Morschreuth

Weil Brauchtum alleine nicht reicht

Bei der Veranstaltung des Fränkische-Schweiz-Vereins in Morschreuth ging es auch darum, die Jugend für dessen Anliegen zu gewinnen. Zum Klimawandel äußerte sich der neue Kulturpreisträger Wolfgang Schirmer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der neue Kulturpreisträger des Fränkische-Schweiz-Vereins, Prof. Wolfgang Schirmer (Mitte), mit FSV-Hauptvorsitzendem Reinhardt Glauber (links ) und Laudator Walter Tausendpfund Foto: Thomas Weichert
Der neue Kulturpreisträger des Fränkische-Schweiz-Vereins, Prof. Wolfgang Schirmer (Mitte), mit FSV-Hauptvorsitzendem Reinhardt Glauber (links ) und Laudator Walter Tausendpfund Foto: Thomas Weichert

Heimattage der Fränkischen Schweiz, wie sie früher mit großen und bunten Festzügen gefeiert wurden, gehören der Vergangenheit an. Der inzwischen 27. Heimattag des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) wurde jetzt in einem überschaubaren Rahmen in der Kulturwerkstatt Fränkische Schweiz im Malerdorf Morschreuth mit einem Festakt gefeiert, bei dem der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) der Festredner war, Geologieprofessor Wolfgang Schirmer aus Wolkenstein der Kulturpreis des FSV verliehen und der Vorsitzende der FSV-Ortsgruppe Ebermannstadt, Hans Weisel, zum ersten Ehrenmitglied in der 118-jährigen FSV-Geschichte ernannt wurde.

FSV-Hauptvorsitzender Reinhardt Glauber rief in seiner Eröffnungsrede dazu auf, sich wieder auf die geschichtliche Entwicklung der Fränkischen Schweiz zu besinnen, um sich den Chancen und Entwicklungen der Gegenwart bewusst zu werden, damit Traditionen und Brauchtümer in die nächsten Generationen weiter getragen werden. Glauber ist sich jedoch bewusst, dass man alleine mit Brauchtum und Tradition die Jugend nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann. "Die Jugend muss spüren, dass wir die Zeichen der Zeit und die daraus entstehenden Notwendigkeiten sehr wohl erkennen, dass wir differenzieren können, dass wir begründet nicht jede Neuerung mitmachen, dass wir uns unserer Herkunft bewusst sind und dass wir auch zeigen, dass wir bereit sind, Brauchtum und Tradition weiterzugeben, und dass wir unsere Jugend und deren Wünsche und Bedürfnisse auch ernst nehmen", so Glaubers Appell.

Daran knüpfte auch Umweltminister Thorsten Glauber während seiner Festrede an. Jugendliche würden sich wieder nach Heimat sehnen. Des Ministers Wunsch: "Lassen Sie uns gemeinsam unsere Gemeinden fit machen für die Zukunft. Wir müssen unseren Naturschatz auf allen Ebenen nach außen hin zeigen und unsere Geschichten erzählen. Geschichten vom Land der Romantiker und der Burgen und unserer Landschaft, die es gilt, in Zukunft für unsere Kinder und Enkel zu gestalten."

Für mehr Nachhaltigkeit

Der Minister trat für mehr Selbstständige ein, für die Gestaltung der Ortskerne, gegen Toskanahäuser an den Ortsrändern und vor allem für mehr Nachhaltigkeit. Eine Super-Idee dafür sei das geplante Nahwärmenetz in Gößweinstein. "Jetzt ist die Zeit, Veränderungen zu leben, für die wir das Feuer für unsere Jugend mittragen müssen, denn nur die Jugend kann die Zukunft gestalten."

Walter Tausendpfund hielt anschließend die Laudatio auf den neuen Kulturpreisträger Wolfgang Schirmer, der bis 2003 Professor an der Universität Düsseldorf war. Der gebürtige Amberger hat sich auch intensiv mit der geologischen Entwicklung der Fränkischen Schweiz beschäftigt und darüber zahlreiche Fachartikel in der FSV-Zeitschrift veröffentlicht. Seit Schirmer in Pension ist und mit seiner Frau Ursula in Wolkenstein lebt, beschäftigt er sich zum Beispiel mit der Erforschung der Herkunft der Steine, mit denen die Gößweinsteiner Basilika gebaut wurde.

Was Schirmer während seiner Dankesworte zum Klimawandel sagte, ließ aufhorchen: So sei die Entwicklung nichts Schlimmes, der Klimawandel unterliege einer 100 000-jährigen Periode. Frühere Warmzeiten seien alle wärmer gewesen als die heutige. Als Geowissenschaftler habe er längst darauf gewartet, dass es wieder wärmer wird. "Die heutige Warmzeit existiert seit 11 500 Jahren und der erste große Abschnitt ist vor rund 7500 Jahren gewesen, als die Russen und Syrer bei uns einwanderten und uns Ackerbau und Viehzucht brachten. "

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren