Kulmbach

Weil ihm der Pulli nicht gefiel ...

Während einer Bewährungszeit schlug ein junger Mann erneut zu. Trotzdem fiel die Strafe mild aus.
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Vor einer Kulmbacher Diskothek flogen die Fäuste, jetzt trafen sich die Kontrahenten vor Gericht wieder. Symbolfoto: Christopher Schulz
Vor einer Kulmbacher Diskothek flogen die Fäuste, jetzt trafen sich die Kontrahenten vor Gericht wieder. Symbolfoto: Christopher Schulz

Für den 26-jährigen Mann aus dem Landkreis Kulmbach sah es nicht gut aus. Er hatte sich am 8. Dezember vergangenen Jahres vor dem "KU 7" in der Klostergasse mit zwei Brüdern eine handfeste Schlägerei geliefert. Und das, obwohl er damals unter einer laufenden Bewährung stand und bereits einschlägige Vorstrafen hatte. Vor Gericht kam er aber trotzdem noch einmal mit einer milden Sanktion davon.

Einer der Brüder zog sich an besagtem 8. Dezember eine Platzwunde zu, der andere brach sich die Mittelhandknochen und die Elle. Er hat noch immer Schmerzen und eine Platte im Arm. Aus diesem Grund musste sich der Angeklagte wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen verantworten.

Ausgangspunkt für den Streit vor der Diskothek war eine Frotzelei, die vom Angeklagten ausging. Er soll einen der beiden Brüder, der ihm völlig fremd war, wegen seines roten Adidas-Pullovers angepöbelt haben. Er habe diesen Pulli wohl ganz billig im Internet gekauft.

Sofort entwickelte sich ein Streit zwischen dem 26-Jährigen und den beiden Brüdern, die mit 1,9 und 1,3 Promille stark alkoholisiert waren. Der Angesprochene sagte, er habe plötzlich "Spucke" an seiner Wange gespürt. Fakt ist, dass die Situation eskalierte, die verbale Auseinandersetzung mündete in einer Schlägerei.

Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte mitteilen, dass einer der beiden Brüder den ersten Schlag gesetzt habe. Ein Security-Mitarbeiter der Diskothek bestätigte dies. Die beiden Brüder indes waren sich in diesem Punkt nicht sicher.

Jedenfalls muss der Angeklagte zurückgeschlagen haben. Einer der beiden Brüder ging zu Boden. Daraufhin fühlte sich der andere genötigt, einzugreifen. Die Schlägerei verlagerte sich auf die andere Straßenseite. Nicht geklärt werden konnte, ob der Beschuldigte noch auf den Verletzten einschlug, als dieser schon am Boden lag, oder ob er von ihm abgelassen hatte.

Bein gestellt?

Im Zeugenstand sagte der Verletzte aus, dass der Angeklagte ihm ein Bein gestellt habe und dass er auf die Bordsteinkante gefallen sei. Bei der Polizei allerdings hatte er angegeben, dass der Angeklagte ihn am T-Shirt gezogen habe und er daraufhin über den Bordstein gestolpert sei. Auf Nachfrage des Verteidigers und der Richterin war sich der Zeuge dann plötzlich nicht mehr sicher, ob er sich die Verletzungen durch die Schläge oder bei seinem unglücklichen Sturz zugezogen habe.

Noch eine Variante

Der Security-Mitarbeiter war der einzige unabhängige Zeuge. Doch da die Tat sehr lange zurückliegt, erinnerte er sich nicht mehr an Details. Vielmehr tischte er dem Gericht eine ganz andere Variante auf - eine, die er bei der polizeilichen Vernehmung nicht von sich gegeben hatte.

Nachdem auch eine Polizeibeamtin mit ihrer Aussage kein Licht in die Angelegenheit bringen konnte, gab es ein Gespräch zwischen den Juristen und dem Verteidiger Thomas Drehsen aus Bamberg.

Richterin Sieglinde Tettmann stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage von 3000 Euro ein. Zahlbar ist dieser Betrag in monatlichen Raten zu je 500 Euro. "Wenn die Geldstrafe bezahlt wird, hat dies auf die laufende Bewährung keinen Einfluss", so Tettmann.

Allerdings konnte sich die Richterin einen Ratschlag zu solchen "Frotzeleien" nicht verkneifen: "Das Ganze ist aus einem völlig idiotischen Anlass entstanden. Lassen Sie in Zukunft so etwas einfach."

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