Bamberg

Weiter an Rathaustüren klopfen

Die Visionen von Kulturschaffenden in Bamberg brauchen mehr als nur einen Geburtsraum.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für Veranstaltungen wie das Festival FK:K III ist das Kesselhaus ein willkommener Ort. Foto: Marian Lenhard
Für Veranstaltungen wie das Festival FK:K III ist das Kesselhaus ein willkommener Ort. Foto: Marian Lenhard

Die Ausstellung "Wish you were here" des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken (BBK) läuft gerade noch im Kunstraum Kesselhaus in der Unteren Sandstraße. Der BBK Oberfranken ist neben dem Kunstraum Jetzt, dem Kunstverein Bamberg, dem Architekturtreff Bamberg und Franz KafkA e. V. einer von insgesamt fünf Vereinen, die das ehemalige Krankenhaus-Kesselhaus am westlichen Stadteingang Bambergs lange schon als innovativen Ort für Kunst und kulturelle Begegnung in Bamberg verstanden haben und aktiv bespielen.

"So you think you can tell Heaven from Hell?", lautet eine Liedzeile aus dem Pink-Floyd-Klassiker "Wish you were here", die die Künstlerin Gudrun Schüler in ihrem Ausstellungsbeitrag zu einem ganz besonders starken Porträt verdichtet hat. Mit verbundenen Augen lauschte dieser Kopf dem Grußwort von Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) und den Statements von vier Experten aus ganz Deutschland. Die waren im Rahmen des sechsten Bamberger Kultursalons im Kesselhaus angetreten, um im Gespräch mit dem Publikum und den Kunstraum-Nutzern Visionen für ein Kesselhaus 2.0 zu eruieren und zu entwickeln.

Ein steiniger Weg

Tja, aber ist das, wenn national und international erfolgreiche Kunst- und Kulturprojekt-Manager in Bamberg von den Erfolgen in Berlin, Hamburg und München erzählen, nicht ein wenig so, als würden diejenigen, die schon an der Türe zum Paradies stehen, denjenigen etwas vom Himmel erzählen, die noch im Fegefeuer schmoren? Und müsste es nicht viel eher so sein, dass diejenigen, die im Kunstraum Kesselhaus kreativ und innovativ sind, besonders laut an allen Rathaus-, Fraktions- und Ausschusszimmertüren Bambergs klopfen, um denen da drinnen vom steinigen Weg der Kultur- und Kunstarbeit in Bamberg zu erzählen? Einige wenige Kommunalpolitiker hatten sich an diesem Abend dann auch tatsächlich im Kesselhaus eingefunden, um standhaft und kunst- und kulturaffin den Kreativen in Stadt und Landkreis Bamberg zuzuhören. Und diese ihrerseits kunst- und kulturaffinen Kommunalpolitiker waren es dann am Ende auch, die den Kulturschaffenden Bambergs die Empfehlung gaben, nachhaltig an den entsprechenden Rathaustüren zu klopfen, damit Bamberg nicht weitere Jahrzehnte ohne eine Spielstätte für aktuelle Kunst- und Kultur-Schöpfungen bleibt.

Ein erster Schritt

Dringender als jede teure Bestandsanalyse für das Gebäude Kesselhaus wäre allemal eine Erweiterung der "Spielräume" im Kesselhaus über den "Geburtsraum zentrales Kesselhaus" hinaus. Wenn in der Kommune wenigstens einmal so viel Kraft da wäre, die Sheddach-Anbauten freiräumen zu lassen oder das Kellergeschoss für eine Nutzung freizugeben, damit man weitere Flächen mit neuen Ideen bespielen kann, es wäre schon ein erster Schritt auf einem Stairway to Heaven.

Wenn die Stadt, so wie das der BBK-Bayern-Sprecher Christian Schnurer mehrfach forderte, Fördergelder beim Freistaat abrufen wollte, mit denen Kunst- und Kulturprojekte wenigstens einmal teilweise auszufinanzieren wären, dann wäre schon viel geholfen. So aber ruht man sich in Bamberg auf den Schultern der freien Kunst- und Kulturszene aus, schmückt sich gerne mit deren Lorbeeren, wo die gelegentlich anfallen, und lässt die Ehrenamtlichen bis zur Erschöpfung rudern. Die wollten, vielleicht weil sie über der Blind- und Taubheit ihrer Heimatstadt in Sachen freier Kunstszene verzweifeln, nicht einmal mehr jammern, über die Zustände und Bedingungen vor Ort.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren