LKR Haßberge

Weiter geht's im Verkehrsverbund

Der Kreis Haßberge schreibt den Nahverkehrsplan in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg fort. Für Probleme, die es seit der Umstellung gibt, sollen Lösungen gefunden werden.
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Der Landkreis Haßberge gehört seit Januar 2018 vollständig zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg. Foto: Barbara Herbst/Archiv
Der Landkreis Haßberge gehört seit Januar 2018 vollständig zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg. Foto: Barbara Herbst/Archiv

Andreas Lösch Es wurde schon auch gemeckert, das ist klar. Mit dem Beitritt des Landkreises Haßberge zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) haben sich neue Möglichkeiten ergeben für die Bürger, was den Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel in der Region betrifft. Aber es gibt auch Probleme. Die gute Nachricht: Der Kreis Haßberge und sein Partner VGN wissen um die Schwachstellen, die auch ausgiebig analysiert wurden. Die schlechte Nachricht: Bis alles behoben ist, kann es eine Weile dauern.

Neue Tarifzonen

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Seit dem 1. Januar 2018 ist der komplette Kreis Haßberge im VGN, es gibt nun ein einheitliches Tarifsystem. Laut VGN bedeutet das für die meisten Fahrgäste preislich kaum Veränderungen, nur vereinzelt ist es durch die neuen Tarifzonen zu spürbaren Verteuerungen gekommen. Landrat Wilhelm Schneider erklärte, dass es solche Einzelfälle gibt und man bereit sei, darüber zu reden. Letztlich betrachte man aber den Nahverkehr insgesamt, und da bringe der VGN-Beitritt mehr Vor- als Nachteile. Im Verkehrsausschuss des Kreistags Haßberge ging es am Dienstag darum, den Nahverkehrsplan fortzuschreiben, was das Gremium einstimmig beschloss.

Zentrales Steuerungsinstrument

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VGN-Mitarbeiter Hartmut Müller stellte den Endbericht des Nahverkehrsplans (NVP) vor. Der NVP soll dem Landkreis künftig "als zentrales Steuerungsinstrument und als Rahmenplan zur Sicherung und Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs" dienen, wie es im Beschluss heißt.

Wie eine Schwachstellenanalyse des VGN ergab, gibt es im Kreis Haßberge immer dann eine recht gute Anbindung durch die öffentlichen Verkehrsmittel, wenn gerade keine Schulferien sind: So seien an Schultagen 86 von 116 Ortsteilen an ein Mittelzentrum angeschlossen (im Kreis Haßberge sind Ebern und Haßfurt Mittelzentren), während der Ferien aber nur 52 Ortsteile. Auch an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen sieht es mit der Anbindung schlecht aus, an diesen Tagen wird der Richtwert in 95 Prozent der Ortsteile nicht erfüllt. Hier sieht der NVP in vielen Fällen kurzfristigen Handlungsbedarf, eine Lösung sollte also nicht lange auf sich warten lassen...eigentlich. Es gibt zudem auch geografisch bedingte Nachteile. So habe man in der Analyse laut Hartmut Müller "im nördlichen Landkreis mehr Defizite" festgestellt, während es "entlang der Mainachse eine bessere Anbindung" gibt. Außerdem sagte Müller, dass die Schüler "mit Abstand die größte Kundengruppe" sind. Wichtig sei nun auch, "dass wir neue Kundengruppen gewinnen können, zum Beispiel im Beruf- und Freizeitverkehr" - ein weiterer Grund, die Erreichbarkeit der Mittelzentren (Anschluss an den Bahnverkehr) an Nicht-Schultagen zu verbessern.

Vollständige Barrierefreiheit

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Außerdem sieht das Personenbeförderungsgesetz eine "vollständige Barrierefreiheit" bis Januar 2022 im gesamten Öffentlichen Personennahverkehr vor. Der Landkreis übernimmt diese Vorgabe als eigenes Ziel. So sollen Bushaltestellen barrierefrei um- oder ausgebaut werden. Wie Landrat Schneider erklärte, gehe das nur in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden, die Maßnahmen sollen schrittweise umgesetzt werden. Hartmut Müller erklärte, barrierefrei sei nicht etwa nur auf Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen bezogen, auch "Eltern mit Kinderwagen" oder letztlich Reisende mit großen Gepäckstücken fallen darunter.

Es gibt nach Angaben des Landkreises und des VGN eine "zentrale Herangehensweise" an die Barrierefreiheit, die Grundlage wesentlicher Maßnahmen ist: das Zwei-Sinne-Prinzip. Es besagt, dass bei wesentlichen Informationen und Orientierungshilfen immer "zwei der drei Sinne Hören, Sehen und Tasten" angesprochen werden müssen. Mit den Sinnen können Informationen visuell, akustisch oder taktil erfasst werden, wobei für die Orientierung im Straßenraum meist Sehen und Hören gebraucht wird.

Andere Sinne nutzen

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Sind diese eingeschränkt, könne das zum Teil durch Hilfsmittel kompensiert werden (Sehhilfe oder Hörgerät). Dagegen sind gehörlose oder blinde Menschen darauf angewiesen, den ausgefallenen Sinn bestmöglich durch die verbleibenden auszugleichen.

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