Bildung einer zweiten Liga gewonnen werden.



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