LKR Coburg

Weil's Insekten schön finden

Abgestorbene Pflanzen sind so manchem Gartenfreund ein Dorn im Auge. Doch für mehr Artenvielfalt angelegte Blühstreifen sollten auch stehen bleiben, wenn sie welk werden, rät das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten.
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Die angehenden Landwirtschaftsmeister nehmen zusammen mit Anton Weig (Zweiter von links) unter die Lupe, wie sich der Blühstreifen entwickelt hat, den sie im Garten des Landwirtschaftsamtes angelegt haben. Foto: Rainer Lutz
Die angehenden Landwirtschaftsmeister nehmen zusammen mit Anton Weig (Zweiter von links) unter die Lupe, wie sich der Blühstreifen entwickelt hat, den sie im Garten des Landwirtschaftsamtes angelegt haben. Foto: Rainer Lutz

Jeder kann helfen, Insekten wieder mehr Lebensraum zu schaffen. Das ist eine Botschaft, die Anton Weig vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg aussenden wollte, als er beschloss im Garten der Behörde einen Blühstreifen anzulegen. Und weil er als Leiter der Abteilung Bildung und Beratung für die Ausbildung des Berufsnachwuchses mit verantwortlich ist, ging er das Projekt zusammen mit den jungen Landwirten an, die sich gerade auf die Meisterprüfung vorbereiten.

Rund 30 Meter lang und sechs Meter breit ist der Streifen. So viel Platz hat wohl nicht jeder in seinem Garten. "Aber Firmen und Gebäude der öffentlichen Hand vielleicht schon", meint Anton Weig. Im April wurde dann der Streifen für die Aussaat vorbereitet. "Wir haben den Wiesenboden aufgefräst", erklärt Weig. Dann wurde eine Blühmischung ausgebracht. Vier Wochen später, im Mai, eine weitere.

Zum Einsatz kam zum einen die Mischung "Lebendiger Gewässerrand" und zum anderen die Mischung "Wärmeliebender Saum". Die Mischungen enthalten Samen von mehr als 50 Kräutern. Damit sind sie um einiges aufwendiger und allerdings auch teurer als die so genannte Göttinger Mischung, die von Landwirten unter anderem in einem Programm zum Einsatz kommt, mit dem der Lebensraum für Rebhühner verbessert werden soll, wie Matej Mezovsky erklärt, der beim Amt Fachmann für Wildlebensräume ist.

Verschiedene Mischungen

Die beiden verschiedenen Mischungen wurden ausgebracht, um zu sehen, wie sie sich unterschiedlich entwickeln. "Es blüht nie alles gleichzeitig, aber immer irgendetwas", sagt Anton Weig. Insekten finden also über den ganzen Sommer Nahrung. Vögel auch. "Auf einem Hektar rechnen wir aus der Mischung mit etwa 300 Kilogramm Nahrung für Vögel", erklärt Matej Mezovsky. Auch der Streifen im Garten des Amtes lockte eine Menge gefiederte Besucher an.

Die Strukturen in der Landschaft haben sich verändert. In der Vergangenheit fanden sich dort brachliegende Äcker, Altgrasstreifen an noch häufig vorhandenen Feldrainen und extensiv genutzte Gärten. "Um das wieder zu ergänzen werden von Landwirten teilweise ganze Felder, aber auch Randstreifen entlang von Äckern oder an Flussufern angelegt - meist ohne dass es ihnen bezahlt wird", sagt Anton Weig. Insektenschutz sei aber nicht die Aufgabe der Landwirte allein. "Auch in der Stadt kann viel getan werden", ist er überzeugt.

Stadt und Land - Hand in Hand

Wenn Landwirte auf ihren Flächen solche bunten Lebensräume schaffen, unterliegen sie genauen Vorschriften und werden vom Amt überwacht. Aber auch wer in der Stadt Blühflächen anlegt, die Insekten, Vögeln und Kleintieren nutzen sollen, sollte einiges beachten. Zeit zur Aussaat ist am besten im April. "Die letzten Fröste sollten vorbei sein", erklärt Anton Weig. Saatmischungen gibt es im Gartenfachhandel. Nach der Bestellung hat der Gartenbesitzer erst einmal wenig Arbeit mit seiner Blühfläche. Er sollte sie in Ruhe wachsen lassen.

Wenn im Herbst alles welk wird und verdorrt, kostet es vielleicht manchen Hobbygärtner ein wenig Überwindung, alles einfach stehen zu lassen. Doch gerade dann entfaltet die Fläche ihren Wert als Raum für die Überwinterung kleiner Lebewesen.

Wenn etwas gemäht wird, dann sollte hoch mit der Sense ein kleiner Teil der Fläche gekürzt werden, damit dort im Frühjahr frisches Grün kommen kann. Der Rest dient früh im Jahr als Brutfläche für eine Reihe von Arten. Mit der Zeit beginnt dann wieder in Abständen immer etwas zu grünen und zu blühen. "Wir tun uns leichter, wenn wir Landwirten zeigen können, dass auch in den Städten etwas getan wird und wir das nicht nur von ihnen verlangen", sagt Anton Weig.

Im Sommer hatte bereits der Maschinenring gemeinsam mit Naturschützern und Bauern eine erfreuliche Bilanz gezogen. Mehr als 70 Hektar landwirtschaftlicher Fläche waren mit Blühstreifen eingesät, um Insekten zu helfen. Eine Initiative, die auch in Zukunft fortgesetzt werden soll.

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