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Marktzeuln
Vortrag

Weil die Marktzeulner stets eigene Wege gingen

Anlässlich des Jubiläums der Schützengesellschaft ging Prof. Rüdiger Feulner, der schon die Geschichte von Marktzeuln in einem Buch zusammengefasst hat, auf die Geschichte des Schützenwesens hier ein....
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Lebendig war der Festvortrag zur Geschichte von Marktzeuln von Rüdiger Feulner.  Foto: Dieter Radziej
Lebendig war der Festvortrag zur Geschichte von Marktzeuln von Rüdiger Feulner. Foto: Dieter Radziej

Anlässlich des Jubiläums der Schützengesellschaft ging Prof. Rüdiger Feulner, der schon die Geschichte von Marktzeuln in einem Buch zusammengefasst hat, auf die Geschichte des Schützenwesens hier ein. "Zeulner sind anders", schon als er diesen Satz zur Einleitung seines Festvortrages prägte, schmunzelten vor allem viele Mitglieder des Schützenvereins und der Marktgemeinde. Und in der Tat konnte Feulner dies sehr wohl belegen.

Schon Mitte des 15. Jahrhunderts hatte das Dorf eine Dorf- oder Marktordnung erhalten und nahm damit den Charakter einer fürstbischöflichen Stadt an. 1628 tauchte in einer Gemeinderechnung von Marktzeuln ein Nachweis darüber auf, dass ein Schützenröcklein aus rotem Stoff bezahlt wurde. Und nachdem mit der Dorfordnung das Zusammenleben der Menschen geregelt war, gehörten dazu auch die Schützen, die die Tore zu bewachen hatten.

In besonderer Weise wandte sich der Experte aber auch dem "Freischießen" zu und konnte erklären, dass sich damit die besten Schützen zur damaligen Zeit vom Wehrdienst beim Landesherrn regelrecht "frei schießen" konnten.

Trotz alledem blieben die Zeulner Schützen nicht vom Dienst mit der Waffe verschont, so gibt es etwa Berichte von schweren Gefechten im Dreißigjährigen Krieg. Am 10. März 1646, als Marktzeuln von den Schweden niedergebrannt wurde, zählten auch 60 Männer aus Marktzeuln, vor allem Schützen, zu den Opfern.

So fasste Feulner die Jahrhunderte zusammen, von der Ver- wüstung der Region am Obermain durch französische Truppen bis zur Teilnahme von nahezu 600 Soldaten vom Napoleonischen Heer an der Fronleichnamsprozession im Jahr 1796. Die erste Vereinsfahne wurde in dieser Zeit von Johann Schrepfer gestiftet. 1798/99 erfolgte dann die Anschaffung von Gewehren und aus dem Jahre 1814 ist vermerkt, dass auch Männer aus Marktzeuln in der Landwehr dienten.

Auch die NS-Zeit durfte in dem Festvortrag nicht fehlen und Feulner berichtete, dass Zeulner Schützenmeister und Schützen den Machthabern ihrer christliche Gesinnung wegen auffielen oder auch, weil sie ein allzu liberales Gedankengut vertraten.

Feulner griff an dieser Stelle nochmals seinen einleitenden Gedanken - Zeulner sind anders - auf und verwies darauf, dass einmal der Marktgemeinderat geschlossen zurücktrat, als der Ort einen linientreuen Bürgermeister erhalten sollte.

Der Blick in die Geschichte kann verdeutlichen, so Feulner, dass die Einwohner und Schützen stets eigene Wege gingen - und damit der Gesinnung ihrer Vorfahren stets treu blieben. dr